Energie-Konzept 2050

Die Zukunft heisst Solarthermie. Bis 2050 soll das Wüstenstromprojekt Desertec umgesetzt sein. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Desertec Foundation und Präsident des Club of Rome Max Schön erklärte unlängst in einem Interview mit dem Manager Magazin seine Vision für die Zukunft der regenerativen Energie, insbesondere der Solarthermie.

Energie 2050 – 80% Erneuerbare Energie

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat berechnet, dass der Stromverbrauch in Europa in vierzig Jahren gut 10 Prozent über dem heutigen Niveau liegen wird.

Nach der Einschätzung des Chefs der Desertec Foundation Schön, wird Europa seinen Strom dann zu etwa 15 Prozent aus den Wüsten Nordafrikas und dem Nahen Osten beziehen. 65 Prozent werden aus heimischen regenerativen Energien stammen, also etwa aus Wind, Sonne, Wasser, Erdwärme und Biomasse. Die restlichen 20 Prozent werden fossile Energieträger, allen voran Gaskraftwerke, beisteuern, die als Reserve und zur Grundlastversorgung dienen.

Bei den 15% Anteil des Wüstenstroms wird es sich im Wesentlichen um speicherbare Energie aus Solarthermie handeln, das zumindest ist die Auffassung von Schön.

Auf die Frage, wie denn diese Energie in der Wüste gespeichert werden soll, ist sich Schön allerdings unschlüssig: „Welche Technologien sich schlussendlich durchsetzen werden, da bin ich selbst gespannt. Bislang, also bei den Solarthermiekraftwerken in Spanien, kommen vor allem Salzspeicher zum Einsatz. Das flüssige Salz wird den Tag über erhitzt, die Wärme dann in der Nacht wieder entnommen. Es gibt aber auch Alternativen wie Sand und Beton, die gegenwärtig erprobt werden.“

Auch Afrika erwacht

In der Mena-Region, also Nordafrika und dem mittleren Osten, wird sich der Strombedarf bis ins Jahr 2050 gegenüber heute versechsfachen. Die notwendige Stromproduktion würde dann ungefähr dem heutigen Niveau Europas entsprechen. In diesen Regionen schreitet die Industrialisierung gerade erst richtig voran, die Bevölkerung nimmt drastisch zu.

Die Revolutionen machen es erst möglich

Die Menschen sind dort im Schnitt Mitte, Ende zwanzig Jahre jung. Alleine für die Trinkwasserversorgung wird dort 2050 so viel Energie benötigt werden wie bislang in der ganzen Region zusammengenommen verbraucht wird.

Im Jahr 2050 werden das rund 500 Terawattstunden sein, also etwa 12 Prozent der im Zuge des Desertec-Konzepts produzierten Energie in der Mena-Region. Insgesamt werden bis dahin mehr als 80 Prozent der dort erzeugten Energie auch in Nordafrika und dem mittleren Osten verbraucht werden.

Bei diesem Energiebedarf geht es allerdings nicht nur um die Solarthermie, sondern auch sehr stark um Wind. In Marokko sind beispielsweise 850 Megawatt Wind geplant, in Ägypten ein Vielfaches.

Durch die Rebellionen in den arabischen Ländern ist die Bereitschaft einer Zusammenarbeit zwischen Nordafrika und Europa deutlich gestiegen. Waren es früher vor allem persönliche Interessen Einzelner, wurden die inzwischen durch demokratische Prozesse ersetzt. Das verlangsamt Entscheidungen, demokratisiert sie aber auch.

Schön sieht zwei umsetzbare Energie-Strategien

Angesichts des dramatisch steigenden Energiebedarfs auf der einen und des, nach Fukushima beschlossenen Atomaustiegs auf der anderen Seite, sieht Max Schön zwei umsetzbare Energie-Strategien:

Die erste ist Desertec, weil es technisch machbar, bereits bekannt und schon gestartet ist. Die zweite Strategie sind massive Energieeinsparungen. Und im zweiten liegt für Schön das größte und unentdeckteste Potenzial.


In der Qaidam-Wüste im Westen Chinas soll das größte Solarkraftwerk der Welt entstehen.

China der Global Player der Zukunft

Das Problem der globalen Solarthermie war es bisher, dass sie unter freien, nicht subventionierten Wettbewerbs-Bedingungen zu teuer war. Doch China hat im vergangenen Jahr angekündigt, den Preis für wettbewerbsfähige Solarthermie zu knacken.

Es wurde bereits ein Konsortium von einigen Dutzend Unternehmen und Institutionen zusammengeschmiedet, um dieses Ziel umzusetzen.

Schon heute die Nummer 1

Bei der Produktion von Fotovoltaik-Komponenten und Windanlagen ist China weltweit bereits die Nummer eins, deshalb sollte man diese Ankündigung durchaus ernst nehmen.

Auch wenn es paradox klingt, so hat China vor allem vom deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz profitiert, denn die deutschen Hersteller kauften billige Module in China ein und montierten sie auf Deutsche Dächer. So wurde zwar der Anteil der Solarenergie in Deutschland erhöht, die angestrebten Technologieführerschaft und die großindustrielle Produktion jedoch wurde vernachlässigt.

China ist bei Wind und Fotovoltaik bereits Weltmarktführer. Und bei der Solarthermie wird dies angestrebt. Auch in Indien ist das Potenzial an Wind und Sonne gigantisch, ebenso wie der Energiebedarf. Die Bevölkerungsentwicklung in Indien wird zu einer dramatischen Steigerung der Energie-Nachfrage führen. Und die technischen Kapazitäten besitzt das Land ebenfalls.

Man muss also kein Prophet sein um zu erkennen, dass auch im solarthermischen Bereich und bei Erneuerbaren Energien im Allgemeinen kein Weg an Asien und China vorbeiführen wird – und sich Europa gehörig ins Zeug legen sollte.

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Comments

  1. Anton Fellner says:

    Interessanter Beitrag – die Chinesen arbeiten vor allem mit Röhrenkollektoren,
    Ihnen fehlt aber das Wissen über die Anlagentechnik. Bei Großanlagen werden Sie aber sicher Ihren Vorsprung beim Material ausspielen können.

  2. Malte Schürmann says:

    Hier der Link zu einer interessanten Doku über das Projekt Desertec:

  3. Sehr informativer Beitrag und ich denke, dass die Chinesen sich mehr in die Anlagetechnik etablieren und folglich auch deren Solarenergie noch effizienter wird.

  4. Alexander Barth says:

    Hat eigentlich bei diesen Bildern keiner mal den Kopf eingeschaltet?

    Von Kraftwerken diesen Ausmaßes braucht Deutschland TAUSENDE, das zehnfache der Kapazität, die heute schon Probleme macht. Und noch mal mindestens 200.000 Windräder dazu. und Tausende Power to Gas Anlagen oder Pumpspeicher.Wisst Ihr, wie es dann hier aussieht?
    Nehmt mal die typischen Leistungszahlen dieser Anlagen, Ihre Verfügbarkeit, die notwendigen Speicherkapazitäten (z.B. Goldisthal mit 8 GWh, das größte PSW das wir haben), die Speicherverluste, usw. und rechnet mal die massive Industrialisierung des Lebensraums durch, die das bedeutet. Dann geht mal raus an Euren liebsten grünen Fleck, und überlegt Euch, wie weit man von da aus gucken kann, und wie viele dieser „schönen Maschinen“ Euch die Aussicht verschandeln.

    Dann fangt endlich mal an Euch über Kernenergie zu informieren. Richtig, nicht von Greenpeace und Frau Caldicott. Fragt Euch, warum immer mehr Naturschützer (Lovelock, Moore, Monbiot, Lynas, Stone,….) Ihre Meinung über die Kernenergie ändern. An welchen Potentialen wird in dieser Richtung geforscht?

    Begebt Euch auf die Reise in die Überflussgesellschaft. Führen Europäische Staaten Kriege um Wasser? Nein, weil es billig und im Überfluss zu haben ist. Wie sieht es aus mit Energie? Hat es in den letzten Jahren Kriege um Öl gegeben? Wir brauchen eine Autarke Überflussversorgung mit Energie, wenn wir Frieden wollen.

    Die Energiewende bedeutet einen schrumpfenden Kuchen. Mehr Arbeit für weniger Zeug. von einem größeren Kuchen geben Menschen gern was ab. Wird der Kuchen aber kleiner, gibt es blutige Verteilungskämpfe.
    Das bisschen Atommüll ist rein gar nichts im Vergleich zu der Katastrophe die eine weltweite Umstellung auf Erneuerbare Energien über uns hereinbrechen ließe. Gerade mal eine Coladose voll pro Kopf, die nach 300 Jahren ausgestrahlt hat (vorausgesetzt wir bauen endlich Gen IV Kernkraftwerke wie den IFR)

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