Digitale Revolution : Jobkiller und Jobwunder

Künstliche Intelligenz, clevere Roboter und schlaue Software: Das zweite Maschinenzeitalter ist angebrochen, es ist ein digitales. Es wird viele Berufe überflüssig machen – auch Jobs in denen Geisteskraft gefordert ist. Doch es gibt Hoffnung. Es entstehen auch viele neue Jobs. Energy-Mag zeigt wo.


Sie sind Fluch und Segen zugleich: Roboter sollen dem Menschen das Leben erleichtern. Doch die technischen Wunderwerke könnten in naher Zukunft ganze Berufszweige überflüssig machen.

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Sie lernen, zu gucken und zu sprechen und werden dabei immer schlauer: Roboter, Computerprogramme und Maschinen dringen in nahezu jeden Bereich der Arbeit vor.

Software und Roboter ersetzen längst nicht mehr nur schlichte Routinejobs und Fabrikarbeit. Sie übernehmen die Tätigkeiten ganzer Branchen. Je stärker der Einfluss von Daten und Automatisierung voranschreitet, umso spannender wird die Frage, welche Rolle der Mensch im Arbeitsleben noch spielt.

Um die digitale Revolution heute zu begreifen, lohnt ein Blick zurück: In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beginnt das erste Maschinenzeitalter. Mit der Dampfmaschine.

Einher mit der industriellen Revolution ging nicht nur der allmähliche Rückzug des Pferdes aus Verkehr, Landwirtschaft und Militär. Elektrifizierung, Motorisierung und Mechanisierung hielten Einzug. Muskelkraft wurde auf breiter Front ersetzt. Der Mensch blieb Kontrolleur und Steuermann.

Die Digitalisierung ist das zweite Maschinenzeitalter

Nun ist eine neue Ära angebrochen, die manche Forscher das zweite Maschinenzeitalter nennen. Maschinen und Programme werden vor kaum etwas haltmachen. Auch nicht vor der Geisteskraft. Vor 20 Jahren hieß es noch, Maschinen würden nur das machen können, wozu sie programmiert seien. Das gilt nicht mehr, denn Maschinen lernen.

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In Gestalt selbstfahrender Fahrzeuge werden sie Taxi- und Busfahrer ersetzen, Chauffeure, Baggerführer und Lastwagenfahrer. Über Autobahnen dürften künftig lange Kolonnen führerloser Gefährte rollen.

Maschinen werden anstelle von Architekten Häuser entwerfen. Sie übernehmen Schwertransporte und Controlling, Übersetzungen und medizinische Diagnosen.

Ein australischer Bauroboter mauert bereits ein ganzes Haus in nur zwei Tagen.

Manche mixen Drinks, andere reparieren Uhren, sortieren Bibliotheken, regeln den Verkehr, nehmen an Kriegen teil, kochen in Restaurants, ernten Felder ab und makeln Häuser. Schon jetzt schreiben Programme Nachrichten für die Wirtschaft über Bewegungen an den Börsen. Dabei wird es kaum bleiben.

Pflege, Kliniken, Kraftwerke, Labors, Kanzleien, Sekretariate und Callcenter: Es werden nicht nur Werkbänke leer geräumt, sondern auch Schreibtische und Bildschirmarbeitsplätze. Die Digitalisierung macht vor nahezu nichts halt.

Digitale Revolution: Welche Berufe in Zukunft überflüssig werden.

Nach den Fabriken nun die Büros

Eine in Washington vorgelegte Umfrage des Pew-Instituts unter fast 1900 Wissenschaftlern zeigt: An Fließbändern und in Fabrikhallen sind Roboter lange Alltag. Jetzt, sagt die Hälfte der befragten Forscher, geht es in die Büros. Wo zum Beispiel Aufträge disponiert oder Konstruktionen entworfen werden.

Martin Ford, US-Autor, Technikexperte und erfahrener Silicon-Valley-Insider stellt fest: „Fast jeder Job, in dem jemand vor einem Bildschirm sitzt und Informationen verarbeitet, ist bedroht.“

5 Millionen Jobs werden automatisiert

61 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland sind mit einem Computer ausgestattet. Das Mannheimer Forschungsinstitut ZEW hat errechnet, dass in Deutschland gut fünf Millionen Jobs leicht automatisierbar wären.

