Erneuerbare Heizungen sind billiger als Gas und Öl

Energiewende Deutschland. Studie belegt, erneuerbare Heizungen sind billiger als Gas und Öl. Erneuerbare Heizungen kommen in Deutschland nur sehr schleppend voran. Das liegt zum einen an den derzeit sehr günstigen Preisen für Öl und Gas und zum anderen an einem fest verankerten Vorurteil: Erneuerbare Heizungen sind teuer. Doch das stimmt nicht, wie eine aktuelle Studie des Dresdener Instituts für Technische Gebäudeausrüstung belegt.


Der Anteil klimafreundlicher Öko-Heizungen, etwa Wärmepumpen und Holzkessel, an allen neu installierten Heizungsanlagen war 2015 laut einer Statistik des Branchenverbands BDH so gering wie seit 2010 nicht mehr. Ähnlich sieht es bei der Solarthermie aus. Warum ist das so?

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Die Öko-Technologien stehen im Ruf, deutlich teurer zu sein als Gas- oder Öl-Kessel. Doch das ist ein Irrtum, wie eine neue Studie des Dresdener Instituts für Technische Gebäudeausrüstung zeigt (im Auftrag des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)). Meist kostet das Heizen mit erneuerbaren Energien im Neubau nicht mehr als mit Öl oder Gas – und ist mitunter sogar günstiger. Auch bei derzeitig sehr günstigen Rohöl-Preisen.

Die Experten haben ausgerechnet, wie viel Geld die Bewohner von Neubauten verschiedener Effizienzstandards pro Jahr für Heizwärme ausgeben müssen. Dabei haben sie neben den Verbrauchskosten auch die Investition in die Technik sowie Wartung und Reparaturen einberechnet. Zudem haben sie berücksichtigt, dass je nach Heizung weitere Investitionen – etwa in Lüftungsanlagen oder ergänzende Solarthermie-Kollektoren – nötig sind, um die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) sowie des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG) zu erfüllen.

Für das Einfamilienhaus die Wärmepumpe

Bewohner eines neuen Einfamilienhauses mit durchschnittlichem Wärmeschutz zum Beispiel müssen mit einem Gaskessel etwa genauso viel für die Heizwärme bezahlen wie mit einer Wärmepumpe. Das Heizen mit Öl ist acht Prozent teurer. Am günstigsten schneidet hier die Fern- und Nahwärme ab, deren Tarife sich allerdings regional stark unterscheiden.

Bewohner eines energetisch durchschnittlichen Einfamilienhauses sparen mit einer Wärmepumpe vier Prozent gegenüber einer Gasheizung ein. Verglichen mit einem Öl-Kessel beträgt der Kostenvorteil sogar elf Prozent. Holzpelletkessel kommen die Bewohner laut der Studie in Einfamilienhäusern generell teuer zu stehen.

Ganz anders dagegen in neuen Mehrfamilienhäusern mit Mindest-Wärmeschutz – hier sind Holzheizungen wegen der niedrigen Brennstoffpreise die wirtschaftlichste Wahl, gefolgt von Gasheizungen. Wärmepumpen eignen sich für diesen Gebäudetyp nicht. In Gebäuden mit durchschnittlichem Wärmeschutz fahren Haushalte mit einem Erdgaskessel am besten. Nur unwesentlich teurer sind Nah- und Fernwärme sowie Ölheizungen. Mit Holz zu heizen kostet bei diesem Gebäudetyp rund ein Fünftel mehr als mit Erdgas.

Brennstoffpreise sind der Unsicherheitsfaktor

Wer sich für eine neue Heizung entscheidet, legt sich für zwanzig Jahre und länger auf einen Energieträger fest. Niemand kann jedoch vorhersagen, wie sich die Energiepreise in dieser Zeit entwickeln werden – ein Unsicherheitsfaktor in solchen Kalkulationen. Die Autoren der BDEW-Studie haben die durchschnittlichen Brennstoffpreise zwischen Oktober 2014 und September 2015 zugrunde gelegt. Heizöl war in diesem Zeitraum verglichen mit dem langjährigen Mittel sehr günstig, gegenüber heute aber deutlich teurer. Auch Erdgas war im Untersuchungszeitraum teurer als heute, aber billiger als 2012 oder 2013.

Steigen die Preise für fossile Brennstoffe wieder auf das Niveau früherer Jahre, schneiden die erneuerbaren Energien im Kostenvergleich noch besser ab als in der Studie. Bleiben Öl und Gas jedoch langfristig so günstig wie heute, sind die fossilen Kessel bei den Kosten nicht zu schlagen.

Wer sich also heute noch für eine Gas oder Öl-Heizung entscheidet, spekuliert langfristig auf einen sehr günstigen Öl-Preis. Ein sehr riskantes Geschaft.

Studie_BDWE_Neubau-2016-Energy-Mag

Hier geht’s zur Studie (PDF Download) >>

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Comments

  1. mercalli12 says:

    Tja das mit den Wärmepumpen ist preislich so eine Sache. Vielen bauen mit Baufirmen wie Heinz von Heiden oder Town & Country. Dort kann man sich den Hersteller z.B. nicht aussuchen. Das Gewerk rausrechnen lohnt sich eigentlich nie. Wir sind rein rechnerisch mit unserer Gas-Brennwert-Therme mit Solarthermie und kontrollierter Wohnraumlüftung auf einen über die Laufzeit der Heizanlage günstigeren Preis gekommen, als hätten wir eine Erdwärmepumpe angeschafft. Zu den Anschaffungskosten für die Technik kommen dort noch die Bohrkosten hinzu, die ja nach Boden und Gemeindevorgaben (Bohrtiefe) nicht unerheblich sein können. Wir wären allein in der Anschaffung 20.000€ teurer gekommen. Das muss man erstmal verheizen mit Gas. Nach ausführlicher Recherche und Beratung zum Thema Luft-Wasser-Wärmepumpe sind wir schnell von dieser Technik abgekommen. Wenn es kalt ist heizt man quasi immer mit den „Tauchsiedern“ zu. Das rechnete sich ganz und garnicht.

    • oberfrech says:

      Wer mit Bauträger baut, kann, vor der Unterschrift!!!, verhandeln z.B. welcher Wärmepumpenhersteller berücksichtigt werden soll/muß. Da ist auch die Möglichkeit beim Herausnehmen des Gewerks Heizung einen „sehr guten“ Preisnachlaß zu erhalten.
      Eine äußerst preisgünstige Alternative zu Bohrkosten ist die Verlegung mit Erdwärme-Absorber. Bei einer kalkulierten Heizleistung von 8 kW liegt der Preis erheblich unter 10.000€ (einschl. Erdarbeiten) und der Platzbedarf ist sehr gering (ca. 42 qm). Mit diesem Erdwärme-Absorber ist es deshalb auch möglich, Erdwärme für das Reihenmittelhaus zu realisieren.
      Die Ausführung bezüglich Luft-Wasser-WP ist insofern richtig, dass dies für Viessmann und Co. zutrifft. Es gibt allerdings auch einen Hersteller, der keinen „Tauchsieder“ (E-Patrone) verbaut, weil nicht benötigt. Auch bei – 20° wird die volle Heizleistung zur Verfügung gestellt und das, wie gesagt, ohne zusätliche Wärmequelle wie Heizstab, E-Patrone usw. Selbst-verständlich funktionert diese Heizung auch bei Temperaturen unter -20°. Es wird halt mehr Strom benötigt. Dann verbrauchen alle anderen Heizungen auch mehr Öl,Gas, Holz, Pellets.
      Was aber besonders wichtig ist, den Strom kann man selbst produzieren und ist somit nicht von den Lieferländern abhängig.

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