Das Comeback der Nachtspeicher

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Der Nachtspeicher ist tot – es lebe der Nachtspeicher. Einst galten sie als Stromfresser, veraltet, teuer, ineffizient. Doch nun könnten Nachtspeicherheizungen zu den Gewinnern der Energiewende werden. Versorger wie RWE wollen die alten Klötze mit moderner Technik aufrüsten und so das Problem schwankender Strommengen lösen. In Kombination mit einem Schichtspeicher werden Nachtspeicher sogar noch interessanter.


Schwankende Strommengen aus Windkraftwerken puffern

Die als veraltet geltenden Nachtspeicherheizungen sollen nach den Vorstellungen großer Stromkonzerne künftig die Energiewende vorantreiben. Wie die „Financial Times Deutschland“ („FTD“) berichtet, will der Energieversorger RWE die elektrischen Heizungen wiederbeleben. Sie sollen mit moderner Regeltechnik ausgestattet und als Energiespeicher für schwankende Strommengen aus Windkraftwerken genutzt werden.

Der Technik-Chef der RWE-Effizienztochter, Norbert Verweyen, berichtet ein Praxistest mit 50 Wohnungen sei erfolgreich verlaufen, technisch funktioniere das System schon heute. „Wenn wir nachweisen können, dass es sich wirtschaftlich rechnet, wollen wir 2014 damit auf den Markt kommen.“ Dazu solle das ab 2019 geplante Verbot für den Verkauf von Speicherheizungen fallen.

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Off-Shore Windparks liefern jede Menge Strom – zumeist mehr als das Netz aufnehmen kann. Innovative Speicherideen sind gefragt.

407 Gigawattstunden in 2011 verpufft

Bei elektrischen Speicherheizungen geht zwar viel Energie verloren. Doch herkömmliche Wasserkraftwerke mit Pumpspeichern reichen als natürliche Batterien immer weniger aus, um die schwankenden Mengen Ökostrom aufzunehmen.

Nach Angaben der „FTD“ mussten 2011 dreimal so viele Windräder zwangsweise stillstehen wie im Jahr zuvor. Die Energie konnte weder abtransportiert noch zwischengelagert werden – rund 407 Gigawattstunden Strom seien so laut Windenergie-Verband verlorengegangen. Genug, um eine Stadt mit 100 000 Haushalten 15 Monate lang zu versorgen.

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Nachtspeicheröfen – eine Technik aus den 80er Jahren schienen eigentlich für die Energiewende nicht geeignet und sollten aussortiert werden. Jetzt erleben sie ein Comeback.

Nachtspeicheröfen sollen nun als Energiespeicher wiederbelebt werden. Zwar sind die meisten Geräte längst aus den Wohnungen verschwunden, doch die 1,4 Millionen noch eingebauten Heizungen genügen laut RWE, um Pumpspeicher mit zehn Gigawatt Leistung zu ersetzen und damit den Versorgern Milliarden an Investitionen zu ersparen.

Moderne Regeltechnik macht es möglich

Dafür sollen die Verbraucher einer ausgefeilte Steuerelektronik nachrüsten, die flexibel auf Temperatur- und Strompreissignale reagiert. Anders als früher werde so nicht zu festgelegten Zeiten Strom nachgeladen. Stattdessen sollen die Systeme laut „FTD“ die teils starken Preisschwankungen bei der sogenannten Regelenergie nutzen, die je nach Bedarf im Netz zu- und abgeschaltet wird: Ist hier Strom gerade billig, laden die Geräte nach, steigt der Preis, schaltet die Elektronik ab.

Der Bundestag macht den Weg frei

Es ist als hätte jemand den Frosch geküsst. Der Bundestag kippte am 24.6. ein Verbot der großen Koalition wonach Nachtspeicher eigentlich ab 2019 verboten werden sollten. Nachtspeicherheizungen können nun auch noch nach 2019 betrieben werden. So werden aus teuren Stromfressern flexibel einsetzbare Stromspeicher. Vom Frosch zum Prinzen sozusagen.

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Das neue Traumpaar der Energiewende? Ein Schichtspeicher kann in Verbindung mit einem alten Nachtspeicherofen überschüssige erneuerbare Energie langfristig speichern.

Stromspeicherheizung und Schichtspeicher – das neue Traumpaar?

Gerade in Verbindung mit einem modernen Schichtspeicher können – eigentlich veraltete – Nachtspeichersysteme zu neuer Höchstform auflaufen. Werden Schichtspeicher bisher normalerweise von einer Kombination aus Öl/Gas, Pelletofen und Solarthermie beladen, so kann man jetzt auch, statt mit dem Nachtspeicherofen, mit einem Elektroheizstab, oder besser einem Elektrokessel als Wassererhitzer den Schichtspeicher befüllen; immer dann wenn Strom im Netz ganz besonders günstig zu beziehen ist.

Alle Besitzer von Schichtspeichern, besonders aber von Oskar° Energiemanagern, können sich nun durch Nachrüstung eines elektrischen Wärmeerzeugers und einer passenden Regellogik an einem System der Energieversorger für billigen Strom, beteiligen.

Das heisst: Wenn Strom im Überfluss da ist und die Konzerne dafür zahlen müssen, dass er vom Ausland abgenommen wird, tankt der Hausbesitzer günstig Energie. Dabei kann er mit Hilfe der modernen Regeltechnik selbst die Preisgrenze bestimmen, je nachdem, was er für Öl/Gas oder Pellets bezahlt oder bezahlen müsste.

