Abwärme nutzen auf schwäbisch

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Industrielle Abwärme nutzen, das klingt nach groß. Industrie, Hochöfen und Großbäckereien. Ist ja auch eigentlich so. Aber ein Schwabe zeigt, man kann auch ganz andere Abwärmequellen dazu nutzen kann, Energie und Wärme zu erzeugen bzw. umzuwandeln. Er beheizt sein Haus nämlich mit der Abwärme des Abwasserkanals. Eine kleine Lösung hinter der in Wahrheit Großes steckt.


Ein Schwabe, wie könnte es anders sein, werden viele Leser nun denken, aber die Tüftler-Mentalität der Menschen rund um Stuttgart hat es in sich. Oder auch: eine Sparmaßnahme der schwäbischen Art.

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Die besten Ideen entstehen auf dem Klo, sagt man. Oder wenn man in den Abwasserkanals schaut. Warum nicht die Abwärme des Kanals zum heizen nutzen?

Schwabe heizt sein Haus mit Wärme aus dem Abwasserkanal

Es gibt viele Möglichkeiten, sein Haus zu heizen: Mit Gas oder Öl, mit Erdwärme oder sogar Solarkraft. Soweit, so bekannt.Siegried Müller aber, aus dem Dörfchen Steinhauses bei Rottum in Oberschwaben kam vor acht Jahren auf eine ganz andere Idee. Ihn störte es nämlich ungemein, das die Abwässer seines Hauses ungenutzt in der Kanalisation verschwanden. Da muss es doch was zu sparen geben?

Die Temperaturen in den Abwasserkanälen liegt zwischen 4 und 13° C oder sogar darüber. Heißes Duschwasser läuft hinein, warmes Wasser aus der Badewanne und kochendes aus Töpfen – dazu noch die Abwässer aus Wasch- und Spülmaschinen.

Diese Wärme ungenutzt zu lassen, ist eine ziemliche Verschwendung, das jedenfalls fand Siegfried Müller und wollte die Wärme lieber für ein 300 Quadratmeter großes Haus verwenden. Innerhalb von wenigen Tagen bekam er von der Gemeinde die Genehmigung, das Abwasserrohr anzubohren und die warme Luft oberhalb der Brühe abzusaugen.

Weil die Temperatur der Luft aus dem Kanal aber nicht für ein warmes Haus reicht, hievt Müller die Temperatur mit einer handelsüblichen Wärmepumpe auf ein höheres Niveau. An Heizkosten fällt nur noch der Strom an, den die Wärmepumpe verbraucht.

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Genial, sparsam und einfach. Das Konzept wie Siegfried Müller die Wärme des Abwasserkanals nutzen will.

Im Sommer mit Kanalluft kühlen

Die Wärmepumpe schluckt die warme Luft aus dem Kanal und pustet sie abgekühlt dahin zurück. Ein Wärmetauscher nimmt die so gewonnene Energie auf und stellt sie zum Heizen und zur Warmwasserbereitung zur Verfügung.

Im Winter ist die Kanalluft immer noch weitaus wärmer als die Außenluft, die durch die Belüftungsschächte ständig in den Kanal strömt. Deshalb könnten weitere Hausbesitzer unterhalb von Müller ebenfalls warmes Wasser aus dem Kanal nutzen.

Bei Außentemperaturen oberhalb des Gefrierpunktes verzichtet Müller auf die Wärme aus dem Boden. Im Sommer verwendet er seine Anlage wiederum zur Klimatisierung seines Hauses.

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Kanalheizungs-Pionier Siegfried Müller. Müller ist überzeugt, dass sein System massentauglich ist.

Unangenehme Gerüche gebe es nicht, sagt Müller, der Geräte für Bau und Logistik vertreibt. Im Keller, wo seine Anlage steht, rieche es allenfalls mal nach Seife. Die Kilowattstunde Wärmeenergie kostet Müller nun etwa sechs Cent und ist damit günstiger als das Heizen mit Erdgas.

Müller könnte auch mit einer Wärmepumpe heizen, die Wärme aus der Erde nutzt. Diese brauchen jedoch sehr viel mehr Strom, weil die verfügbaren Temperaturen bei allenfalls zehn Grad liegen.

Der französische Präsident heizt auch so

Dass die Idee Potenzial für mehr hat, glauben auch Unternehmer wie Mark Biesalski, Geschäftsführer der Uhrig Kanaltechnik, einem Unternehmen aus Geisingen, nordwestlich des Bodensees. Das Unternehmen hat sich auf die Wärmegewinnung aus Abwasser spezialisiert.

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Verblüffend. Auch das Büro des französischen Präsidenten wird mit Abwasser-Wärme beheizt.

„Mit dieser Technik könnte theoretisch jedes dritte Gebäude in Deutschland mit Heizenergie versorgt werden“, sagt Biesalski.

Uhrig hat bisher zahlreichen, auch größeren Gebäuden auf diese Weise eine neue, umweltverträgliche Form der Beheizung installiert: „Der Élysée-Palast in Paris wird mit Abwasserenergie beheizt, ebenso Teile des Neubaus des Bundesumweltministeriums“, erklärt Biesalski. Ebenso sei diese Form der Energiegewinnung in Wohngebieten in Hamburg und München zu finden.

In der Tat, wenn bereits der französische Präsident mit Abwasser-Wärme heizt, sollte das Potenzial dieser Idee sehr groß sein. Vive la France und die schwäbische Provinz.

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Comments

  1. Tom2134 says:

    Ob es dann im Elysee Palast auch den ganzen Tag nach Abwasser-Kanal riecht? Keine Ahnung, ich war noch nie drin…

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