Ein Kraftwerk in 300 Meter Höhe

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Fliegendes Kraftwerk: Windturbine schwebt in 300 Meter Höhe. In Höhen von 300 bis 600 Meter über der Erde weht der Wind fünf- bis achtmal so stark wie auf der Erde und wesentlich stetiger. Warum die Windenergie nicht dort ernten, wo sie im Überfluss zur Verfügung steht? Haben sich zwei Studenten an der renommierten US-Technik-Uni MIT gedacht und ihr Startup Altares gegründet.


Vor vier Jahren beschlossen Ben Glass und Adam Rein, Studenten an der renommierten US-Technik-Uni MIT, dass sie mit ihrer Windkraftanlage höher hinaus wollen als alle in der Branche vor ihnen. Damals gründeten sie ihr Startup Altaeros, Startup ist in diesem Falle das sehr passende Wort, die beiden wollen mit ihrer Firma Windturbinen entwickeln, die dann in 300 Meter Höhe Strom zur Erde liefern. Schwebende Kraftwerke für bis zu 12 Haushalte.

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Ein riesiger mit Flügeln versehener Heliumballon soll in 300 Metern Höhe Strom produzieren. Rund 5000 Stunden im Jahr könnten die fliegenden Kraftwerke Strom produzieren, am Boden sind es nur 2000.

Südlich von Fairbanks, der zweitgrößten Stadt des US-Bundesstaates Alaska, werden sie bald die erste kommerzielle Windkraft-Anlage aus eigener Entwicklung installieren. Die Turbine schwebt mehr als 300 Meter über dem Boden und ist damit mehr als 80 Meter höher als der bisherige Spitzenreiter in Dänemark.

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Noch im Hangar: Ein Prototyp der Buoyant Airborne Turbine. (Altaeros Energies)

Die „Buoyant Airborne Turbine“, wie die Gründer von Altearos ihr schwebendes Windrad nennen, soll nach Unternehmensangaben relativ zur Größe deshalb mindestens zwei- bis dreimal so viel Strom produzieren können wie herkömmliche Windräder. Die stehen auf Betonsockeln in der Landschaft oder vor der Küste. Der Strom eines Ballons soll für zwölf Haushalte reichen.

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Ein ringförmiger, mit Flügeln versehener Heliumballon mit einem Rotor in der Mitte, Seile, die ihn festhalten, und Kabel, die den Strom vom Generator zum Boden transportieren.

Windstrom aus der Luft liegt im Trend

Das Potenzial der Windenergie aus der Luft ist bekannt. Schon etwas älter als Altaeros ist das Unternehmen NTS des Berliner Ingenieurs Uwe Ahrens. Er experimentiert seit 2007 mit Drachen in einer Höhe von 200 bis 500 Metern, die Loren auf einer Schiene entlang ziehen. Ein Generator wandelt die Bewegungsenergie in elektrischen Strom um ( Wir berichteten >> ).

Vor nicht einmal einem Jahr machte Googles Ideen-Manufaktur Google X Schlagzeilen, als sie das US-Startup Makani Power übernahm. Dessen Technologie haben ehemalige Kitesufer entworfen: mit Turbinen versehene kleine Segelflugzeuge, die in großer Höhe schweben und ebenfalls wie Drachen mit einer Station am Boden verbunden sind ( Mehr >> ).

Mit dem Pilotprojekt in Alaska beweist Altaeros jetzt seinen Vorsprung in dem noch experimentellen Markt. Die staatliche Energiebehörde Alaskas fördert die Installation in Fairbanks mit umgerechnet rund 950.000 Euro. Die beiden Gründer versprechen dafür Strom für umgerechnet etwas mehr als 13 Euro-Cent pro Kilowattstunde.

Teuer aber praktisch

Auch wenn der Preis des Stroms auf den ersten Blick etwas teuer erscheint (Windstrom gibt es in manchen Gegenden der USA bereits ab 4 Cent), so hat die neue Technik doch bedeutende Vorteile.

„Diese Technik ist für Alaska besonders geeignet, weil wir so die hohen Installationskosten eliminieren können“, sagte Alan Baldivieso, Manager der Abteilung für Hydrokinetik, Geothermie und neue Energien der örtlichen Energiebehörde, der New York Times.

Damit benennt er einen großen Vorteil der Ballons und ein wichtiges Verkaufsargument: Sie sind blitzschnell in die Luft gebracht. Von unwirtlichen Gegenden wie Alaska einmal abgesehen, wären sie eine schnelle Option nach Naturkatastrophen, eine Technik fürs Militär und für Orte, die noch gar nicht ans Stromnetz angeschlossen sind.

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