Energiewende im Grunde ein Desaster

Studie: Deutsche Energiewende verpasst alle Effizienzziele. Viel wird geschrieben über die Energiewende in Deutschland, dem Abschalten von Kraftwerken oder dem Nicht-Abschalten; dem Erreichen von Klimazielen und dem Nicht-Erreichen; dem bevorstehenden Blackout und dem Nicht-Blackout. Je nach politischer Coleur ist die Energiewende ein Riesenerfolg oder ein Desaster. Wir wollen ein wenig Fakten in die aufgeladenen Diskussion hinein bringen.

Das Prognos-Institut hat nämlich eine Bestandsaufnahme der deutschen Energiewende vorgelegt – im Auftrag der bayerischen Wirtschaft. Das Ergebnis der Studie fällt ernüchternd aus.


Klimaziele werden nicht erreicht

Angela Merkel wollte eine Klimakanzlerin sein. Die zentralen Versprechen der Energiewende: saubere Energie, weniger schädliche Klimagase und stabile Strompreise. Doch davon sind wir weit entfernt.

Die Bundesregierung hat bei der Energiewende nach einer neuen Studie des Prognos-Instituts ihre wesentlichen Ziele bislang weit verfehlt. Trotz der Zuschüsse in dreistelliger Milliardenhöhe für den Ausbau der erneuerbaren Energien sind demnach die Emissionen des klimaschädlichen Kohlendioxids nicht wie geplant kontinuierlich gesunken, sondern stagnieren seit 2014. Prognos wertet für das alljährliche Energiewendemonitoring die offiziellen Daten des Bundes aus.

„Wir schaffen eigentlich alle Effizienzziele nicht“, sagte Studienautorin Almut Kirchner. Das Instrumentarium „passt nicht zum Zielsystem.“ Gemeint sind hauptsächlich die durch die Ökostrom-Zulage finanzierten Subventionen für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die EEG-Umlage beläuft sich laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft in diesem Jahr auf 24,2 Milliarden Euro.

Angela Merkel Weltklima Konferenz Energy Mag
Angela Merkel redet auf der Weltklima-Konfernz im November 2017 in Bonn. In der Realität aber werden die Ziele der Bundesregierung weit verfehlt.

„Im Grunde ein Desaster“

Auftraggeber der Studie war die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw). Deren Präsident Alfred Gaffal nannte die Energiewende angesichts der hohen Kosten „im Grunde ein Desaster“.

Laut Studie sind auch der Verbrauch von Strom und Primärenergie – das sind alle natürlich vorkommenden Energiearten wie Öl und Gas oder Wind und Sonne – seit 2015 wieder gestiegen. Nach dem Energiekonzept des Bundes vom Anfang dieses Jahrzehnts hätte der Energiekonsum aber eigentlich sinken sollen. Die Energieproduktivität wiederum – das ist das Verhältnis von Energieverbrauch zu Bruttoinlandsprodukt – hätte im Gegensatz dazu steigen sollen. Tatsächlich ist sie rückläufig.

Anders als zu Beginn der Energiewende 2011 vielfach befürchtet, drohen nach Prognos-Einschätzung wegen der Abschaltung der Atomkraftwerke jedoch keine Engpässe in der Stromversorgung – auch nicht in Bayern und Baden-Württemberg. Es gebe ausreichend gesicherte Kraftwerksleistung, sagte Kirchner. Vbw-Präsident Gaffal forderte eine gemeinsame europäische Energiepolitik anstelle stetig verschärfter deutscher Klimaschutzziele, die am Ende ohnehin nicht erreicht würden.

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