Benötigt wird – zusätzlich zum Nachtspeicher – lediglich ein Internetanschluss um den aktuellen Strompreis zu ermitteln, und eine kleine Recheneinheit. Das besondere zudem: Die technische Einheit zahlt nicht der Hausbesitzer, sondern der Stromkonzern!

In einem Oskar° Heizsystem mit ausreichender Speicherkapazität, macht dieser Abwurf von billigem Strom deutlich mehr Sinn, als bei der ineffizienten Nachtspeicherofen Technologie, wo nur Luft für die Raumheizung erhitzt wird. Vor allem deshalb, weil die Energie nicht nur für die Heizung sondern auch für die Erwärmung des Trinkwarmwassers oder gar für Schwimmbäder eingesetzt werden kann.

Die Firma Ratiotherm bietet neben ihrem bewährten Schichtspeicher OSKAR° >> einfache Regeltechnik um Nachtspeichersysteme in das existierende Wärmenetz zu integrieren.

Interessenten dürfen sich gern über diese Plattform an die Redaktion wenden um mehr zu erfahren oder einen Handwerker vor Ort zu finden. Stichwort „Nachtspeicher“ >>

Zum Artikel der Financial Times Deutschland: www.ftd.de >>

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Comments

  1. Elektrische Speicherheizungen gehören zu den ineffizientesten Technologien zur Raumwärmeerzeugung. Die Erhaltung bestehender oder die Installation neuer Nachtspeicherheizungen ist aus diesen Gründen auch bei höheren Anteilen an Ökostrom im Strommix nicht mit Standards für hocheffiziente Gebäude vereinbar. Mit der Stilllegung der bestehenden Nachtspeicherheizungen ließe sich so ein großes Stromspar- und Klimaschutzpotenzial erschließen. Trotzdem kann es sinnvoll sein, bestehende Nachtspeicherheizungen übergangsweise bis zu ihrer Stilllegung als Flexibilitätsoption bei lokalen Netzengpässen zu nutzen, da sie bereits über die technischen Voraussetzungen für eine Ansteuerung per Rundsteuersignal verfügen: http://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/erhoehen-nachtspeicherheizungen-und-waermepumpen-die-flexibilitaet-des-stromnetzes-4040.html

    • Nachtspeicherheizungen sind besonders ineffizient – deshalb ist es inkonsequent diese Techologie jetzt nicht auslaufen zu lassen. Die Alternativen sind mit der modernen Speichertechnik in der Pumpenwarmwasserheizung gegeben.
      Bis 2019 war noch genug Zeit um diese Übergangsfrist für Nachtspeicher zu nutzen. Das politische Signal das von dieser Entscheidung ausgeht ist fatal. Ineffiziente aber praktische Lösungen werden bevorzugt. Ganz im Sinne der monopolistischen Energieversorger. So werden Sanierungsentscheidungen verschoben und schlechte Effizienz durch billigen Überschuss Strom belohnt – armes Deutschland. Das Land der „Dichter und Schenker“.

  2. admin says:

    Da die Energie ansonsten verpuffen würde ist es doch legitim alte Nachtspeicher – es gibt immerhin noch 1,4 Millionen – als Übergang zu nutzen. Auch wenn sie selbstverständlich ineffizient sind.

  3. Marc Thomas says:

    Na da wird jetzt Super-Sigi Abhilfe schaffen und die ollen Dinger eigenhändig raus reissen. Ich bin sicher.

  4. Rumpel Stilzchen says:

    wir haben vor 4 Jahren gebaut. Modern und energieeffizient (KfW 55). Zudem haben wir einiges in das Heizsystem investiert. Solar für Warmwasser, Erdsonden für die Wärmepumpe. Diese wird aber zum größten mittels Luft beaufschlagt. Das Haus an sich ist so dicht, dass man es sogar zwangsbelüften muss, damit sich kein Schimmel bildet, bzw. einem im wahrsten Sinne des Wortes die Luft ausgeht.
    Schön, wenn man das alles hat. Schlecht jedoch wenn drei Nachbarn allesamt mit Holz heizen. Und zwei davon älteren Baujahrs sind. In der Regel fängt deren Heizperiode im September an und endet je nach Wetterlage im Mai. Bei Ostwind (und das haben wir leider sehr oft), holen wir uns den Gestank des Holzes ins Haus. Und das bei Tag und bei Nacht. Manchmal ist an Schlaf nicht zu denken, da die Geruchsbelästigung unerträglich ist. Abschalten können wir das System nicht, sonst müssen wir frieren. Ein Aktivkohlefiltersystem macht die Anlage derart laut, dass man ebenfalls nicht schlafen kann.
    Das ist doch klasse. Alles Öko (inklusive 100% Ökostrom des Anbieters) und im Gegenzug ist das Raumklima im Eimer. Ach übrigens. Die Terrassenfliesen – schön in Grau sind in der Zwischenzeit schwarz meliert – vom Ruß. Und das neue Auto hat ebenfalls schon gelitten. Der Lack hat Mikrostellen vom Ruß die nicht mehr wegpoliert werden können.
    Ich sehne mich zurück an die gute alte Zeit in der wir *ineffiziente Nachtspeicherheizungen* hatten. Und alles war gut!!!!!!

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