Die Energiewende geht voran – nur im Heizungskeller nicht

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Ist die Energiewende im Heizungskeller zu Ende? Öl und Gas sind beliebter denn je und Wärmepumpen und Solarkollektoren sind es nicht mehr. Die Deutschen zeigen dem Heizen mit erneuerbaren Heizsystemen die kalte Schulter. 80% der neu installierten Heizanlagen arbeiten mit Gas oder Öl. Wir fragen uns: Warum machen die Deutschen das?


Keine Energiewende im Heizungskeller

Vier von fünf Heizungsanlagen, die in diesem Jahr neu installiert werden, arbeiten ausschließlich mit Gas oder Öl. Das geht aus einer neuen Statistik des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) hervor. 80 Prozent, also.

Holzkessel, Wärmepumpen und kombinierte Erdgas- oder Heizöl-Solarthermie-Anlagen haben zusammen einen Marktanteil von gerade einmal 19 Prozent – der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Im Spitzenjahr 2008 nutzte noch fast jede zweite neu installierte Heizung erneuerbare Energien.

Besonders das Heizen mit Holz hat stark an Popularität verloren. So wurden in den ersten acht Monaten dieses Jahres 19 Prozent weniger Holzpelletkessel verkauft als 2014. Bei den Hackschnitzel-Heizungen lag das Minus sogar bei 36 Prozent.

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Der Ölpreis ist im Keller und die Investitionen in erneuerbare Heizanlagen ebenfalls. Die Solarthermie verzeichnet einen dramatischen Rückgang von minus 57 Prozent.

Solarthermie dramatisch: minus 57 Prozent

Der Rückgang erneuerbarer Heizsysteme wird noch deutlicher am Beispiel der Solarthermie. Die neu installierte Kollektorfläche ist im Jahresvergleich um 13 Prozent gesunken. Damit setzt sich ein schon länger anhaltender Abwärtstrend fort: Zwischen 2008 und 2014 verzeichnete die Branche einen Rückgang von insgesamt 57 Prozent.

Etwas besser sieht es im Berreich der Wärmepumpen aus. Hier ging die Zahl der neuen Anlagen nur um fünf Prozent zurück. In den Vorjahren konnten sich die Unternehmen allerdings noch über Zuwächse freuen.

Der Rückgang der erneuerbaren Energien wundert besonders, hat doch die Bundesregierung zum 1. April die Fördermittel aus dem Marktanreizprogramm (MAP) deutlich erhöht. Seitdem erhalten Hausbesitzer mehr Geld vom Staat, wenn sie sich für eine Wärmepumpe, einen Holzkessel oder eine Solarthermieanlage entscheiden. Eine Statistik des zuständigen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zeigt, dass im Juni, Juli und August rund vierzig Prozent mehr Anträge eingingen als 2014. Ohne das MAP wären die Rückgänge garantiert noch dramatischer.

Öl und Gas ist zu billig

Großer Gewinner auf dem Heizungsmarkt sind die Ölkessel. Im laufenden Jahr wurden bislang dreißig Prozent mehr Öl-Brennwert-Heizungen verkauft als im gleichen Zeitraum 2014. Bei den weniger effizienten Niedertemperaturkesseln beträgt das Plus sogar 33 Prozent. Grund dafür ist vor allem ist der Preisverfall beim Brennstoff. So kostet der Liter Heizöl derzeit rund ein Drittel weniger als noch vor zwei Jahren.

Auch beim Erdgas schlägt die Niedertemperatur-Technik (plus elf Prozent) die sparsameren Brennwertkessel (plus vier Prozent). Letztere nutzen den Energiegehalt von Erdgas besonders gut aus, da sie auch die Wärme im Abgasstrom verwerten. In absoluten Zahlen dominieren die Erdgas-Brennwertkessel auch nach wie vor den Markt. Mit 255.000 verkauften Stück haben sie im laufenden Jahr einen Anteil von 59 Prozent an allen neu installierten Heizungsanlagen.

Öl und Gas ist zu billig. Das ist der einzige Schluss, den man eigentlich aus all den Zahlen ziehen kann. Rohöl kostet derzeit in Rotterdam 46,46 US Dollar pro Barrel. Ein Minus von 42,1 Prozent binnen eines Jahres. Im November 2014 stand der Ölpreis noch bei rund 80 US Dollar je Barrel. Das spricht eine deutliche Sprache.

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Quelle Chart: Finanzen.net

Daraus folgt, dass trotz angehobener Förderung es zu lange dauert, bis sich eine erneuerbare Heizanlage rechnet. Im groben Schnitt ca. 10 Jahre. Würde sich eine solche Anlage bei steigenden Ölpreisen bereits nach 6 oder 5 Jahren amotisieren, wäre unter Garantie mehr Bewegung im Markt. So muss man leider abschließend feststellen, das Energiewende hin oder her, gutes Gewissen her oder hin, am Ende der Preis der Deutschen liebstes Kind ist.

Klimaziel rückt in weite Ferne

Experten glauben, dass mit dem Ausbleiben der Energiewende im Heizungskeller die deutschen Klimaziele für die Wärmeversorgung kaum noch zu erreichen sind. Derzeit stammt gerade einmal zehn Prozent der Heizwärme aus erneuerbaren Quellen – beim Strom sind es bereits über dreißig Prozent.

Ürsprünglich war einmal von der Bundesregierung geplant, dass Biomasse, Sonne und Umgebungswärme bis 2020 insgesamt 14 Prozent des heimischen Wärmebedarfs decken sollten. Dieses Ziel rückt mit den derzeitigen Installationszahlen jedoch immer weiter in die Ferne. Schade Energiewende Deutschland.

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