Die Straße macht den Strom

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Deutsches Startup entwickelt Strom erzeugende Solarstraße. Die Straßen Deutschlands würden sich mahr als 16mal um die ganze Erde schlingen. Fast 650.000 Kilometer sind es insgesamt. Deutsche Ingenieure und Forscher wollen dieses liegende Asphaltpotenzial nun zur Stromerzeugung nutzen. “Wir wollen Straßen in Solarkraftwerke verwandeln”, sagt der Gründer des Startups Solmove aus Herrsching am Ammersee.


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Die Illustration der Solarstrasse ziegt deutlich, wie sich Solmove die Zukunft unserer Solarenergie-Versorgung einmal vorstellt. Bis Sommer 2017 soll das erste Pilotprojekt verwirklicht sein. © Solmove

“Solarteppich” zum ausrollen

“Wir wollen Straßen in Solarkraftwerke verwandeln”, sagt Donald Müller-Judex, Gründer des Startups Solmove aus Herrsching am Ammersee, “und damit der Fotovoltaik ganz neue Flächen erschließen.” Rund 650.000 Kilometer sind es, die Müller-Judex da im Auge hat und möglichst viele davon möchte er einmal mit einem Teppich seiner Solarmodule überziehen und damit Strom erzeugen.

Ein Netz soll hunderte der einzelnen Solar-Fliesen zu einem Teppich verbinden und auch gleichzeitig den von den Solarzellen erzeugten Strom weiterleiten “Der Solar-Teppich lässt sich industriell vorfertigen”, sagt Müller-Judex, “und auf der Straße bequem ausrollen.”

Auch bestehende Straßen sollen sich so zu Solaranlagen aufrüsten lassen. Dazu will Solmove den Fotovoltaik-Teppich mit einem speziellen Gummiasphalt auf der Straße festkleben. Im Labor hat das Glas des Gründers bereits Belastungstests überstanden.

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Ein neuartiges Solarmodul soll die solaren Straßen möglich machen. Auch Lastwagen können darüber rollen, ohne es zu zerstören. Es besteht aus acht mal acht Zentimeter großen Fliesen aus einem besonders bruchsicheren Spezialglas, in dem Solarzellen eingelassen sind.

Glas langlebiger als Asphalt

“Unser Glas hält länger als Asphalt”, ist der 52-Jährige überzeugt. Mindestens 25 Jahre soll die Fotovoltaik-Fahrbahn durchhalten – das entspricht der Lebensdauer von Solarmodulen auf dem Dach. Heutige Straßen dagegen brauchen spätestens nach 20 Jahren eine Grundsanierung.

Namhafte Institute beteiligen sich

Bisher existiert allerdings nur ein Labormuster der befahrbaren Solarzellen, in etwa so groß wie ein DIN-A3-Blatt. Doch Müller-Judex plant, bis Sommer 2017 einen Parkplatz in der Gemeinde Inning am Ammersee mit seiner Erfindung zu pflastern. Dazu hat er namhafte Entwicklungspartner gewonnen, darunter zwei Fraunhofer-Institute, die RWTH Aachen, die Bundesanstalt für Straßenwesen und das Forschungszentrum Jülich. Zusammen wollen die Experten die Technologie weiter entwickeln. Zudem sucht Solmove nach Investoren, die die Kommerzialisierung der Technik finanzieren.

Unter anderem will Müller-Judex die Ausbeute der Solarzellen steigern und die Glasfahrbahn noch griffiger machen, damit Autos bei Regen nicht ins Rutschen geraten.

Eine spezielle Oberfläche soll ihr außerdem selbstreinigende Eigenschaften verleihen, so dass möglichst wenig Schmutz das Sonnenlicht von den Solarzellen abhält. Künftig könnten auch LED-Lampen in die Module integriert werden, so dass Straßen nachts etwa leuchtende Seitenstreifen bekämen.

Herkömmliche Straßen kosten Geld – die Solarstraße verdient Geld

Die Kosten für die Strom erzeugende Fahrbahn, hofft Müller-Judex, könnten mittelfristig genauso hoch sein wie für eine Solaranlage auf dem Dach. Zwar erzeugen flach verlegte Solarmodule weniger Strom; dafür könnte die Installation der Solar-Fahrbahn deutlich preiswerter sein als die Montage von Modulen auf Gebäuden.

Vor allem, weil Solmove keine Betonkonstruktion benötigt, wie sie die Solarstraßen-Projekte Solarroadways in den USA und Solaroad in den Niederlanden nutzen.

Kommunen müssten zunächst mehr Geld in die Hand nehmen, um ihre Straßen zu modernisieren. Sie könnten langfristig aber Ausgaben sparen: “Herkömmliche Straßen kosten Geld”, sagt Müller-Judex. “Eine Solarstraße verdient Geld.”

Die Straßen können Elektroautos mit Energie versorgen

Würden alle geeigneten horizontalen Flächen in Deutschland für die Solarstromerzeugung genutzt, ließen sich mit dem Strom 20 Millionen Elektroautos betreiben. Mit Hilfe eingebauter Induktionsschleifen könnten die Fotovoltaik-Fahrbahnen in ein paar Jahren sogar Autos während der Fahrt drahtlos mit Energie versorgen. Aber selbst, wenn nur Parkplätze gepflastert würden, käme schon eine beträchtliche Menge Strom zusammen.

Das zeigen nun auch Ergebnisse des Projekts Solaroad in den Niederlanden: Der 70 Meter lange Solar-Fahrradweg in der Gemeinde Krommenie nördlich von Amsterdam ist seit einem halben Jahr in Betrieb – und hat mehr Strom erzeugt, als die Konstrukteure zu erhoffen wagten. Mit den mehr als 3000 erzeugten Kilowattstunden, heißt es bei Solaroad, kann ein Elektroscooter zweieinhalb mal um die Welt fahren.

Lesen Sie zum Thema auch unseren Artikel „Solarer Fahrradweg“ >>

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