Auf dem jüngsten Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz wurde eine Studie vorgestellt, die in den nächsten fünf Jahren den Wegfall von fünf Millionen Arbeitsplätzen in den Industrieländern voraussagt.

Eine aufsehenerregende, aber umstrittene Prognose der britischen Universität Oxford sah schon 2013 im Lauf der nächsten 20 Jahre jeden zweiten Job in den USA von Automatisierung, Mechanisierung oder Digitalisierung bedroht. Je komplexer der Beruf, umso sicherer sei er.

Digitale Revolution Welche Berufe in Zukunft überflüssig werden-energy-mag

Arbeitskosten könnten um 18 bis 33 Prozent sinken

Doch es entsteht Neues. Selbst wenn 47 Prozent aller Jobs wegfallen, heißt das ja noch lange nicht, dass auch 47 Prozent aller Betroffenen keine Arbeit mehr haben. Es wird neue Berufe geben, neue Möglichkeiten. Denn: 65 Prozent der Jobs in den USA sind Tätigkeiten, die es vor einem Vierteljahrhundert noch gar nicht gab.

Die US-Unternehmensberatung Boston Consulting hat 21 Industrien der 25 größten Exportnationen untersucht, die für etwa 90 Prozent des globalen Handels stehen. Je nach Land würden die Arbeitskosten zwischen 18 und 33 Prozent sinken.

Wenn in luftiger Höhe Maschinen Windräder von Kraftwerken reparieren, ist das eben für die Betreiber günstiger und sicherer, als wenn ein teurer Mechaniker sich in diese Gefahr begibt.

Daniela Rus arbeitet am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und ist einer der führenden Robotikexperten der Welt. In der Politikzeitschrift „Foreign Affairs“ sagt sie: Die Situation heute sei mit der vor 30 Jahren vergleichbar.

Damals hätten Computerexperten davon geträumt, dass Computer echter Bestandteil menschlicher Gesellschaften würden. Dass ihre Integration so vollständig sei, dass sie gar nicht mehr auffielen. Rus: „Der Sprung vom Personal Computer zum Personal Roboter – warum nicht?“

Der humanoide Atlas Roboter von Boston Dynamics kann dem Menschen jede Menge Arbeit abnehmen, aber leider auch den Arbeitsplatz.

Roboter können schon viel mehr, als man denkt

Wer dachte, die neue Automatisierung schreite nur in Zweigen voran, deren Tätigkeit überwiegend aus Wiederholungen besteht, irrt. Es geht auch um viele anspruchsvolle Jobs.

Dazu gehören zum Beispiel Aufgaben in Kanzleien. Dort kann Software Zehntausende Dokumente in einer Zeit durchsuchen, für die der Mensch ein Vielfaches braucht. Und es geht um die Finanzwirtschaft.

Geldautomaten und Self-Service-Center haben schon längst reihenweise Bankangestellte ersetzt. Dann drang die Automatisierung in die höheren Stockwerke vor. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Finanzangestellten an der Wall Street um etwa 50.000 gefallen. Das ist rund ein Drittel.

Hochfrequenzprogramme wickeln Hunderttausende Transaktionen ab, entscheiden binnen Sekundenbruchteilen über Kaufen und Verkaufen, ohne dass ein einziger Mensch damit zu tun hätte.

Gibt es künftig nur für eine Minderheit Arbeit?

Diese Frage ist mit einem klaren Nein zu beantworten. Prinzipiell gilt: Alles, was eine Maschine besser kann als ein Mensch, dürfte die Maschine künftig erledigen. Schneller, verlässlicher, billiger – ermüdungsfrei. Körperliche Fähigkeiten werden dann weniger gefragt sein.

Doch wem das zweite Maschinenzeitalter und viele Prognosen bisher zu düster erscheint, für den gibt es Hoffnung.

Das Geheimnis lautet: Investiert in Fähigkeiten, die eine Maschine nicht reproduzieren kann. Es geht um höhere Funktionen: Kreativität, Problemlösung, Erfindungsgabe.

Durch die Digitalisierung entstehen jede Menge neue Jobs. Es gibt also, für die Offenen und Schlauen, jede Menge Chancen. In diesem Sinne gilt: Keep an Open Mind.

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Die Grafik zeigt eine Übersicht über Berufe, die lediglich in den letzten 10 Jahren entstanden sind. Mit teilweise atemberaubenden Wachstumsraten. Quelle: Social Media Examiner

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