Grüne Hochhäuser sprießen in den Städten

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Serie Smart City. Lebensräume der Zukunft – Grüne Hochhäuser sprießen in den Städten. Die Metropolen wachsen weltweit, auch in Deutschland. In Zeiten des Klimawandels sollen die Städte aber auch sauber und ökologisch sein. Keine einfache Aufgabe – doch sie scheint Architekten zu Höchstleistungen anzutreiben. Ein wichtiger Teil der Smart City von morgen werden daher grüne Hochhäuser sein.


Die Menschen des 21. Jahrhunderts zieht es in die Städte. Bis zum Jahr 2050 wird der Bevölkerungsanteil in den Ballungsräumen von heute etwa 50 Prozent auf dann 70 Prozent ansteigen. Das stellt Städteplaner und Ingenieure vor gewaltige Herausforderungen. Genügend Wohn- und Arbeitsraum muss her. Dieser soll den Bewohnern nicht nur eine hohe Lebensqualität bieten – gleichzeitig sollen Luftverschmutzung und Klimawandel eingedämmt werden. Denn Städte sind derzeit mit einem Anteil von rund 70 Prozent die mit Abstand größten Produzenten von Treibhausgasen.

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Zukunftsvision für Notre Dame de Paris. Werden unsere Großstädte in einigen Jahren einmal so aussehen?

Wie wird das aussehen? Angesichts des mit zunehmendem Wachstum immer kostbarer werdenden Bodens werden Städte auch in Zukunft nach oben wachsen müssen. Hochhäuser beschäftigen Architekten und Städteplaner daher nach wie vor – doch könnten die Wolkenkratzer der Zukunft sich von den heutigen wesentlich unterscheiden. Statt der bisher bewährten Baustoffe Stahl und Beton könnte ein anderes Material eine Renaissance erleben: Holz.

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34 Stockwerke soll dieser Holz-Wolkenkratzer in Stockholm einmal zählen. Foto: www.cfmoller.com

Klimakiller CO2 kann in Gebäuden gespeichert werden

Renommierte Architekturbüros überbieten sich derzeit mit immer gewaltigeren Vorschlägen zu hölzernen Bau-Visionen. Die schwedischen Architekten C.F. Møller and Dinnell Johansson etwa planen für Stockholm einen Wohnwolkenkratzer aus Holz, der 34 Stockwerke hoch sein soll – inklusive Bepflanzung und Photovoltaikanlagen auf dem Dach. Der kanadische Architekt Michael Green will gleich den „höchsten Holz-Wolkenkratzer der Welt“ in Paris errichten. In Wien soll ab kommendem Jahr ein 84 Meter hohes Gebäude aus Holz entstehen, das neben Büros und Wohnungen auch ein Hotel, ein Restaurant und ein Wellness-Center beherbergt. In München ist sogar eine ganze Siedlung aus Holz geplant – es wäre die größte Holzbausiedlung Deutschlands.

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Maserung dominiert: So sollen die Appartements im Wiener Holzhochhaus mal von innen aussehen. Foto: Cetus Baudevelopment GmbH

Die Konstrukteure und Vordenker dieser Gebäude sind sich einig, dass die Rückkehr zum Holz ein Schritt in Richtung Zukunft ist. „Holz war vor 200 Jahren der perfekte Baustoff und es ist es noch heute“, sagte Projektentwicklerin Carolin Palfy dem Guardian über das in der Wien geplante Holzhochhaus. Die Macher aller Projekte verweisen einmütig auf die Vorteile des nachwachsenden Baustoffs: leicht zu verarbeiten, hohe Stabilität bei geringem Gewicht. Darüber hinaus ist Holz nachhaltig und entzieht der Atmosphäre den Klimakiller CO2. Dieser kann künftig quasi in Häuserwänden eingelagert werden. Allerdings bestehen alle Holz-Hochhausprojekte aus Gründen der Stabilität im Kern immer noch aus Stahlbeton. Und ganz aus der Welt zu kriegen ist die erhöhte Brandgefährdung bisher auch noch nicht.

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Vertikaler Garten am „One Central Sydney“ – entworfen von dem Franzosen Patrick Blanc. Foto: www.verticalgardenpatrickblanc.com

Algen wachsen in Bioreaktoren an Häuseraußenwänden

Um nachhaltig und klimafreundlich zu werden, sehen andere Entwürfe die Bepflanzung der Dächer und Fassaden mit jede Menge Grünzeug vor. Es soll Staub filtern, CO2 absorbieren, im Winter vor Kälte und im Sommer vor Hitze schützen – und dadurch Energie sparen helfen. Im australischen Sydney hat der französische Architekt Jean Nouvel einen ganzen Hochhauskomplex gebaut, an dessen Fassaden mehr als 200 unterschiedliche Arten australischer Pflanzen wachsen. Dieser „vertikale Garten“ wurde vom Franzosen Patrick Blanc entworfen und realisiert.

