Eis im Nordpolarmeer schmilzt auf Rekordniveau

Klimawandel – Das Eis in der Arktis ist dieses Jahr so stark geschmolzen wie noch nie zuvor. US-Forscher sprechen von einer „fundamentalen Veränderung“ des arktischen Meereises. Das neue Rekordtief sei keine Ausnahme, sondern die Folge einer mehrjährigen Entwicklung.

Die Eisfläche sei in der Sommerhitze auf 4,09 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen, teilte das US-Schnee-und-Eis-Datenzentrum (NSIDC) mit. Der bisherige Tiefstwert von 4,17 Millionen Quadratkilometern stammte aus dem Jahr 2007. Das NSIDC arbeitet mit der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa zusammen. Seit 1979 werten die US-Forscher die Eisfläche anhand von Satellitenaufnahmen aus.


Eisberg vor Grönland: Sich selbst verstärkende Entwicklung

NSIDC-Forscher Walt Meier sprach von Hinweisen auf eine „fundamentale Veränderung“ des arktischen Meereises. Der Sommer-Tiefstwert ist in den vergangen drei Jahrzehnten jeweils um rund 13 Prozent gesunken. Auch die Eisdicke nimmt ab, allerdings gibt es dazu keine verlässlichen Werte.

Der Nasa-Wissenschaftler Joey Comiso sagte, dass der diesjährige Eisrückgang durch die warmen Vorjahre verursacht worden sei. Damals war das ganzjährige Eis angeschmolzen, das eigentlich resistenter ist. Nun scheint eine sich selbst verstärkende Entwicklung eingetreten zu sein. „Diesen Sommer waren die Temperaturen nicht ungewöhnlich hoch“, so Comiso, „aber wenn die dicke Schicht verlorengeht, wird das Eis im Sommer verwundbarer.“ Anfang August war zudem ein riesiger Sturm über die Arktis hinweggefegt und hatte die Eisfläche brüchig und damit angreifbar gemacht.

Wissenschaftler Ted Scambos begründete den raschen Rückgang mit dem durch Menschen verursachten Klimawandel. In der Regel erreicht die Schmelze erst Mitte September ihren Höhepunkt – das Eis könnte also noch weiter zurückgehen. Im Winter dehnt sich das Eis wieder auf mehr als 15 Millionen Quadratkilometer aus.

Aufgrund der starken Eisschmelze könnte sich auch in diesem Jahr die Nordpassage um Grönland öffnen. Die legendäre Schiffsroute war in der Vergangenheit nur höchst selten befahrbar – erst in den letzten Jahren schmolz sie immer öfter frei.

Quelle: Reuters

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