Google’s eigene Energiewende

Interview: Wie Google den Energiemarkt umkrempeln will. In Deutschland wird viel geredet über die Energiewende. Doch auch in anderen Ländern wird keineswegs geschlafen. Die größte Internet-Firma der Welt, Google, will seinen gigantischen Strombedarf mit grüner Energie decken und so mit seinen Milliarden den gesamten US-Strommarkt beeinflussen. Warum? Rick Needham, bei Google der Mann für Energie, im Interview.



Google hat in den vergangenen Jahren rund 915 Millionen US-Dollar (698 Millionen Euro) in Projekte zum Ausbau erneuerbarer Energien gesteckt. So fließt das Geld aus der Internetwerbung in US-Solarparks. Erst vor kurzem erklärte der Internetkonzern, dass sein neues Rechenzentrum in North Carolina zu großen Teilen mit erneuerbaren Energien betreiben will.

Frage: Mr. Needham, Google hat durch seine Dienste wie Suchmaschinen oder Youtube einen enormen Energiebedarf. Wieso nutzt Google für seine Dienste in Teilen erneuerbare Energien, die oftmals teurer als fossile Energieträger sind?

Needham: Das Problem ist ihre Annahme, dass erneuerbare Energien teurer sind. Google hat zum einen ein hohes Geschick, wenn es um die Verhandlung von Energiepreisen aus erneuerbaren Quellen geht. Außerdem gibt es Orte in den USA, an denen man erneuerbare Energie schon zu wettbewerbsfähigen Preisen bekommt. Das gilt zum Beispiel für Windenergiepreise im Mittleren Westen, die auch mit Gaspreisen konkurrieren können.


Früher U-Boot, heute Windpark: Rick Needham, Teamleiter Energie & Nachhaltigkeit bei Google: “So schnell wie möglich 100 Prozent erreichen”. Der blonde US-Amerikaner ist Direktor des Energie- und Nachhaltigkeitsteams bei Google. Früher als Offizier auf einem U-Boot kümmert sich Rick heute darum, dass sein Arbeitgeber Google immer grüner wird.(Copyright: Google)

F: Damit sagen Sie selbst, dass es erst wenige Ausnahmen gibt. In der Regel liegen die Kosten höher.

Needham: Wir fokussieren uns nicht nur auf den aktuellen Preis. Da kann es durchaus vorkommen, dass erneuerbare Energiequellen höher sind als fossile Energie, zum Beispiel aus Gas. Wir haben jedoch Verträge mit Energieversorgern unterschrieben, die bis zu zwanzig Jahre dauern. Keiner kann heute sagen, wo die Energiepreise auf dem Weltmarkt in zwanzig Jahren liegen – wir können aber sagen wo unsere Energiekosten dann liegen, da wir diese Verträge haben. Die Preise für Energie unterliegen hohen Schwankungen und auch deshalb glauben wir, dass unsere Strategie auf lange Sicht ökonomisch Sinn hat.

F: Sie haben bereits fast eine Milliarde US-Dollar in erneuerbare Energien investiert. Warum?

Needham: Energie ist eine sehr kritische Komponente unseres Geschäftsmodells. Unseren enormen Bedarf decken wir in Teilen schon durch eigene Projekte, wie Solaranlagen auf den Dächern unserer Gebäude oder eine Windkraftanlagen. Das reicht jedoch bei Weitem nicht aus. Damit grüne Energie in Zukunft günstiger und in größeren Mengen verfügbar ist, kamen wir zu dem Schluss, dass Investitionen in diesen Bereich das Sinnvollste sind.

F: Der Wohltäter Google will den Strommarkt steuern?

Needham: Ja, aus zwei Gründen: Zum einen gibt es eine gute Rendite auf das eingesetzte Kapital und zum anderen investieren wir in Projekte, die „das Spiel verändern“ also wirklich zu einem Wandel in der Industrie, hin zu erneuerbaren Energien, führen können. Zum Beispiel haben wir in ein Kabel an der atlantischen Küste investiert, das mehrere zehntausend Megawatt an Windenergie übertragen kann. Wir glauben, dass solche Projekte einen Energiewandel beschleunigen.

F: Nutzt Google dann die Energie, die diese Projekte generieren, überhaupt?

Needham: Nein, in großen Teilen nicht. Denn die Projekte liegen oftmals nicht in der Nähe unserer Rechenzentren. Wir sehen das Ganze wirklich als Investition, um den generellen Ausbau von erneuerbaren Energien zu forcieren. Auch auf lange Sicht haben wir nicht vor, Energie aus diesen Investitionsprojekten direkt zu beziehen

F: Auf der Website von Google heißt es aber, dass das der Energiebedarf des Unternehmens zu einem Drittel aus erneuerbaren Energien gedeckt wird.

Needham: Die Stromnetze, an die wir angeschlossen sind, werden zum Teil aus erneuerbaren Energiequellen gespeist. Außerdem schauen wir bei unseren Partnern darauf, dass diese ebenfalls ihren Energiebedarf aus „grünen“ Quellen beziehen. Die dritte Komponente besteht aus unseren eigene Maßnahmen, wie Solaranlagen auf den Dächern der Google-Gebäude.

F: Künftig wollen Sie Ihren Bedarf komplett aus erneuerbaren Energien decken. Wann soll das sein?

Needham: Das können wir nicht sagen. Wir wollen so schnell wie möglich die 100 Prozent erreichen. Dabei versuchen wir selbst innovative Techniken zu entwickeln, kooperieren mit Energieunternehmen, müssen aber auch immer gesetzliche Auflagen beachten. Das sind zahlreiche Faktoren, die man beachten muss. Auch deswegen haben wir keinen Zeitplan, wann wir unser Ziel erreicht haben sollten.

F: Der Plan ist ambitioniert, deswegen sollte es doch zumindest Zwischenziele geben. Sonst ist es doch nur eine romantische PR-Story.

Needham: Google gibt es gerade einmal 15 Jahre und wir haben aktuell Verträge mit Energieversorgern unterzeichnet, die 20 Jahre lang laufen. Damit versuchen wir auf lange Sicht zu planen. Dennoch: 100 Prozent Energie aus erneuerbaren Quellen ist unser großes Ziel, Meilensteine zwischendrin gibt es nicht.

Lieber Mr. Needham, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Mr. Needham gab das Interview der Wirtschaftswoche Green.

Mehr Informationen zu Googles ambitioniereten Projekten gibt es auf der Google Green Website >>


Besuchen Sie die Google Green Website >>

Das könnte Sie auch interessieren:

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: