Eine Hausfassade die Smog frisst

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Diese Haus in Mexiko City neutralisiert die Feinstaubbelastung von 1.000 Autos pro Tag. Möglich macht das eine innovative Fassade aus Stahl und Kunststoff, die die giftigen Stoffe regelrecht auffrisst. Die Entwicklung stammt von dem jungen Berliner Startup „elegant embellishments“ der beiden Architekten Allison Dring und Daniel Schwaag. Das Wundermittel dahinter heißt: Titandioxid.


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Statt die Luftverschmutzung in Städten nur damit zu bekämpfen, den Verkehr einzuschränken, soll die Fassade „prosolve370e“ die Feinstaubpartikel aktiv vermindern. Das Geheimnis ihrer Konstruktion ist eine Titandioxid-Beschichtung. Copyright: elegant embellishments

Titandioxid kann giftigen Feinstaub neutralisieren. Damit das funktioniert, braucht es aber unbedingt die UV-Strahlen der Sonne. Durch die Lichtstrahlen angeregt, baut Titandioxid giftige Abgase ab. In erster Linie sind das NOx-Stickoxide, die vor allem durch Verbrennungsmotoren freigesetzt werden.

Die feinstaubfressende Fassade wandelt Stickoxide in andere chemische Verbindungen um. So etwa Wasser, CO2 oder Kalksalpeter, der häufig als Düngemittel eingesetzt wird. Sogar an trüben Tagen funktionieren die Module, denn die UV-Strahlen des Sonnenlichts dringen selbst durch dichte Wolkenbänder.

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Titandioxid ist im Kampf gegen die Luftverschmutzung kein Unbekannter. Schon in Chicago wurde der Stoff in Asphalt-Straßen verlegt, um den Smog des Verkehrs abzubauen.

Eine wichtige Rolle spielt außerdem das Design der Fassade. Die einzelnen Module bildenkeine glatte Oberfläche und bremsen sso den Wind und damit die Geschwindigkeit der Nano-Partikel, die um die Fassade wirbeln. So kann der chemische Reinigungsprozess überhaupt erst in Gang kommen. Denn die Fassade muss die giftigen Feinstaubverbindungen zumindest für kurze Zeit binden, um sie aufbrechen und umzuwandeln zu können. Die runde Form der Module sorgt zusätzlich für eine möglichst große Oberfläche, auf die die UV-Strahlen aus verschiedenen Richtungen treffen können.

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Ein Quadratmeter neutralisiert 17 Autos

Gerade in Gegenden mit besonders starker Luftverschmutzung entfaltet die Technik ihre größte Wirkung. „Unsere Fassade kann etwa 0,26 Gramm Stickoxide pro Quadratmeter abbauen. Das entspricht der Luftverschmutzung von bis zu 17 Autos am Tag“, sagt Architektin Allison Dring. Denkbar wäre die Konstruktion beispielsweise auch an Tunnelausgängen und überall dort, wo sich Abgase konzentrieren.

Von Mexico Stadt auch nach Stuttgart?

Seit 2012 wird die Technik bereits in Mexiko City angewendet, wo es sicherlich auch besonders nötig ist. Dort wurde eine 2.500 Quadratmeter große Fassade an die Außenwand des Krankenhauses „Manuel Gea Gonzales“ angebracht. Weitere Projekte in Mexiko sind geplant. „Aus Deutschland haben wir bislang noch keine Anfragen“, sagt Dring.

Dabei würde sich die Technik auch bei uns lohnen. Schließlich überschreiten viele Stadtzentren trotz Umweltzone noch immer häufig die Grenzwerte für Feinstaubbelastung. Etwa in Teilen Stuttgarts, wo der Wert allein im laufenden Jahr schon an 57 Tagen überschritten wurde. Wie wichtig es ist, gegen Luftverschmutzung vorzugehen, zeigt nicht zuletzt die EU-Strategie „Clean Air for Europe“. Das Ziel: Bis 2020 durch bessere Atemluft 63.000 vorzeitige Todesfälle vermeiden.

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