Die PV Lupe

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Die Idee ist geklaut. Schon Archimedes hat vor mehr als 2000 Jahren im 2. Punischen Krieg die Flotte der Römer mit dem Brennspiegel in Brand gesteckt. So zumindest, sagt es die Legende. Aber warum nicht auf heute übertragen? Und, fragt man sich, kam da vorher wirklich noch niemand drauf? Der deutsche Architekt André Brösel will Sonnenlicht mittels einer Lupe bündeln und daraus eine hocheffiziente PV-Solaranlage bauen.


Geht es nach dem deutschen Architekten André Brößel, sind Solaranlagen künftig nicht mehr nur flach wie Flundern, sondern rund. Die Kristallkugeln, die er mit seiner Firma Rawlemon produzieren will, sollen einen Schub für die privat genutzte Sonnenenergie bringen und die bisher eher funktional wirkende Technik zu einem Designobjekt machen.

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Architekt Brößel bei Tests mit seiner Konstruktion in Barcelona. (Copyright: Rawlemon)

Linse fokusiert das Sonnenlicht

Die neuartige PV-Anlage benutzt die physikalischen Eigenschaften einer kugelrunden Linse, um Sonnenlicht an einem Punkt zu bündeln. Das Licht wird wie mit einer Lupe auf eine wenige Quadratzentimeter große Solarzelle gestrahlt. Durch die hohe Konzentration entsteht eine höhere Lichtstärke und so auch mehr Strom. Vorbild für seine Konstruktion sind Solaranlagen, die Fresnel-Linsen nutzen, um die Energieausbeute zu erhöhen.

Schlechtes Wetter oder geringe Sonneneinstrahlung haben durch den Verstärkereffekt der Linse weniger Auswirkungen auf die Leistung der Solarzellen. Die Ausrichtung der Solarzellen nach der Sonne übernimmt ein Tracking-System. Dabei fahren die Zellen unter der Kugel lang, so dass sie immer optimal beschienen werden.

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Als Designobjekt kann die Linse überall stehen und sich nach dem Verlauf der Sonne ausrichten. © Rawlemon

Serienproduktion in verschiedenen Größen

Seit etwa zwei Jahren arbeitet Broessel mit seinen Kollegen in Barcelona an dem Projekt. Momentan sucht das Unternehmen über Crowdfunding eine Anschubfinanzierung von 120.000 Dollar, um in die Serienproduktion zu gehen.

Dabei sollen die Kugelkraftwerke in verschiedenen Größen kommen: Das günstigste und kleinste Gerät, das auf eine Fensterbank passt, gibt es ab 149 US-Dollar (rund 110 Euro). Brößel arbeitet, wie auf dem Bild oben zu sehen, aber auch an größeren Ausführungen.

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Wenn alles klappt, sollen die ersten Geräte im Herbst 2014 ausgeliefert werden. Die erste Generation, eine kleine Blumentopf große Konstruktion, ist vor allem als Gadget gedacht und versorgt Geräte wie Smartphones mit Strom und kann als tragbare Energiequelle fungieren. Außerdem soll sie auch noch im Dämmerlicht Energie erzeugen können.

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Die kugelförmigen Linsen sehen schick aus und bündeln die Sonneneinstrahlung effizient auf eine kleine Fläche. Dort wird dann mittels PV Modulen der Strom erzeugt. © Rawlemon

Die Idee von Brösel ist weniger Konkurrent von herkömmlichen PV-Modulen zu sein, sondern sein Minikraftwerk soll als stromproduzierendes Designobjekt in Gebäudefassaden integriert werden oder gut sichtbar auf Dächer stehen. Die Erfindung war immerhin für den renommierten World Technology Award nominiert.

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Frei stehend in der Stadt kann die PV Lupe durchaus auch Elektroautos laden – obwohl Tests noch ausstehen, wie viel Stromleistung die Solarkugel wirklich generieren würde.

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Comments

  1. Juri Koulechoff says:

    Frech geklaut oder vielleicht nur naiv?
    Ich bin gerade auf den Bericht vom Kugelkollektor gestoßen und muss leider schon wieder feststellen, das man meine damaligen Veröffentlichungen offensichtlich benutzt um diese als neu zu verkaufen, denn auch das Konzept des Kugelkollektors hatte ich bereits 2008 zum Patent (PCT/DE2009/000375) angemeldet. Allerdings war bereits damals der innovative Anspruch um ein vielfaches höher als das ein Kollektor nur chic aussieht und Strom erzeugt.
    Bei der Erfindermesse IENA in Nürnberg wurde er zu seiner Zeit mit der Silbermedaille ausgezeichnet und bis vor drei Jahren gab es diverse Veröffentlichungen im Internet und auf YouTube, wo ein extrem flacher Kugelkollektor durch ein wenig mm starkes flexibles Kabel (7m Länge) Tageslicht in einen dunklen Raum transportierte und diesen wie durch Zauberei hell erleuchtete. In diesem Zusammenhang wurde auch die attraktive flüssigkeitsgefüllte Großraumkugel für Hof, Grünanlagen-oder Einkaufspassagen als Architektonischen Hingucker mit vorgestellt, welche jetzt plötzlich den Namen von Herr Börßel trägt.
    Es fehlt mir etwas schwer zu glauben, das jemand der sich mit der Sonnenenergienutzung beschäftigt hatte, nicht über dieses Konzept gestolpert ist, zumal man in Fachkreisen über den Kugelkollektor Bescheid wusste. Herr Brößel sollte sich also doch vielleicht mal Gedanken über Urheberrechte am geistigen Eigentum machen und nicht jeden erklären, das er der Geistige Vater der Kugel ist, da so etwas schnell zum heißen Brennpunkt werden kann, bei dem man sich nicht nur die Finger sondern auch Geld der Sponsoren verbrennen könnte.
    Das Prinzip der Kugel scheint plötzlich für viele ein Sprung in die Zukunft zu sein, was aber aus Sicht der Energienutzung so nicht stimmt, da dieses und viele anderen Konzepte der Lichtbündelung einen entscheidenden Fehler besitzen, weshalb ich die Idee, auch aus dem Internet nahm.
    Wer nicht auf second Hand Ideen von gestern steht, sondern an Zukunftstechnologien von morgen glaubt, könnte sich freuen, denn eine vollkommen neue Möglichkeit der Energienutzung ist bereits geboren, wobei diese Technologie garantiert alles bisheriges in den Schatten stellt.
    J. Koulechoff

  2. Hallo Herr Kouchlehoff,
    ich habe mir gerade mal die Anmeldung zum Patent WO002009115085A3 angeschaut. Leider ist hier nicht viel zu sehen. Ich nutze Depatis.net. Das mit dem geistigen Eigentum ist so eine Sache und sollte in Ihrem Interesse vielleicht verfolgt werden. Sie erwähnen eine vollkommen neue Möglichkeit der Energienutzung, was meinen Sie damit. Ich will nun nicht etwas stehlen. Vielmehr bin ich daran interessiert, vielleicht ein Projekt daraus zu generieren und den Bund dafür mit 50% zu beteiligen. Vielleicht könnten Sie mit mir Kontakt aufnehmen und wir könnten uns darüber unterhalten (Vertraulichkeit vorausgesetzt).
    Mit freundlichem Gruß
    Volker Bornhake

  3. Volker Bornhake says:

    Hallo T.G., gehen sie auf „https://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/depatisnet?window=1&space=menu&content=index&action=einsteiger“ und geben in das Feld „Veröffentlichungsnummer“ WO002009115085A3 ein. Hier kommen Sie zum Patent. Unter Volltext finden Sie alle Daten die Sie zum Kontakt benötigen. Jetzt gehen Sie ins Telefonbuch und suchen dort weiter. Mit freundlichem Gruß V.B.

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