Deutscher Umweltpreis 2012

Jedes kleine Kind weiß, mit einer Lupe kann man Sonnenstrahlen bündeln und so, stellt man sich zudem noch etwas geschickt an, jedes Blatt Papier zum brennen bringen. Wer hat das in seiner Kindheit nicht gemacht? Irgendwann wird man aber erwachsen und hört mit solchen Spielchen wieder auf. Dr. Andreas Bett und Hansjörg Lerchenmüller haben das nicht getan und das hat ihnen nun den Deutschen Umweltpreis eingebracht, überreicht am letzten Sonntag durch Bundespräsident Joachim Gauck.


Gauck ehrt drei Pioniere der Solarindustrie im Gewandhaus in Leipzig

Drei Pioniere der Photovoltaik-Technologie sind am vergangenen Sonntag im Leipziger Gewandhaus mit dem Deutschen Umweltpreis 2012 geehrt worden. Günther Cramer sowie Dr. Andreas Bett und Hansjörg Lerchenmüller als Team nahmen die mit insgesamt 500.000 Euro dotierte Umweltauszeichnung aus den Händen von Bundespräsident Joachim Gauck und Hubert Weinzierl von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt entgegen. Die Verleihung an Pioniere der PV-Technik vermittelte vor allem eine Botschaft: Das Zeitalter der Photovoltaik hat gerade erst begonnen.

Gauck: “Das Wünschenswerte ins Machbare verwandelt”

Bundespräsident Gauck lobte während der abwechslungsreichen Preisverleihung im Leipziger Gewandhaus, die drei ausgezeichneten Photovoltaik-Unternehmer und Wissenschaftler hätten es geschafft, das “Wünschenswerte ins Machbare zu verwandeln”. “Es zeigt sich: Da ist etwas in Gang gekommen bei einem der wichtigsten Themen unserer Zeit – der Versöhnung von Ökologie und Ökonomie”, so Gauck weiter. “Da wird nicht nur gemahnt, geklagt und gestritten, sondern erforscht, erfunden und angewendet.”

Mit Ingenieurskunst und gesellschaftspolitischem Weitblick könne Deutschland Vorreiter in Zukunftstechnologien bleiben und “uns unabhängiger von Ressourcen machen, die wir in Deutschland nicht haben”. Die Unternehmen könnten Arbeitsplätze schaffen und weltweit gutes Geld verdienen. “Das ist für ein Industrieland doch von bleibender Bedeutung”, bilanzierte Bundespräsident Joachim Gauck während der Preisverleihung des Deutschen Umweltpreises 2012 vor 1.200 geladenen Gästen im Leipziger Gewandhaus.

Doch Joachim Gauck fand nicht nur lobende, sondern auch mahnende Worte: Wenn überall auf der Welt so konsumiert würde, wie in Deutschland, könne keine Technologie den Energiehunger je stillen.“Konzepte wie der ökologische Fußabdruck lassen uns ahnen, wie breit wir uns auf der Erde machen”, so das Staatsoberhaupt. “Das heißt: Wir müssen uns entwickeln, müssen uns verändern.”

Photovoltaik konzentriert

Neben Günther Cramer wurden Dr. Andreas Bett vom Freiburger Fraunhofer ISE und Hansjörg Lerchenmüller vom Spin-Off-Unternehmen Soitec Solar GmbH als Team aus Wissenschaftler und Unternehmer mit dem Deutschen Umweltpreis 2012 ausgezeichnet. Die von Bett und Lerchenmüller entwickelte Konzentrator-Photovoltaik kommt künftig vor allem in sonnenreichen Gegenden wie Nordafrika, Asien oder den USA zum Einsatz und gehört mit Modulwirkungsgraden von rund 30 Prozent weltweit zur Spitze der Photovoltaikindustrie.

“Bett und Lerchenmüller haben zum Nutzen der Sonnenenergie Außerordentliches geleistet, indem sie eine neue solare Technologie zur Marktreife entwickelt haben”, lobte DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde die Preisträger. Die Energieausbeute der Konzentrator-Technologie ist bereits heute rund doppelt so groß wie bei der herkömmlichen Silizium-Technik. Mit finanzieller Hilfe der DBU errichteten Bett und Lerchenmüller 2006 ihr erstes Pilotkraftwerk im spanischen Lorca. Seitdem folgten 14 weitere Anlagen. Derzeit ist das größte Kraftwerk der Concentrix-Technologie in San Diego in Kalifornien im Aufbau

Günther Cramer ist realistisch unrealistisch

Günther Cramer lässt sich durch die aktuelle Lage der Photovoltaik-Branche nicht entmutigen. Cramer hat den heutigen Markt- und Technologieführer für Wechselrichter über Jahrzehnte aufgebaut und mit bis zu 1.000 Entwicklungsingenieuren die Stringtechnik zum Standard entwickelt. Die aktuelle Wechselrichter-Generation hat einen Wirkungsgrad von 99 Prozent und somit die physikalische Grenze erreicht.

SMA Solar Technology exportiert 50 Prozent seiner Produkte – aber der Rückgang des Heimatmarktes von bis zu 50 Prozent trifft das Technologieunternehmen hart. Doch mit dem Erreichten ist für Günther Cramer, der heute dem Aufsichtsrat “seines” Unternehmens vorsteht, noch lange nicht Schluss. Er möchte dafür sorgen, dass Photovoltaik-Technologie in den kommenden Jahren in den ärmsten Regionen der Welt dafür sorgt, dass viele der immer noch 1,3 Milliarden Menschen, die keinen Strom-Zugang haben, ihr Leben grundlegend verändern können.

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