Eine Insel wird stromautark

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Die nordfriesische Insel Pellworm geht bei der Wende hin zu erneuerbaren Energien schon immer voran. Bereits 1983 wurde der damals größte Solarpark Europas installiert. Mit Ergänzung von Windenergieanlagen entstand 1989 Europas größtes Hybridkraftwerk. Ein intelligentes Stromnetz mit Großspeichern und vielen kleinen Haushaltsspeichern soll die Insel nun stromautark machen.


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Mit rund 21 Gigawattstunden produziert die Insel Pellworm jährlich dreimal so viel Strom wie sie verbraucht. Trotzdem sind die 1.200 Einwohner von Stromlieferungen über zwei 20‐Kilovolt‐Seekabel vom Festlandnetz abhängig. Mit einer Kombination aus Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen mit Großspeichern, Haushaltsspeichern und intelligenter Messtechnik soll die Insel nun Selbstversorger mit Strom werden.

Das intelligente Netz wird in Pellworm Realität

Eon und die Schleswig-Holstein Netz AG errichteten ein Speichersystem und koppelten die Stromanschlüsse der Kunden über Datenverbindungen mit den Windkraft- und Photovoltaikanlagen auf der Insel. Wird bei Starkwind und Sonne zu viel Strom erzeugt, fließt dieser in das Großspeichersystem mit Lithium-Ionen- und Redox-Flow-Batterien sowie in dezentrale Haushaltsspeicher. Bei Windflaute und bedecktem Himmel nutzen die Bewohner den Strom aus diesen Batterien. Um die Energieflüsse besser steuern zu können, wurden regelbare Ortsnetz-Transformatoren, eine spezielle Leistungselektronik und ein Energiemanagementsystem in das Stromnetz integriert.

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Der Großspeicher steht direkt neben dem Solarpark auf Pellworm. © Eon Hanse AG

„Wir wollen Stromerzeugung und -verbrauch so koppeln, dass das Energiesystem besser genutzt wird und dadurch leistungsfähig sowie bezahlbar bleibt. Je erfolgreicher dieses Projekt ist, desto mehr Energie kann vor Ort verwertet werden und desto weniger abhängig ist man von großräumigen Energietransporten“, erklärt Matthias Boxberger, Vorstand der Schleswig-Holstein Netz AG, die Ziele des Forschungsprojektes „Smart Region Pellworm“.

Erneuerbare Energien im Überfluss

„Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland übersteigt das Angebot bei starkem Wind oder hoher Sonneneinstrahlung immer häufiger und in immer größerem Umfang den Strombedarf. Damit kommt das Stromnetz auch immer stärker an die Grenzen seiner Belastbarkeit“, sagt Eon-Vorstand Leonhard Birnbaum, „Wir müssen hier noch viele Erfahrungen sammeln und lernen. Die Smart Region Pellworm zeigt sehr anschaulich, wie vielversprechende Lösungen für das Energieversorgungssystem der Zukunft aussehen können.“

Das Projekt mit einem Investitionsvolumen von fast zehn Millionen Euro wird von einem Innovationsverbund aus Industrie und Wissenschaft durchgeführt. Es wird im Rahmen der Forschungsinitiative Energiespeicher der Bundesministerien für Wirtschaft und Technologie, für Bildung und Forschung sowie das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert.

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Pellworm an der Nordseeküste geht mit einem intelligenten Stromnetz in der Energiewende voran.

Autonomer Strom auf der Insel

Das Forschungsprojekt untersucht unter anderem, wie lange Stromtransporte und der dafür erforderliche Netzausbau reduziert werden können. Autarke Insellösungen eignen sich besonders für ländliche Siedlungsstrukturen in Norddeutschland, wie eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt. Insbesondere der Strombedarf von Industrie und Gewerbe ließe sich in vielen Regionen so jedoch kaum decken.

Als Schlüssel sieht die Untersuchung „Modellierung einer vollständig auf erneuerbaren Energien basierenden Stromerzeugung im Jahr 2050 in autarken, dezentralen Strukturen“ ein gut ausgebautes Stromnetz zum regionalen Ausgleich von Stromproduktion und Verbrauch.

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