Hochhäuser zum aufessen

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Singapur. 15 schwimmende Hochhausfarmen sollen künftig Nahrung liefern. In Singapur ist es eng. Der kleine Stadtstaat beherbergt auf 712 km² rund 5,3 Millionen Menschen. Bestimmt deshalb kommt aus Singapur die Idee für eine neue Art der Nahrungserzeugung. Hochhäuser. Hochhäuser als übereinander gestapelte Treibhäuser, die einen Teil des Nahrungsbedarfs des Kleinstlandes mit den vielen Einwohnern decken soll.


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Die Idee stammt von Javier Ponce, einem der renommiertesten Architekten Spaniens. Der in Barcelona beheimatete Architekt will in Singapur Hochhausfarmen errichten, um das Kleinstland mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Die Hochhäuser sind gewissermaßen übereinandergestapelte Treibhäuser, die einen Teil des Bedarfs der Bürger decken sollen.

Eigenversorgung statt teurer Importe

Derzeit muss Singapur mehr als 90 Prozent der benötigten Lebensmittel importieren, weil es in dem dicht besiedelten Stadtstaat an Ackerland fehlt. Auf dem 716 Quadratkilometer großen Staatsgebiet drängen sich 5,4 Millionen Bürger. Damit die Hochtreibhäuser keinen Platz wegnehmen, sollen sie im Meer vor Singapur schwimmen.

Hochhausfarmen
Verteilung der vertikalen Farmen vor der Küste Singapurs nach Plänen von Javier Ponce. © F.R.A.

Frisches Obst von nebenan

Damit Sonnenlicht auch den letzten Winkel der Stadt-Äcker flutet und so Tomaten, Kohl und andere Nahrungspflanzen optimal wachsen, hat Ponce, der dem Singapurer Architekturbüro Forward Thinking Architecture angehört, eine Form gewählt, die Beschattung weitgehend ausschließt.

Insgesamt will er 15 dieser Hochhäuser bauen. Wie die Türme einer mittelalterlichen Stadtmauer sollen sie Singapur umschließen, damit jeder Bewohner der Stadt frisches Obst und Gemüse gleich nebenan kaufen kann. Die Pflanzen wachsen dabei nicht in Erde, sondern auf Nährwolle oder gleich in Nährflüssigkeit, die sich wiederverwerten lässt.

Der Wegfall von Importen würde Transporte per Schiff oder Flugzeug drastisch reduzieren und damit die Umweltbelastung. Javier Ponce glaubt, dass eine weiter wachsende Weltbevölkerung nur ernährt werden kann, wenn die Landwirte die Vertikale für den Anbau entdecken und will damit in Singapur beginnen.

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Blick auf und in die Treibhaus-Stadtfarm vor der Stadtsilhouette Singapurs. © F.R.A.

Was die Vertikaltreibhäuser kosten werden und wie hoch die Produktionskosten für Lebensmittel sind ist noch völlig offen. Auch streiten die Experten darüber, ob es nicht doch umweltfreundlicher ist, Nahrungsmittel auf dem Land anzubauen und in die Stadt zu transportieren. Doch die Idee an sich ist faszinierend und neu.

Nicht die einzige des rührigen Architekten. Auch für die Probleme Chinas hat Ponce architektonische Lösungen parat. Dort ist zwar Land im Überfluss vorhanden. Riesige Flächen können jedoch nicht landwirtschaftlich genutzt werden, weil die kargen Böden keinen Ertrag bringen. Er will jeweils in Stadtnähe Plattformen installieren, auf denen Lebensmittel wachsen. Sie rotieren, damit jede Pflanze möglichst viel Sonnenlicht abbekommt. So sollen lange Transportwege, die Treibstoff kosten, vermieden werden.

Wir mehren uns: Die Visionen von heute sind die Realitäten von morgen.

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