Haus aus Müll in Dänemark

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Recycling: In Dänemark steht ein Haus aus Müll. Jetzt denkt man immer, Dänemark wäre ein so sauberes Land. Aber nein, sie stellen ihre Häuser jetzt aus altem Müll her. Es geht natürlich um’s recyceln und was die dänischen Architekten Lendager Arkitekter da machen ist hochmodern und sehr schön. Die Basis für das „Upcycle House“ stellen alten Glasflaschen dar.


Dosen haben Pfand, Verpackungen kommen in die gelbe Tonne und die Zeitung von gestern verschwindet vorbildlich im Altpapier: Was sich so penibel anhört, ist inzwischen Alltag. Rund 45 Prozent des Hausmülls werden wiederverwertet, anstatt auf riesigen Deponien zu verrotten.

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In Dänemark erreicht Recycling aber noch ganz andere Dimensionen. Hier geht es nicht um zwei, drei Joghurtbecher oder die leeren Wasserflaschen, die zurück in den Supermarkt gebracht werden; nein, hier geht es um ganze Häuser, die Architekten aus recycelten Materialien bauen.

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Zum vergrößern auf die Grafik klicken. Copyright: Lendager Arkitekter

Rund 86% weniger CO2

Pionier ist das sogenannte Upcycle House der dänischen Firma Lendager Arkitekter. Beim Upcycling werden Abfälle oder nutzlose Stoffe nicht nur recycelt, sondern anschließend in neu- und höherwertige Produkte umgewandelt. Dadurch müssen keine neuen Materialien für den Bau genutzt werden.

Das dänische Umwelt-Haus verbraucht deshalb weniger Kohlendioxid als herkömmliche Gebäude. Zum Vergleich: Das Upcycle Haus erzeugt jährlich 0,7 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter. Ein gewöhnliches Haus ganze fünf Kilogramm.

Bei rund 10.000 Einfamilienhäusern, die jedes Jahr neu in Dänemark gebaut werden und mehr als 130 Quadratmeter messen, könnten so 5590 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden, rechnen die Architekten vor. Und das jedes Jahr.

Das Fundament aus alten Flaschen

„Wir wollen beweisen, dass man auch mit wenig Geld ein Fertighaus bauen kann, das die Umwelt schont und gleichzeitig groß genug für eine Familie ist“, sagt Jørgen Søndermark, Projektleiter der Realdania Byg Stiftung, die das Vorhaben der dänischen Architekten unterstützen.

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Gerade einmal eine Million Dänische Kronen, umgerechnet rund 230.000 Euro, soll das 130 Quadratmeter große Haus kosten. Dafür bekommt man fünf Zimmer, eine geräumige Küche mit angrenzendem Gewächshaus, eine Waschküche, eine große Terasse und ein gutes Gewissen noch dazu.

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Die Grundstruktur des Hauses besteht aus einem Holzrahmen und zwei vorgefertigten Schiffscontainern, die auf einem Fundament aus alten Glasflaschen und Pfählen stehen. Die Wände sind mit Papierwolle aus alten Zeitungen isoliert und mit Pressspanplatten verkleidet.

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Copyright: Lendager Arkitekter >>

Fenster, Ziegelsteine, Leisten und Latten wurden aus älteren Häusern wiederverwertet. Ummantelt wird das Haus von einer Fassade, die teilweise aus alten Bierflaschen gefertigt wurde. „Damit ist es das erste Haus weltweit, dass nur aus recycelten und aufgewerteten Materialien besteht“, erklärt Søndermark. Ob das wirklich stimmt, sei dahin gestellt, bemerkenswert ist das Projekt dennoch.

Das Upcycle House spart damit rund 86 Prozent Kohlendioxid gegenüber einem gewöhnlichen Gebäude. „Damit hätten wir nie gerechnet“, sagt Anders Lendager, Inhaber des Büros Lendager Arkitekter. Er ging anfangs noch von 65 Prozent aus. „Deshalb ist es für uns umso erstaunlicher, dass noch kein anderer auf die Idee gekommen ist, ein solches Haus zu bauen.“

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