Effizientere Heizanlagen müssen her

alter Heizkessel_Energy-Mag

Energieeffizienz bei Gebäuden – warum die Politik falsche Anreize setzt. Die Gewissheit, dass für eine umfassende Energiewende in Deutschland neben stärkerer Nutzung regenerativer Energien auch eine Verbesserung der Energieeffizienz nötig ist, setzt sich allmählich durch. Das gilt insbesondere für den Immobiliensektor.


Die Politik hat sich wärmeeffizientere Gebäude schon länger zum Ziel gesetzt und dazu entsprechende Verordnungen auf den Weg gebracht, allerdings mit einem einseitigen Fokus auf Vorgaben für Neubauten und die aufwändige Sanierung der Außenhülle schon bestehender Gebäude. Zunehmend aber hinterfragen Bürger und Experten, ob es wirklich so sinnvoll ist, jedes Haus in eine dicke Dämmung zu packen.

Sie fragen: Sind ausreichende Effizienzsteigerungen von Immobilien mit Dämmung überhaupt technisch machbar und wenn ja, ob die entstehenden Kosten im Verhältnis zum Nutzen stehen?

Deutschland, Land der Dichter und Dämmer

Noch ignoriert die Politik diese Bedenken. Denn auch in ihrer neuen Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) setzt sie auf die Dämmung der Gebäudehülle. Sie hat Deutschland also wieder einmal als Land der „Dichter und Dämmer“ bestätigt.

Schade, denn eine wirtschaftliche und ausreichende Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden im Sinne der politischen Einsparziele kann tatsächlich nur erreicht werden, wenn auch die Heizanlagentechnik in den Gebäuden und das Nutzerverhalten deutlich stärker mit einbezogen werden.

alter Heizkessel_Energy-Mag
Veraltete 30 Jahre alte Heizanlagen sind eines der größten Probleme bei der Steigerung der Energieeffizienz. Denn es gilt: keine Modernisierung, keine Steigerung der Effizienz.

Heizanlagen älter als 30 Jahre

Mehr als jede fünfte Heizungsanlage in Deutschland ist, wie die Techem Energiekennwerte-Studie zeigt, älter als 30 Jahre – und damit völlig veraltet. Legt man den aktuellen Stand (effizienter) Technik zugrunde, wären noch viel mehr Heizungen erneuerungsbedürftig. Branchenverbände nennen hier bis zu 70 Prozent.

Das Potenzial effizienterer Heizanlagen ziehen die aktuellen politischen Rahmenbedingungen noch nicht ausreichend in Betracht. Hier sind mehr Anreize nötig, um die Modernisierung der Anlagen voranzutreiben und, wo möglich, auf noch effizientere Versorgungslösungen, wie etwa Kraft-Wärme-Kopplung umzusteigen. Mehr Unterstützung für Contracting-Lösungen oder die dezentrale Stromversorgung von Mietern im Rahmen von Quartiersversorgung sind Beispiele dafür.

Der zweite wichtige Ansatzpunkt für Energieeffizienz, dessen Bedeutung noch immer unterschätzt wird, ist das Verhalten des Nutzers.

Energieeinsparung zieht für den Nutzer zusätzlich auch Kosteneinsparung nach sich. Auch das verdeutlicht die Energiekennwerte-Studie seit vielen Jahren.

Zum einen braucht der Nutzer dazu regelmäßige Informationen über die Folgen seines Heiz- und Lüftungsverhaltens, also über seinen Energieverbrauch. Zum anderen muss eine stärkere Automatisierung Einzug halten, die Nutzer aktiv unterstützt, sich energieeffizient zu verhalten. Dazu zählen zum Beispiel Smart-Home-Lösungen, die optimiertes Heizen vereinfachen – und zwar ohne Komfortverzicht.

Die richtigen Rahmenbedingungen sind nötig

Der Politik, den Unternehmen und den Verbrauchern muss jedoch klar sein: Die Energiewende gelingt nur, wenn alle Parteien gut koordiniert zusammenarbeiten. Das gilt insbesondere für den Immobilienbereich.

Einseitige Belastungen und Verpflichtungen wirken hier kontraproduktiv. Die Politik muss die richtigen Rahmenbedingungen durch angemessene und bis zu Ende gedachte Verordnungen und Förderprogramme schaffen. Vermieter können durch Investitionen mit Augenmaß Wohnraum bezahlbar halten. Auch mancher Dienstleister sorgt mit innovativen, gering-investiven Maßnahmen für einen schnell wirksamen Effekt und ist bereit, hohe Investitionen in energiesparende Technologien zu tätigen. Und schließlich sind Mieter ein entscheidender Faktor, die durch ein erhöhtes Bewusstsein für sparsames Verhalten die Maßnahmen zur Effizienzsteigerung erst umfassend wirksam werden lassen.

Die Energiewende gibt es auch im Immobilienbereich nicht zum Nulltarif – richtig gemacht ist sie aber für alle bezahlbar. Investitionen müssen dabei wirtschaftlich sein und Kosten fair verteilt werden. Erst dann wird die Energiewende zum Erfolg. Denn sie ist zum Nutzen aller: Eigentümer, Mieter und Klima.

Gastartikel von Hans-Lothar Schäfer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Techem, einem der führenden Energiedienstleister für Energiesparen, Heizkostenabrechnung, Energiemanagement und Contracting in Deutschland.

Das könnte Sie auch interessieren:

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: