Energiesparen wird digital

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Wie werden wir in Zukunft leben, diese Frage hat die Menschen schon immer interessiert. Wie werden wir in Zukunft Energie sparen? Diese Frage ist neu.

Trendforscher Sven Gábor Jánszky weiß, was die Zukunft bringt. Im Interview verrät er, wie wir in zehn Jahren leben, was Tapeten mit Computern zu tun haben und wie einfach wir schon bald Energie sparen können.


Sven Gábor Jánszky Energy-Mag

Der Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky (41) ist Executive Direktor des “2b AHEAD ThinkTanks”. Das Trendforschungsinstitut berät Vorstände und Unternehmen in Strategie- und Innovationsmanagement. Jánszky ist Autor der Bücher “2025 – So leben arbeiten wir in der Zukunft” , “2020 – So leben wir in der Zukunft” und “Das Recruiting Dilemma”.

Frage: Herr Jánszky, als Trendforscher können Sie in die Zukunft sehen. Wie machen Sie das?

Sven Gábor Jánszky: Wir Trendforscher sind keine Wahrsager sondern Wissenschaftler. Wir analysieren mit Methoden der qualitativen Sozialforschung, in welche Technologien, Trends und Geschäftsmodelle heute die marktprägenden Akteure investieren, warum sie das tun und mit welcher Roadmap. Das bedeutet, wir führen lange intensive Interviews mit den Menschen, die die Strategieentscheidungen für die großen Unternehmen treffen. Wenn Sie dies mit vielen Akteuren in vielen Branchen tun, dann erkennen Sie in den Schnittmengen sehr deutlich jene Trends, die von allen am meisten getrieben werden. Die haben eine hohe Umsetzungswahrscheinlichkeit. Und Sie sehen auch jene Dinge, die wenig getrieben oder gar blockiert werden. Die haben eine geringere Umsetzungswahrscheinlichkeit. Damit sich die Menschen in die Konsequenzen dieser Entwicklungen hineinfühlen können, schreiben wir die Zukunftsszenarien dann oft in Form von kleinen Alltagsgeschichten auf. Das liest sich manchmal wie Science Fiction, hat aber gar nichts damit zu tun.

F: Okay, dann verraten Sie uns bitte: Wie leben wir in zehn Jahren?

Jánszky: Ohje, da habe ich gerade ein Buch mit 300 Seiten darüber geschrieben. Wo soll ich anfangen? Die sichtbarste Veränderung ist, dass unsere Welt noch digitaler geworden ist: Die meisten Gegenstände um uns herum werden zu Computern: zuerst die Brillen und Uhren, dann die Tische und Spiegel, später die Tapeten, ICE-Sitze und Autos … über Telefone und Fernseher reden wir ja schon heute nicht mehr. 50 Milliarden vernetzte Geräte wird es wohl schon 2020 geben. Mit all diesen Geräten können die Menschen sprechen oder sie per Gestensteuerung kontrollieren. Sogar die Gedankensteuerung werden wir nach 2020 in unserer Welt sehen. Das alles führt dazu, dass wir in unserem Leben permanent umgeben sind von intelligenten, elektronischen Assistenzsystemen, die uns für jeden Lebensbereich mit ihren Ratschlägen zur Seite stehen. Auch das ist kein Science Fiction. Man sieht das bereits heute. Erinnern Sie sich an den IBM Supercomputer Watson, der vor einigen Jahren die Jeopardy-Gameshow gewonnen hat. Der wurde danach an eine US-Uniklinik gebracht. Heute schon ist er der weltweit beste Krebsdiagnostiker. Etwa im Jahr 2020 wird Watson so klein und genauso teuer sein wie unser heutiges Smartphone. Wir werden ihn alle in der Hosentasche haben. Spätestens dann werden wir den intelligenten Geräten mehr vertrauen als anderen Menschen!

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Intelligente und dezentrale Wärmenetze werden entscheidend unsere Zukunft der Energieversorgung bestimmen. Bis zum Jahr 2020 wird bereits 40% unserer Energie, so Trendforscher Jánszky, so erzeugt. (Mehr dazu >>)

F: Welche Rolle spielt dann Energie und Umwelt für uns? Gelingt uns der Weg zu einer nachhaltigen und sicheren Energiezukunft?

Jánszky: Ja, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dieser Weg gelingt. In zehn Jahren spielen Energie und Umwelt in unseren Prognosen keine große Rolle mehr, weil wir davon ausgehen, dass die heutigen Probleme in diesen Bereichen dann schon gelöst sein werden. Ich rechne damit, dass es im Jahr 2020 schon eine weitgehend dezentrale Energieversorgung geben wird. Sie ist vor allem dadurch charakterisiert, dass es jederzeit kostengünstiger ist, seinen Strom per Solar oder Minikraftwerk im Keller selbst zu produzieren, als ihn vom Stadtwerk zu bekommen … übrigens völlig unabhängig von Förderungen oder EEG.

Dies wird dafür sorgen, dass etwa 40 Prozent unseres Stroms dezentral produziert werden. Dies sind vor allem die Wohn- und Bürohäuser. Die verbleibenden 60 Prozent werden wohl noch zentral geliefert, vor allem an die Industrieabnehmer. Es ist wichtig, sich in diesem Szenario vor Augen zu halten, dass viele in der Energiebranche ihr Geschäftsmodell anpassen müssen. Denn es entstehen viele kleine, lokale Netze für einzelne Straßenzüge, Stadtgebiete oder Dörfer. Diese sind zu Regionalnetzen verbunden und diese wiederrum zu einem nationalen und internationalen Netz. In diesem Szenario ist es dann etwa für ein Stadtwerk nicht mehr wichtig, den Strom zentral einzukaufen und weiterzuliefern. Es wird vielmehr vom Lieferanten zum Dienstleister für Balance, Speicherung und Netzpflege.

F: Stichpunkt Energieeffizienz: Schon heute spielt Hausautomationstechnik dabei eine wichtige Rolle. Übernimmt vernetzte, intelligente Technik für uns irgendwann komplett das Energiesparen?

Jánszky: Ganz klar: Ja. Wir leben heute noch in den ganz jungen Kindertagen der Heimvernetzung. Diese sind wie bei jeder technologischen Innovation dadurch gekennzeichnet, dass die Technologie zwar schon verfügbar ist, aber noch sehr teuer. Außerdem erfordert sie ein hohes Proaktivitätslevel bei den Nutzern. Sie müssen alles selbst eingeben, programmieren und kontrollieren. Aber das ändert sich schnell. In wenigen Jahren wird das anders sein. Dann erkennt die Technologie völlig selbstständig ihre Umgebung und trifft selbständige Entscheidungen. Der Massenmarkt wird dann erschlossen, wenn die Nutzer sich zurücklehnen und Couchpotato sein dürfen und die Technologie von ganz allein den Energieverbrauch regelt.

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Elektroautos werden unser Strassenbild verändern, aber deren digitale Vernetzung wird unser Verhalten wesentlich mehr verändern.

F: Und wie werden wir uns im Jahr 2025 fortbewegen? Hat dann jeder ein Elektroauto vor seiner Haustür geparkt? Oder rechnen Sie mit einem völlig neuen Fortbewegungsmittel?

Jánszky: Ein großer Teil der Autos wird elektrisch fahren, ohne Frage. Aber ein wesentlich größer Wandel als in der Antriebstechnologie vollzieht sich durch die Vernetzung der Autos. Dies führt bis zum Jahr 2020 zu teilweise selbstfahrenden und bis 2025 zu komplett selbstfahrenden Autos. Dass dann jeder ein Auto vor seiner Haustür parkt, ist wohl eine Utopie. Die Digitalisierung des Lebens führt dazu, dass insbesondere in den Großstädten und urbanen Gebieten der Besitz von Autos zurückgeht.

Die Faustformel dafür heißt: Überall dort wo der Autobesitz die Freiheitsgrade erhöht (ländlicher Raum), dort werden Autos weiterhin besessen. Aber dort wo der Besitz eines Autos hingegen die Freiheitsgrade des Menschen einschränkt (wegen Staus, Parkplatznot, etc.), dort gibt es weniger Autos. Hier funktioniert Mobilität auf Knopfdruck. Sie drücken auf Ihr Smartphone, und in Kürze steht ihr Fortbewegungsmittel vor der Tür. Ob dies ein selbstfahrendes Taxi ist, ein Car-Sharing-Leihwagen, oder ein Autofahrer, der Sie als Mitfahrer mitnimmt, das hängt ausschließlich von Ihren Neigungen, Vorlieben und Ihrem Geldbeutel ab.

F: Zum Schluss: Verraten Sie uns, ob Sie noch etwas Spannendes in Ihrer Glaskugel sehen? Was bringt die Zukunft für uns?

Jánszky: Natürlich, jede Menge! Am spannendsten ist vielleicht die Entwicklung unserer Ernährung. Etwa im Jahr 2020 wird die Sequenzierung einer individuellen, menschlichen DNA etwa 100 US-Dollar kosten. In der Folge werden Menschen wissen, welche Erbkrankheiten in ihren Genen angelegt sind. Aber nicht nur das! Sie werden zugleich wissen, welchen Bakterienmix sie in ihrem Körper haben müssen, damit die Krankheiten nicht ausbrechen. Diesen Mix werden wir mit individueller, medizinischer Nahrung herstellen: Medical Food ist der große Wachstumsbereich, bei dem die Food und die Pharmaindustrie auf Basis von IT zusammenwachsen. Und nicht weniger wichtig ist die Zukunft unserer Arbeitswelt.

Wir gehen in eine Zeit der Vollbeschäftigung, in der es ständig zu viele Jobs für zu wenige Menschen gibt. Dies ist ein Paradies für Arbeitnehmer, aber eine Katastrophe für Unternehmen. Alles was wir heute über Personalarbeit und Human Resources wissen, gerät dann ins Wanken. Es wird dann vermutlich keine Stellenprofile mehr geben und keine Personalabteilungen.

Das Interview erschien zuerst auf: www.vorweggehen.de/

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