Noch einen Schritt weiter beim Thema Nachhaltigkeit geht das Konzept des Algen-Hochhauses: An deren Außenwänden befinden sich transparente, mit Wasser gefüllte Behältnisse, in denen Mikroalgen wachsen. Diese werden regelmäßig geerntet und zu Biogas umgewandelt. In einem Kraftwerk wird damit schließlich Strom und Warmwasser erzeugt. Zugleich halten die Algen die Sonnenstrahlung zurück und kühlen das Haus im Sommer. Das Gebäude ist damit energieautark und CO2-neutral. Ein kleines Exemplar wurde bereits im Rahmen der Internationalen Bauausstellung in Hamburg errichtet. Seit 2013 verrichten dort Algen in 129 Glassegmenten an der Fassade ihren Dienst. Eine Bilanz nach rund anderthalb Jahren Betrieb zeigt, dass das Algenhaus vom Prinzip her funktioniert.

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Die „Farmscraper“ des belgischen Architekten Vincent Callebaut sollen die Landwirtschaft zurück in die Städte bringen. Foto: Vincent Callebaut

Ländlichen Raum zurück in die Städte bringen

Auf die Spitze mit dem Öko-Design treibt es der für seine futuristischen Entwürfe bekannte belgische Architekt Vincent Callebaut. Eine seiner neuesten Ideen: „Farmscrapers“ (in etwa „Landwirtschafts-Türme“). Der Entwurf ähnelt asiatischen Steinhaufen und sieht gigantische gläserne Aufwärtsspiralen vor, in denen Felder, Obstplantagen und Weinberge gedeihen. „Wir wollen den ländlichen Raum zurück in die Städte holen“, erklärt Callebaut. Nahrung soll wieder dort produziert werden, wo sie auch verbraucht wird. Darüber hinaus sollen die Hochhäuser neben einem selbsterhaltenden Ökosystem auch Wohnraum und Büroflächen bieten.

Während diese Öko-Wolkenkratzer noch Zukunftsmusik sind, ist ein Trend zur grüneren Stadt in heutigen Metropolen bereits deutlich erkennbar. Aber nicht nur die Gebäude sollen grüner werden, auch die gesamte Stadtlandschaft: So plant die Stadt Hamburg ein „grünes Netz“: Bis zum Jahr 2030 soll fast die Hälfte des Stadtgebiets aus Grünflächen, Gärten und Spielplätzen bestehen.

Bezahlbarer Wohnraum durch transportable Mini-Häuser

Dabei haben es vor allem die gigantischen Megacities in aufstrebenden Ländern wie China nicht immer leicht, mit Grünflächen auch einen echten Erholungswert für die Bewohner zu schaffen: Der durch den rasant wachsenden Autoverkehr zunehmende Smog ist dort ein gewaltiges Problem. Daher könnten die Bewohner bald ihre Freizeit in weiträumig überdachten Parkanlagen verbringen, wie sie etwa das Orproject für die chinesische Hauptstadt Peking vorsieht.

Doch was ist mit der Bezahlbarkeit des Wohnraums? Holzhochhäuser wie das in Wien geplante sind in ihrer Errichtung nicht billiger als Stahlbetonbauweise – im Gegenteil. Diese Projekte richten sich daher eher an zahlungskräftigere Kundschaft. Dennoch wird auch an Lösungen für günstigen Wohnraum getüftelt. So hat etwa das niederländische Bauunternehmen Heijmans sich ein Konzept für eine bezahlbare und gleichzeitig wohnliche Unterkunft ausgedacht. Sie nennt es Heijmans One – dabei handelt es sich um transportierbare kleine Häuser, die auf brachliegenden Flächen in der Stadt aufgestellt werden sollen. Die schmalen Häuser haben alles, was man zum Leben benötigt. Sie sind zudem schnell verfügbar und einfach mit dem Lastwagen zu transportieren. Wenn die Abstellflächen angesichts des Platzmangels in den Städte schließlich bebaut werden, kann das Haus einfach woanders abgestellt werden.

via: http://www.n-tv.de/wissen/

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