Das erneuerbarste Land der Welt

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Ein kleines Land im Herzen Amerikas, Luftlinie: 9.349,17 km vom Frankfurter Flughafen entfernt und 15 Stunden und 15 Minuten Flugzeit, macht vor, wonach alle streben. Costa Rica ist bereits heute zu 90% erneuerbar und 2021 will es das zu 100% sein. Unlängst verkündete das Land sogar seit Anfang des Jahres seinen Strombedarf ausschließlich aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Ein Wunderland der Energiewende?


Während die EU sich engagiert um zwei Grad Klimaziele herumstreitet und Deutschland stolz auf seine „German Energiewende“ ist, hat sich ein Land heimlich still aber konsequent zum Star am erneuerbaren Länderhimmel aufgeschwungen.

Costa Rica, das kleine Land in Mittelamerika versorgt sich selbst heute schon zu 90% mit erneuerbarer Energie und will dies bis zum Jahr 2021 zu 100% tun.

100 Prozent erneuerbarer Strom in 2015

Seit Jahresbeginn deckt Costa Rica seinen Strombedarf sogar ausschließlich aus erneuerbaren Energien. Der Grund: Nach ergiebigen Regenfällen konnten die Stauseen Arenal, Cachi, La Angostura und Pirrís ausreichend Strom erzeugen. Das gab der staatliche Energiekonzern ICE jetzt bekannt. Ganze 75 Tage verzichtete das mittelamerikanische Land auf fossile Energieträger und stellte somit einen weltweit einzigartigen Rekord auf.

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100% Erneuerbar: Stauseen decken einen Großteil der costaricanischen Energie, allerdings schwankt die Ausbeute aus der Wasserkraft, wenn Regenfälle ausbleiben. (Foto: Grez/Wikimedia Commons)

Bereits 2009 hatte Costa Rica angekündigt, dass man bis 2021 ganz auf erneuerbare Energien umsteigen und klimaneutral werden wolle. Der US-amerikanischen Energie-Informationsbehörde zufolge erzeugte Costa Rica 2012 mehr als 10.000 Milliarden Kilowattstunden Strom für seine mehr als vier Millionen Einwohner, mehr als 7.000 Milliarden Kilowattstunden stammten aus Wasserkraft.

Anfang des Monats hat die Regierung in San José beschlossen, dass die costaricanischen Energiedienstleister ihren Kunden künftig dezentral erzeugten Strom anbieten müssen.

Quelle: klimaretter.info

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Costa Rica als Umweltbiotop

Mehr als 1/4 der Fläche des Landes steht unter Naturschutz. Bereits Ende der 60er Jahre wurden erste Naturparks gegründet, um die Zerstörung des tropischen Regenwaldes zu stoppen. Politiker, die ihrer Zeit voraus sind gibt es also auch.

Zurzeit gibt es 160 Schutzgebiete wie biologische Reservate, Nationalparks und Naturschutzgebiete. Es gibt 26 Nationalparks über das Land verstreut mit ganz unterschiedlichen charakteristischen Merkmalen.

Neben jahrzehntelanger Förderung des Öko-Tourismus setzt sich das kleine Land in der Mitte Amerikas das ergeizige Ziel bis zum Jahre 2021 eine CO2 neutrale Energieversorgung sicherzustellen. Als erstes Land der Erde. Wow.

Das ist ein hehres Ziel, das aber durch umfangreiche installierte Wasserkraftkapazitäten und einem immer stärker werdenden erneuerbaren Energiesektor aus vornehmlich Geothermie, Biomasse und Windkraft nicht in so weiter Ferne liegt.

Die Natur bezahlen

Zu dieser Erfolgsgeschichte gehört, dass Costa Rica ein Programm aufgelegt hat, das international einzigartig und zugleich visionär ist: „Bezahlung für Services (von) der Umwelt – Payments for Ecosystem Services“.

Konkret heißt das, dass derjenige, der einen Nutzen aus der Umwelt zieht und/oder diese verbraucht auch dafür zahlen muss. Dies hat unter anderem zur Folge, dass der zentralamerikanische Staat zu den einzigen Ländern der Welt gehört, der mehr Regenwald anbaut als er abbaut.

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Kaum zu glauben, aber wahr und visonären Politikern zu verdanken. In Costa Rica wird mehr Regenwald an- als abgebaut. Der Preis reguliert das.

