Das Ende einer Industrie

Das Ende einer Industrie_Energy-Mag

Das Kapital weist der Energiewende Deutschland den Weg. Ein Jahr nach Eon hat nun auch der RWE-Konzern verkündet, das Unternehmen in zwei Geschäftsfelder aufzuspalten und die neue Tochtergesellschaft, in der die Erneuerbaren Energien vereint werden, an die Börse zu bringen. Schon bei Eon war wild darüber spekuliert worden, was die wahren Gründe für einen solchen weitreichenden Unternehmensumbau sind. Bei RWE liegen die Karten nun offen auf dem Tisch: Das Unternehmen erhofft sich durch diesen Schritt einen günstigeren Zugang zum Kapitalmarkt.


Die Wahrheit hinter der Meldung

Niemand mag mehr in fossile Energieträger investieren. Sie nicht, wir nicht und die Börsianer schon gar nicht, die sind nämlich schlau.

Bereits vor zwei Jahren hatte sich einer der ganz großen auf dem internationalen Finanzbankett, Warren Buffet, von den fossilen Energien ab- und den Erneuerbaren Energien zugewandt. 30 Milliarden US $ wird seine Firma Berkshire Hathaway in die Energiezukunft investieren. Mit seinen Investments erzielt Warren Buffet seit Jahrzehnten eine durchschnittliche Rendite von 20% per anno. Heerscharen von kleinen und größeren Investoren folgen den Anlageentscheidungen des Orakels von Oklahoma.

Zum Beispiel der Papst, der Rockefeller-Nachfahre Stephen Heintz, der norwegischen Staatsfonds und die London School of Economics. Sie alle sind Teil einer weltweiten Bewegung, die das Geld aus Investitionen in fossile Energien abzieht. Zu ihr gehören studentische Initiativen in Berkeley, Kalifornien, ebenso wie die Versicherungskonzerne Allianz und Axa. Die Divestment-Kampagne ruft weltweit Institutionen und Unternehmen dazu auf, Investitionen aus Firmen abzuziehen, deren Geschäftsmodell auf fossilen Brennstoffen beruht. Offenbar treffen sich in diesem Ziel das ethische Anliegen des Klimaschutzes und die finanziellen Risikobewertungen. Die großen Anleger reagieren.

Das Ende einer Industrie_Energy-Mag
Was die Politik nicht schafft: der Finanzmarkt macht der Kohle den Gar aus, weil niemand mehr in fossile Energieträger investieren will.

Kapital und Energiewende gehen Hand in Hand

Bei einer Schuldenlast von 25,8 Mrd. € will Finanzvorstand Bernhard Günther von RWE einen Betrag im dreistelligen Millionenbereich bei der Refinanzierung sparen. Sein derzeitiges Problem: Die gigantische Summe von 3,4 Billionen US $ steht für Investitionen in Kohle, Öl und Erdgas nicht mehr zur Verfügung, weil die Wege zum Kapitalmarkt verschlossen bleiben.

Das Kapital geht neue Wege

Wenn die großen Finanzinvestoren das Risiko des weiteren Investments in fossile Geschäfte scheuen, wohin fließt dann das Kapital? Hier weisen Veranstaltungen rund um den Klimagipfel den Weg. „Mission Innovation – Accelerating the clean energy revolution“ heißt eine neue Initiative von Staaten, Unternehmen und Privatinvestoren, die mehr Mittel für Forschung und Entwicklung sauberer Energien bereit stellen wollen.

Unter ihnen sind Länder wie China, Indien, die USA, Indonesien und Brasilien sowie die EU-Staaten. Als Privatleute machen, wie die Klimaretter berichten, Mark Zuckerberg (Facebook), Jeff Bezos (Amazon), Meg Whitman (Hewlett-Packard) und der ehemalige Microsoft-Chef Bill Gates mit. Ziel der Initiative ist es, vor allem den Menschen in den Entwicklungsländern einen Zugang zu sauberer Energie zu verschaffen, den Klimaschutz zu fördern und die Armut zu bekämpfen.

Alle US-Präsidenten von Reagan bis Obama sahen in der Renaissance der Atomindustrie eine mögliche Antwort auf die Herausforderung des Klimawandels. Dass diese Renaissance in den USA und in anderen Ländern nicht stattgefunden hat, ist dem scheuen Reh Kapital geschuldet. Der Bau neuer Atomkraftwerke war bei den hohen Risiken zu keinem Zeitpunkt lukrativ. Danke, Kapital.

Das könnte Sie auch interessieren:

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: