Das Land des Windes

Neuseeland_Wind

Dass Industriestaaten ihren Strombedarf mit Öko-Strom decken können, zeigt Neuseeland: 80 Prozent der Energie stammt aus erneuerbaren Quellen. Ein Vorbild auch für uns in Europa, wo zwar viel geredet, aber am Ende nur überschaulich gehandelt wird. Wir wagen einen Blick auf Neuseelands beeindruckende Öko-Bilanz.


Neuseeland das Land der „Macher“

Während Deutschland über die Energiewende streitet, erzeugt Neuseeland schon heute seinen Strombedarf zu rund 80 Prozent aus regenerativen Energien. Bis 2025 will der konservative Premierminister John Key diesen Anteil auf 90 Prozent steigern. Zum Vergleich: In Europa liegt der Anteile erneuerbarer Energien meist zwischen fünf und 20 Prozent.

Und: Im Jahr 2011 lag der aus erneuerbaren Energien gedeckte Endenergieverbrauch in Deutschland gerade einmal bei 12,2 % des Gesamtverbrauchs (Quelle: Wikipedia).

Neuseeland_Wind
Wie man sieht: Aufgrund konstanter Windbedingungen und hoher Windgeschwindigkeiten eignet sich Neuseeland bestens für die Realisierung von Windenergieprojekten.

Wie hat Neuseeland das geschafft?

„Wir sind einfach von der Natur begünstigt“, sagt Brian White, Geschäftsführer der New Zealand Geothermal Association (NZGA) in Wellington.

Aus drei Quellen speist sich die Stromversorgung: Wasserkraft, Geothermie und Windenergie. Große Regen- und Schneemengen entlang der neuseeländischen Alpen auf der Südinsel ermöglichen die profitable Nutzung der Wasserkraft. Auf der Nordinsel, durch die der Pazifische Vulkangürtel verläuft, dominieren Geothermie-Anlagen. Und weil Neuseeland von Ozeanen umgeben ist, gibt es überall starke, beständige Winde, sodass sich Windenergie ertragreich nutzen lässt.

Energieautark weil Insellage

Aufgrund seiner geographischen Lage musste Neuseeland schon immer selbst dafür sorgen, seinen steigenden Strombedarf zu decken. Es kann, anders als die Staaten Europas, Strom nicht aus Nachbarländern importieren. Um Versorgungsengpässe, die der Volkswirtschaft geschadet hätten, zu vermeiden, investierte das Land also früh in landeseigene Energiequellen.

Schon vor 100 Jahren entstanden die ersten Wasserkraftwerke. Seither hat Neuseeland die Erneuerbaren konsequent ausgebaut und vergleichsweise wenig Kohle verfeuert. Vor 50 Jahren verband Neuseeland seine Nord- und Südinsel mit einem Kabel am Meeresboden und schuf ein, für damalige Verhältnisse, einmalig modernes Stromversorgungsnetz.

West Wind
Windräder soweit das Auge reicht. 62 Siemens-Windenergieanlagen drehen sich hier im Windpark West Wind nahe Wellington in Neuseeland.

Think Big in Erneuerbare

Die Ölkrise von 1973 führte auch im Südpazifik zu Problemen bei der Energieversorgung. Die Regierung damalige Regierung reagierte darauf und baute die Wasserkraft großzügig aus.

Think Big nannte Neuseeland Anfang der achtziger Jahre den Plan, die Wirtschaft mit Investitionen in die Infrastruktur neu auszurichten. Nach Atombombentests in der Südsee wandte sich das Land von der Kernenergie ab und Mitte der neunziger Jahre unterzeichnete es das Kyoto-Protokoll. So trieb es die ökologische Ausrichtung weiter voran. Zuwächse gab es später vor allem bei der Geothermie und Windenergie. Heute gewinnen Solarenergie und Biomasse an Bedeutung und Gas ersetzt zunehmend Kohle.

Wasserkraftwerke, Geothermie-Anlagen und Windräder waren anfangs Staatsbetriebe, derzeit werden sie zum Teil privatisiert. „Subventionen hatten diese Unternehmen nie nötig“, sagt Wolfgang Scholz, Leiter der Heavy Engineering Research Association (HERA) in Auckland. „Sie mussten von Beginn an profitabel sein – das ist der wesentliche Unterschied zum deutschen Energiesektor“. Streng genommen ist Profitabilität zwar auch für neuseeländische Staatsbetriebe keine gesetzlich vorgeschriebene Pflicht. Aber der Mehrheit der Bevölkerung ist sie sehr wichtig.

Probleme beim Netzausbau und der Speicherung Erneuerbarer Energien habe das Land mit hohem Forschungsaufwand lösen können, sagt Scholz. „Inzwischen ist die Speicherung kein großes Thema mehr“.

Strom viel billiger als in Deutschland

Und so funktioniert die neuseeländische Stromversorgung: Der sogenannte HVDC Inter-Island Link, das Süd-Nord-Kabel, verbindet die Versorgungsnetze der beiden Hauptinseln. Es soll Schwankungen der Netze ausgleichen. Meist versorgt die größere Südinsel den kleineren Norden, der aber mehr Einwohner hat. Wenn zu Dürrezeiten die Wasserkraftwerke im Süden nicht ausgelastet sind, produziert die Nordinsel mit Geothermie-Anlagen selbst ausreichend Strom.

Nicht nur, dass uns Neuseeland in seiner Öko-Bilanz weit voraus ist, auch ist der dortige erneuerbar produzierte Strom wesentlich billiger. Durch das Süd-Nord-Kabel treffen sich alle neuseeländischen Anbieter auf einem großen, nationalen Strommarkt. Dadurch nimmt der Wettbewerb zu, und das drückt den Strompreis: Umgerechnet 18 Euro-Cent pro Kilowattstunde zahlen neuseeländische Haushalte derzeit. In Deutschland sind es 29 Euro-Cent pro Kilowattstunde.

Öko-Strom kann Neuseeland reich machen

Die Ökobilanz Neuseelands ist fantastisch. Es müsse nur so weitermachen, dann könnte es in zehn bis 15 Jahren als erstes Land der Welt seinen Energiebedarf zu 100 Prozent aus Regenerativen Energien decken, sagen Vertreter von Greenpeace. Denkbar wäre sogar der Export geothermischer Energie. Damit könnte das Land laut Greenpeace-Berechnungen jährlich knapp drei Milliarden Euro einnehmen. Wenn die größte Aluminiumhütte Neuseelands, die 16 Prozent des Stromangebots des Landes verschlingt, geschlossen wird, wie es derzeit im Gespräch ist, dürften große Überkapazitäten entstehen, sagt Greg Moore, Leiter einer Beraterfirma in Rotorua. Trotz Wirtschaftswachstumsraten von rund drei Prozent produziere Neuseeland schon heute große Überschüsse an Strom.

Aber: die konservative Regierung bremst

Der amtierende Premierminister John Key, seit fünf Jahren im Amt, treibe zwar die Privatisierung der Erneuerbaren voran, vernachlässige darüber aber ihren Ausbau, sagen Kritiker. So prüft Key derzeit, wie sich die großen Gas- und Ölfelder in der Tasmanischen See erschließen und zu barer Münze machen lassen.

Man kann halt mit den fossilen Brennstoffen, wenn man sie hat, noch jede Menge Geld verdienen und dem Ruf des Rohstoff-Geldes ist noch jeder Politiker erlegen. Auch im Öko-Vorzeigeland Neuseeland.

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Comments

  1. Tom2134 says:

    Ist es nicht unglaublich? Jetzt tun unsere Politiker so als wären wir weltweit das einzige, natürlich beste und vorausgehendste Land des Universums, das eine Energiewende macht.

    Und jetzt gibt es am anderen Ende der Welt ein Land, das ist schon längst da, wo wir in 20 Jahren sein wollen. Bei 80% Erneuerbar. Respekt Neuseeland.

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