Unternehmer auf nach Costa Rica

Dr. Alvaro Umaña, ehemaliger Minister des Umwelt- und Energieministeriums, stellt heraus, dass ähnlich wie in Deutschland sich ökonomische Ziele mit ökologischen Zielen wunderbar vereinbaren lassen.

Das zentralamerikanische Land hätte gezeigt, dass es keine volkswirtschaftlichen Einbußen hinnehmen müsse, weil es der Umwelt das nötige Gewicht bei ökonomischen Entscheidungen gegeben habe.

Der seit Jahrzehnten immer weiter ansteigende Ökotourismus ist der Beweis dafür, dass mit einem „grünen Konzept“ auch Geld zu verdienen ist. Immer mehr Touristen nehmen das Angebot einer nachhaltigen Reise in das grüne Herz Zentralamerikas wahr.

Costa Rica ist eine Art Laborversuch

Costa Rica dient dabei als eine Art zentralamerikanisches „Labor“ für die Forschung und Entwicklung neuer EE-Projekte und -Produkte. So ist beispielsweise die Erforschung der Sonnenenergie nicht so weit zurück, wie auf den ersten Blick angenommen wird. An der Universidad Nacional (Nationale Universität) in Heredia forschen die einheimischen Wissenschaftler bereits seit über 30 Jahren auf dem Gebiet der Sonnenenergienutzung.

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Windkraftpark in der Provinz Guanacaste im Norden Costa Ricas

Dem Mutigen gehört die Erneuerbare Welt

Die Fokusierung des Landes auf Wasserkraft, Geothermie, Biomasse, Solarthermie und Windkraft bietet Unternehmen in Europa eine einzigartige Chance.

Der Präsident und Eigentümer des costaricanischen Solarthermie-Installateurs SWISSOL S.A. Reto Rechsteiner sagt zum Beispiel: „Die solarthermische Nutzung für die Warmwasseraufbereitung sowie für die Schwimmbadheizung in der Hauptstadt San José stehen dabei hoch im Kurs und bescheren uns einen immer weiter wachsenden Kundenstamm“.

Weitere Informationen über Unternehmenschancen im erneuerbarsten Land der Welt finden Sie im Buch von Claus-Bernhardt Johst „Erneuerbare Energien in Lateinamerika…“ und im Informations-PDF der Deutsch-Costaricanischen Industrie- und Handelskammer mit wichtigen Adressen:

Erneuerbare Energien Costa Rica
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Erneuerbare Energien_Costa Rica
Zum PDF-Download >>

 

Costa-Rica-map

Über Costa Rica

Costa Rica ist ein spanischsprachiges Land in Zentralamerika. Es grenzt im Norden an Nicaragua, im Süden an Panama sowie an die Karibik im Osten und den Pazifik im Westen. Ein Großteil der gut vier Millionen Einwohner des Landes leben im klimatisch begünstigten Hochland, 60% der Costa Ricaner leben in Städten.

Das Land ist berühmt für seinen Artenreichtum und zählt zu 20 an Biodiversität reichsten Ländern der Erde. Aktiv setzt sich das Land seit vielen Jahren für den Umweltschutz und gilt weltweit als ökologisches Vorbild. So setzt setzt das Land auf einen sanften Ökotourismus und gewinnt bereits jetzt 90% seines Energiebedarfs aus Erneuerbaren Energien.

Wiki: Mehr über Costa Rica >>

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Comments

  1. Es gibt eine ganze Reihe Laender, die bereits heute 100%EE sind. Siehe z.B. Bhutan, deren fast einziger Exportartikel EE ist – die ist ein 100%PLUS Land. Das ist schoen, nuetzt aber im Prinzip nix. Warum, das habe ich in einer Podcastfolge ueber die EE in China zusammengefasst: http://sventetzlaff.com/index.php/home/podcast/95-ee-in-china-one-o-one-in-taipei

  2. Redaktion says:

    Lieber Sven Tetzlaff,
    Sie dürfen uns gern weitere Infos zu noch erneuerbareren Ländern wie Costa Rica zu kommen lassen. Vielleicht können wir daraus ja einen weiteren Artikel machen. Einfach per e-mail an die redaktion@energy-mag.com

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