Algensprit aus Italien

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Biotreibstoff: Erster europäischer Algentreibstoff kommt aus Italien. Während Italien sonst nicht dafür bekannt ist „schnell“ zu sein, egal ob politisch oder ökonomisch so zeigt das Land, es geht auch anders. Die erste europäische Algentreibstoff-Fabrik entsteht derzeit im norditalienischen Modena.


In kaum einem Land wird Algenforschung so intensiv betrieben wie in Deutschland. Trotzdem wird Biodiesel hier zu Lande noch immer aus heimischem Raps- und importiertem Palmöl hergestellt, also aus Rohstoffen, die auch als Nahrungs- und Futtermittel dienen.

Andere Länder sind da fortschrittlicher. Sie setzen auf Algen, die Öl produzieren, die sind nämlich ebenso gut wie Raps- oder Palmöl zur Herstellung von Biodiesel geeignet.

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Algen in der Adria, in manchen Jahren für viele Urlauber eine „Pest“. Doch Italien will nun aus Algen Biosprit gewinnen.

Ferrari und Algensprit – Italien geht voran

In Modena, der Heimat von Ferrari, will das italienisch-russische Unternehmen Teregroup eine Demonstrationsanlage bauen. In endlosen gläsernen Rohren sollen Algen wachsen und aus denen will Teregroup Biodiesel herstellen.

Algen 16 mal ergiebiger

Die Ergiebigkeit der Wasserpflanzen pro Flächeneinheit ist im Vergleich mit herkömmlichem Grünzeug bis zu 16 Mal höher. Außerdem brauchen Algen keinen wertvollen Ackerboden. Sie lassen sich auf jedem Untergrund züchten, selbst dem steinigsten. Öl macht rund 50 Prozent ihres Gewichts aus.

In Brasilien, Australien und den USA laufen bereits Anlagen, in denen Algensprit erzeugt wird. Kürzlich kam die erste europäische Produktionsstätte im italienischen Modena hinzu, die mit der Zeit zu einer kommerziellen Anlage ausgebaut werden soll.

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Die erste europäische Algensprit Anlage entsteht im italienischen Modena. Der Heimat von Ferrari. Fährt der Testarossa bald mit Algensprit?

Doppelt soviel Öl

Das Besondere an dem italienischen Prozess beschreibt der Teregroup-Projektleiter Michael Magri gegenüber dem „Il Sole 24 Öre“ so: “Im Vergleich mit den bisher getesteten Verfahren produzieren wir dank spezieller Algen und unserer Verarbeitung rund doppelt so viel Öl.” Das Verfahren hat Magri in den vergangenen drei Jahren zusammen mit Experten der Universität Modena entwickelt. Die Pilotanlage soll eine Größe von rund 100 Quadratmetern haben.

Der Prozess der Biosprit-Gewinnung funktioniert so: Nach der Ernte kommen die Algen in eine Presse. Je nach verwendeter Art enthält das Öl zusätzlich hochpreisige Wertstoffe wie Omega-3-Fettsäuren, die Nahrungsmittelhersteller als Zusatzstoffe einkaufen. Das verbessert die ökonomische Bilanz des Verfahrens.

Das übrige Öl wird mit Methanol versetzt, dabei wird wiederum Glycerin abgetrennt, das von der Pharma- und Kosmetikindustrie benötigt wird. Im Öl hat es allerdings die Eigenschaft, fest zu werden, sobald der erste Frost einsetzt.

Schon heute: 20% Algendiesel ist möglich

Die Pressrückstände in Modena können Landwirte als Tierfutter und Dünger verwenden. Wie viel der Liter Algensprit aus Italien künftig kostet, steht noch nicht fest. Allerdings fuhren Dieselfahrzeuge mit 20 Prozent Anteil Algensprit im Treibstoff bei Tests ohne Probleme, sagt Margi.

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Ein Photobioreaktor für die Kultivierung von Mikroalgen. Algen benötigen zum wachsen im wesentlichen nur Sonnenlicht und Kohlendioxid, dazu noch kleine Mengen an anderen Nährstoffen.

40.000 Quadratkilometer genügen für die USA

Die Kosten einer ersten industriellen Anlage schätzt Magri auf rund acht Millionen Euro. Auf einer Größe von zwei Hektar würden die Algen dort in einzelnen Tanks mit einem Fassungsvermögen von insgesamt drei Millionen Liter Wasser wachsen.

Theoretisch haben Biotreibstoffe aus Algen großes Potenzial. Das US-Energieministerium hat ausgerechnet, dass Algenzuchtstationen auf einer Fläche von knapp 40.000 Quadratkilometer ausreichen würden, um die USA komplett mit Treibstoff zu versorgen. Zum Vergleich: Hessen ist gut halb so groß.

Biosprit ist noch zu teuer

Die Herstellung des Algenkraftstoffs ist Technologisch sehr aufwändig und deshalb noch sehr teuer. Doch an diesem Punkt will die Politik helfen. Das Europäische Parlament will per Gesetz dafür sorgen, dass bis 2020 mineralischem Diesel sechs Prozent Biodiesel beigemischt wird, eine Quote, die in Deutschland schon nahezu erreicht ist.

Gut ein Drittel davon sollen Biotreibstoffe der zweiten Generation sein, also aus Rohstoffen hergestellt werden, die weder als Nahrungs- noch als Futtermittel genutzt werden können. Dem Algendiesel könnte die Zukunft gehören.

Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel: Seegras-Sprit auf alten Bohrinseln >>

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