Energiewende Deutschland – Nicht labern, machen

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Eröffnung kaltes Nahwärmenetz in Dollnstein. Die Bayerische Marktgemeinde gibt Einblick in eines der ersten intelligenten Nahwärmnetze in Deutschland. Während vielerorts in Deutschland über die Energie- und Klimawende lamentiert wird, nimmt eine kleine Gemeinde in Oberbayern die Energiewende lieber selbst in die Hand. Mit einem intelligenten und kalten Nahwärmenetz spart Dollnstein 40% Heizkosten und 70% CO2. Machen statt labbern.

Seit dem Frühherbst 2014 besitzt die 3000-Seelen-Gemeinde Dollnstein ihr eigenes „kaltes“ Nahwärmenetz und beabsichtigt damit ihren Energieaufwand zukünftig um rund 70% kürzen zu können – bei gleichzeitiger CO2-Einsparung von ebenfalls fast 70%.

Die Gemeinde und der ortsansässige Heizsystem-Spezialist Ratiotherm luden nun zur offiziellen Einweihung des Nahwärmenetzes ein. Das Unternehmen Ratiotherm ist gemeinsam mit dem Planungsbüro Team für Technik, Eichstätt verantwortlich für die Konzeption und Umsetzung des kalten intelligenten Nahwärme-Systems.

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Die oberbayerische Gemeinde Dollnstein regelt ihre Energieversorgung über ein „kaltes“ Nahwärmenetz und konnte dadurch ihre Energiekosten bereits im ersten Betriebsjahr um rund 40% reduzieren.

40% Energiekosten-Einsparung im ersten Jahr

Im Mittelpunkt der Eröffnungsfeier stand die Vor-Ort-Begehung der Heizzentrale des Nahwärmenetzes. Herzstücke dieser Energiezentrale sind dabei zwei große Schichtspeicher: ein zentraler 27.000 Liter Schichtspeicher mit einer Temperatur von 80 Grad sowie ein 15.000 Liter Niedertemperatur Speicher von 30 Grad. Rund 100 m² Solarthermie-Kollektoren auf dem Dach der Heizzentrale (mittelfristiger Ausbau auf 200m² geplant) sorgen für die Erwärmung des 10°C kalten Grundwassers aus dem Uferbereich der Altmühl, bevor es in die Speicher fließt.


Schematische Darstellung des Nahwärmenetzes in Dollnstein (Zum vergrößern auf die Grafik klicken).

Eine 440kW Wärmepumpe sorgt für die temperaturtechnische Aufbereitung des Grundwassers auf Heizungsniveau. Komplettiert wird die Heizzentrale durch ein Gas BHKW mit 250kW thermischer und 150 kW elektrischer Leistung für den Strombetrieb der Wärmepumpe sowie einen Gas- Spitzenlastkessel mit 300 kW. Hinzu kommen in der Peripherie für jeden angeschlossenen Haushalt noch jeweils eine „kleine“ Wärmepumpe als Übergabestation sowie ein Speicher mit mindestens 300 Liter Fassungsvolumen.

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Herzstück der Heizzentrale des intelligenten Nahwärmenetzes in Dollnstein sind ein zentraler Schichtspeicher mit 27.000 Liter sowie ein Niedertemperatur-Speicher mit 15.000 Liter Fassungsvermögen. © ratiotherm Heizung + Solartechnik GmbH, Dollnstein

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Eine 440 kW Wärmepumpe sorgt in der Heizzentrale in Dollnstein für die temperaturtechnische Aufbereitung des Grundwassers auf Heizungsniveau. Im Bild zu sehen auch die Anbindungsleitungen zum Grundwasser.

Die Vernetzung macht das Netz intelligent

Alle Komponenten sind über eine Datenleitung miteinander verbunden und können sich somit – dank einer hochkomplexen Regelungsleittechnik – über die jeweilige Wärmebereitstellung und den Bedarf der Verbraucher informieren (Sehen Sie hierzu auch den YouTube-Film „Smart Heat – Das intelligente Wärmenetz“.).

Vertreter der Gemeinde sowie der involvierten Projektpartner erläuterten den zahlreichen Besuchern von Stadtwerken, Gemeinden, Fachplanern und Heizungsbauern das intelligente und effiziente Zusammenspiel aller technischen Komponenten beim Nahwärmesystem Dollnstein. Besonderes Interesse fanden dabei die Erläuterungen zur Variante des so genannten „kalten Netzes“, welches in Dollnstein umgesetzt wurde: Hierbei wird in den Sommermonaten Mai bis Oktober (September) auf eine Netztemperatur zwischen 25 und 30 °C abgesenkt und die niedrigere Sommerheizlast zu 100% über eine Solarthermie-Kombination abgedeckt. Dadurch können hohe Netzverluste in den Sommermonaten deutlich verringert werden.

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40% weniger Energiekosten und 70% weniger CO2 Ausstoß – da können andere nur von träumen.

Kosten: 1,3 Millionen Euro

Insgesamt 1,3 Millionen Euro investierte die Gemeinde Dollnstein. Der wirtschaftliche Betrieb des Netzes ist bereits sichergestellt, da der dafür notwendige Mindestverbrauch von jährlich einer Million Kilowattstunden durch die hohe Anschlussquote übertroffen wird. Die eingebundenen Haushalte profitieren trotz der Kostenumlegung schon jetzt, da Anschaffungs- und Reparaturkosten für eine eigene Heizanlage entfallen. Dem unkalkulierbaren Risiko steigender Ölpreise sind die Dollnsteiner nicht mehr ausgesetzt, denn Grundwasser und Sonnenstunden sind ausreichend vorhanden.

Der erfolgreiche „Pilot” des „kalten Nahwärmenetzes” in Dollnstein hat einige Kommunen bereits zur Nachahmung motiviert. So befinden sich das Gewerbegebiet Bodenmais in Niederbayern sowie die Gemeinde Haßfurt in Unterfranken bereits in der konkreten Umsetzung eines „kalten Nahwärmenetzes” nach dem Modell Dollnstein.

Übersichtsplan Nahwärmenetz Dollnstein_Energy-Mag
Das Nahwärmenetz Dollnstein – das intelligente Nahwärmenetze

Betreiber: Kommunalunternehmen Energie Dollnstein
Investitionskosten: insgesamt 1,3 Millionen Euro
Planung: Ratiotherm GmbH & Co. KG, Planungsbüro Team für Technik, Eichstätt

Mehr über das intelligente kalte Wärmenetz in Dollnstein in unserem Artikel: „Smart Heat – Das intelligente Wärmenetz“ >>

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Comments

  1. Hallo,

    ein sehr wegweisendes Projekt!

    Wie setzt sich im aktuellen Projekt die Bilanz der CO2-Reduktion zusammen? Werden dabei auch Herstellprozesse betrachtet?

    Viele Grüße
    Nils

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