Drachen unter Wasser

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Mit Kites unter Wasser Strom erzeugen. Das schwedische Unternehmen Minesto hat ein neues Konzept zur Stromgewinnung aus Wellenenergie entwickelt. Mit Turbinen ausgestattete Kite-Drachen sollen unter Wasser Strom aus dem Wellengang gewinnen. Was zunächst etwas abenteuerlich erscheint, ist bei genauerem hinsehen sehr interessant.

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Das Unternehmen Minesto möchte in britischen Gewässern Energie mithilfe von Unterwasser-Kites erzeugen. Die Kites werden am Meeresboden verankert und sollen pro Jahr 18 Terawattstunden Strom produzieren können, womit nahezu 4 Millionen britische Haushalte das ganze Jahr mit Strom versorgt werden könnten.

Die Leistung von 12 AKW’s

Jedes der 7 Tonnen schweren Kites verfügt über eine Kapazität von 500 KW. Die Kosten pro Kilowattstunde könnten laut CEO Anders Jansson zwischen 0,09 und 0,20 US-Cent liegen. Jansson sieht das größte Potential für seine Kites in Europa vor der Küste Britanniens.

Deep Green (tiefes Grün) soll das Kite-Kraftwerk am Meeresgrund heissen und wenn es einmal Strom liefern sollte, dann könnten die Briten einen Großteil ihres Strombedarfs damit decken. Immerhin 18 Gigawatt Leistung können die auf dem Meeresgrund vertäuten Kites liefern, was vergleichbar ist mit zwölf der weltweit größten Kernkraftwerke.

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Die Flügel lassen den Kite im Wasser tanzen, das Schaufelrad der Turbine sorgt für den Strom.

8x soviel Energie wie aus Wind

Das Prinzip hinter den Kites ähnelt dem von Drachen, die an einer Leine gehalten durch die Luft tanzen. Nur werden Kites nicht mit Hilfe des Windes, sondern per Meeresströmung in Bewegung gehalten. Bis zu 14 Meter Spannweite kann ein Kite haben. Er sieht dabei aus wie ein überdimensioniertes Surfbrett, das unter Wasser an einer Leine hängt und sich von der Strömung mitziehen lässt.

Unterhalb der Flügel ist ein Stromgenerator montiert, der durch die Bewegung der Kites angetrieben wird. Die Kites bewegen sich dabei kontinuierlich in Form einer Acht, also ähnlich wie bei einem Flugdrachen.

Wasser in Bewegung kann bis zu achtmal soviel Strom erzeugen wie eine vergleichbare Luftmenge, da Wasser bekanntlich wesentlich dichter ist als Luft. Die Physik ist es also, die die Unterwasser-Kite Idee so interessant macht.

Stromerzeugung rund um die Uhr

Der im Generator erzeugte Strom fließt über das Kabel in eine Sammelstation, die fest am Meeresgrund verankert ist. Von hier aus führt dann ein Seekabel an Land. Von oben zu sehen sind die Kite-Kraftwerke nicht, denn sie befinden sich in tiefen von 50 bis 300 Metern, wo sie rund um die Uhr Strom erzeugen. Je nachdem, wo diese Unterwasserdrachen verankert werden und welche Spannweite sie haben, kann ein einzelnes Gerät bis zu 800 Kilowatt an Strom produzieren.

Deep Green ist von dem schwedischen Unternehmen Minesto entwickelt worden, einer Ausgründung aus der Saab-Gruppe. Minesto-Geschäftsführer Ander Jansson sagt, dass ein Kite je nach Standort und Spannweite eine Leistung von 150 bis 800 Kilowatt hat. Zwei dieser Unterwasserkraftwerke mit einer Leistung von zusammen einem Megawatt sollen 2,1 bis 2,4 Millionen Euro kosten.

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Eine wirtschaftliche Stromerzeugung ist mit diesen Prototypen zur Zeit noch nicht möglich. Er würde pro Kilowattstunde mehr als 25 Cent kosten. Wenn die Kites in Serie gefertigt würden, könnte der Erzeugungspreis auf 6 bis 24 Cent pro Kilowattstunde sinken, glaubt Jansson.

Das Video zeigt sehr anschaulich, wie die Minesto-Technologie funktioniert:

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Comments

  1. Marc Thomas says:

    Das klingt nun definitiv sehr utopisch. Drachen die Unterwasser in riesigen Achten kreisen…wieso so kompliziert? Da ist mir das Wellenkraftwerk der Franzosen irgendwie einleuchtender.

    • Auf den ersten Blick schon, allerdings soll wohl die Energieausbeute gegenüber dem Wellenkraftwerk deutlich besser sein. Und: wieso nicht? Auch Satelliten fliegen unsichtbar und lautlos durch das All, wer hätte sich das vor 80 Jahren vorstellen können. Unter Wasser ist viel Platz.

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