Den Wind puffern

Neuartige Speichersysteme rücken eine grüne Vollversorgung in erreichbare Nähe. Eine neuartige Idee hierzu kommt aus den USA. Das US-Startup „LightSail“ will die überschüssige Energie von Windanlagen in einem komprimierten Sprühnebel aus Wasser speichern. Damit würde die grüne Vollversorgung in erreichbare Nähe rückt. Wie das System funktioniert zeigen wir hier.

Ausgerechnet ein Schleier aus Sprühnebel soll Wind- und Sonnenstrom zuverlässig machen. Davon ist die 25-jährige Danielle Fong fest überzeugt. Sie glaubt, mit ihrem US-Startup LightSail den Schlüssel für ein bezahlbares und effektives Stromspeichersystem gefunden zu haben, das einspringt, wenn die natürlichen Energieträger pausieren. Das würde eines der größten Probleme der grünen Energieversorgung lösen. Microsoft-Gründer Bill Gates und Peter Thiel, der den Bezahldienst PayPal aufgebaut hat, begeistert die Idee. Mit anderen Investoren steckten sie 37 Millionen Dollar in Fongs Unternehmen. 2014 soll die erste Pilotanlage stehen.

Druckluft und Wasser werden kombiniert

Das revolutionär Neue daran: Fong kombiniert Druckluft und Wasser zu einem hocheffizienten Energiespeicher. Produzieren Windräder mehr Strom als benötigt, presst ein Motor mit der Überschussenergie Luft in einem Behälter zusammen. Um zu verhindern, dass die bei der Kompression entstehende Hitze von bis zu 1.000 Grad ungenutzt flöten geht, sprüht Fong Wasser hinzu, das die Wärme aufnimmt. Die Druckluft und das erhitzte Wasser werden getrennt und separat gespeichert.


Ein Modell der Wind Puffer Anlage von LightSails. 2014 soll die erste Pilotanlage in Betrieb gehen.

Steht zu wenig Strom bereit, kehrt sich der Prozess um: Die Druckluft treibt einen Generator an. Ein warmer Sprühnebel beschleunigt die Ausdehnung der Luft – die Hitze wird in Elektrizität zurückverwandelt. Dank des Kniffs speichert das System Energie effektiv wie gute Batterien: Von zehn Kilowattstunden, die hineinfließen, werden sieben zurückgewonnen – zu einem Zehntel der Kosten. Fong glaubt, dass sie mit den Speichern selbst Großstädte für Stunden mit Strom versorgen kann.


Gewaltige Ausgaben – Jährliche weltweite Investitionen bis 2030 in die Energie-Infrastruktur.

Fazit: Vollversorgung aus Erneuerbaren ist erreichbar

Mit solchen Entwicklungen rückt die Vision einer Vollversorgung mit Strom und Wärme aus erneuerbaren Quellen näher. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme wäre die grüne Vollversorgung in Deutschland spätestens 2050 realistisch. Um das unstete Stromangebot von Wind und Sonne zu puffern, setzen die Freiburger Forscher auf die Power-to-Gas-Technik: Wasser wird mit grünem Überschussstrom in Sauer- und Wasserstoff aufgespalten und dieser unter Zugabe von CO2 in Methan verwandelt. Das synthetische Erdgas kann bei Bedarf zu Strom und Wärme verbrannt werden.


Große Reserven – Der Großteil der Energieeffizienz-Potenziale bleibt bis 2035 ohne zusätzliche Anstrengungen ungenutzt.

Klar ist jüngsten Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge, dass rund die Hälfte des Zuwachses an neuen Kraftwerkskapazitäten weltweit bis 2035 auf das Konto der Erneuerbaren geht. Besonders stark wachsen sie in China. Der Aus- und Umbau der Energie-Infrastruktur verschlingt jährlich rund 1,2 Billionen Euro, schätzen Siemens und die IEA. Macht bis 2030 mehr als 20 Billionen Euro.

Trotz allem: Energie sparen hat das größte Potenzial

Weitaus ertragreicher wäre das Geld in energiesparenden Techniken angelegt, so die IEA-Experten. Würden Regierungen und Wirtschaft nur die Hälfte der 20 Billionen dorthin umleiten, refinanzierten sich diese Investitionen dank sinkende Energieausgaben weitgehend selbst, sagen sie. Doch bisher passiert zu wenig. Ohne zusätzliche Maßnahmen werden die Effizienz-Potenziale in der Industrie 2035 zu weniger als der Hälfte, in Gebäuden nicht einmal zu einem Fünftel ausgeschöpft sein. Dabei ist die Botschaft überdeutlich: Ohne Effizienzanstrengungen wird die grüne Energierevolution unnötig teuer und kostet Wachstum.

Quelle: WirtschaftsWoche

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Comments

  1. Absolut interessanter Artikel. Lese zum ersten Mal von dem LightSail Stromspeichersystem. Bin gespannt wie es da weitergeht. In Deutschland geht die Entwicklung ja eher in Richtung Power-to-Gas: http://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/oekostromspeicher-wie-wind-zu-gas-wird-3987.html Aber auch hier ist man von einer effizienten und kostengünstigen technischen Lösung noch weit entfernt.

  2. Windstrom in Windgas vor der Küste umwandeln. Gas mit Co2 und weiteren Zugaben veredeln in Stadtgas oder gleichwertig – in die Gasnetze einspeisen oder in unterirdischen Kavernen zwischenlagern – und dann dort wo Strom gebraucht wird per BHKW rückverstromt. Auto per Gasantrieb fördern macht dann Sinn.
    Was mir fehlt sind Kosten-Nutzen-Analyse. Ich glaube vorerst, dass die neu zu schaffenden Stromüberlandleitungen, ob nun Gleich-oder Wechselstrom, mit allem was dazu gehört, Umspannung, neue Leitungen, Planfeststellungsverfahren, Gerichtskosten durch Widersprüche, Enteignungen,Entschädigungen, Ausgleichsmaßnahmen, Umweltverträglichkeitsprüfungen, neue Trafos etc, mehr Kosten als meine Idee zum Thema Windgas. Ich bitte um eine Rückmeldung mit Erläuterung wo und wieso ich eventuell irre. Danke ! Ralf Borchers Tel.: 04242-9301425, Mobil: 0162-9450393

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