In 4 Schritten zur Wärmewende im Haus

eZeit Ingenieure-Erdreichheizung_Energy-Mag

In 4 einfachen Schritten: Ein Architekt beschreibt die Wärmewende im Haus. Es ist Sommer, der August steht vor der Tür. Doch seien Sie sicher, der nächste Winter kommt bestimmt. Jetzt ist die richtige Zeit, um in die Wärmewende im eigenen Haus, oder auch im Mehrparteienhaus zu investieren. Ein Berliner Architekt zeigt, wie die Wärmewende im Haus in 4 einfachen Schritten gelingen kann und wie man vom ersten Tag an Geld spart.


Wärmewende machen und Geld sparen

Die energetische Sanierung eines Hauses ist teuer. So die verbreitete Meinung. Der Berliner Architekt Taco Holthuizen sieht das völlig anders.

Teuer soll die energetische Sanierung von Häusern sein? Nein, sagt Holthuizen. „Wenn man es richtig macht, nämlich ganzheitlich, ist die Sanierung billig und spart vom ersten Tag an Geld. Man muss nur einen ganz kleinen Teil der um uns vorhandenen Energie ins Gebäude hineinbekommen.“

In einem großen Berliner Wohngebiet in Lichterfelde-Süd zeigt der Architekt, wie es geht. Dort saniert die Genossenschaft Märkische Scholle derzeit 800 Wohnungen. Richtige Energiefresser waren die Altbauten vorher.

Von 200 KW/h auf unter 30

Früher benötigten die Mieter pro Quadratmeter umgerechnet 200 Kilowattstunden Strom für Heizung und Warmwasser pro Jahr. Mittlerweile sind es weniger als 30. Die Bruttowarmmiete stieg, je nach Verbrauch, nur um 50 Cent bis 1 Euro pro Quadratmeter.

Dabei gelang das Ganze mit der vorhandenen Technologie. Vier Elemente verbindet das Planungsbüro von Holthuizen dabei zum energetischen Gesamtkonzept.

Schritt 1: Rückgewinnung der Wärme

Alle Wärme, die Lampen und Bewohner abstrahlen, die beim Kochen und Duschen abfällt, sammelt sich in den Räumen einer Wohnung. Deshalb nutzt Holthuizen die Raumluft auch als Wärmequelle.

„Diese Energie steht an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung“, sagt der Architekt. 25 bis 30 Prozent des Energiebedarfs eines Hauses könne man aus der Abwärme gewinnen, sagt Holthuizen.

Einbauen lässt sich eine Wärmerückgewinnung auch in bestehende Gebäude ganz einfach, sagt er. In den Aufenthaltsräumen bekommen die Mauern Lüftungsschlitze. Aus Küche oder Bad wird die Luft in ein Rohr abgesaugt. Es verläuft neben den sowieso vorhandenen Versorgungssträngen. Im Dach oder im Keller tauscht eine Wärmepumpe die Abwärme und führt sie in den Heizkreislauf. Fertig.

Erwünschter Nebeneffekt: Trotz der dichten Fenster von heute ist immer frische Luft im Raum. Feuchtigkeit wird abgesaugt, die Schimmelgefahr ist gering.

Schritt 2: Nutzung der Sonnenenergie

Solarthermie und Photovoltaik auf dem Dach sind das zweite Element in Holthuizens Konzept. Sie fangen die kostenlose Energie der Sonne ein, erzeugen warmes Wasser und Strom. Sie decken 50 Prozent des Energiebedarfs der Bewohner. Bei Sonnenschein liefert die Solaranlage auch den Strom, um Wasser aus einem Erdwärmespeicher in der Siedlung auf die benötigte Heiztemperatur zu bringen.

Schritt 3: Der Erdwärmespeicher

Der Erdwärmespeicher ist ein Patent von Taco Holthuizen und seinem Partner Dietmar Deunert. „Das Erdreich ist die billigste Art, Wärmeüberschüsse zu speichern“, sagt er. Wie in einer riesigen Fußbodenheizung werden dafür Kunststoffrohre durch die Wasser fließt in ein Erdbett verlegt, nur seitlich und von oben gedämmt.

Der einfache Trick: Die Wärme kann auch das Erdreich darunter aufwärmen. Der gesamte nutzbare Speicher ist damit dreieinhalb mal so groß wie der gedämmte Bereich. Und weil die Erde in Tiefen ab zwei Metern, im Winter wie im Sommer, kaum kühler oder wärmer ist als die Temperatur im Speicher, bleibt die Wärme erhalten. Die so in der Erde gespeicherte Wärme deckt weitere 25 bis 30 Prozent des Bedarfs der modernisierten Wohnungen in Berlin.

Copyright eZeit Ingenieure-Energy-Mag
eZeit Ingenieure-Erdreichheizung_Energy-Mag
Ganz einfach und sehr effektiv: Die Erdreichheizung ist ein riesiger Pufferspeicher, hier bei einem Bankgebäude in der Schweiz. Copyright: eZeit Ingenieure

Mit diesen 3 Maßnahmen produziert die Siedlung in Lichterfelde mehr Energie, als sie braucht. Nur im Winter, wenn die Solaranlage wenig Strom liefert, kauft die Genossenschaft Strom für die Wärmepumpen dazu.

Schritt 4: Der Energiemanager, das Gehirn

„Insgesamt hat das System eine Arbeitszahl von 6“, sagt Holthuizen. Das bedeutet: Für einen Teil eingesetzten Strom produziert es mithilfe der Raumwäre, der Erdwärme und der Solarthermie die sechsfache Menge Energie. Das funktioniert auch, weil Taco Holthuizens Büro eZeit Ingenieure eine Energiezentrale mitentwickelt hat, die das System steuert und optimal aufeinander abstimmt.

Dieses Gehirn, der dynamische Energiemanager ist das vierte Element. Es verhindert Effizienzverluste durch Kommunikationsprobleme zwischen den Anlageteilen.

Diese enorm gute Arbeitszahl schaffen nicht einmal fossile Kraftwerke. Selbst die effizientesten haben nur einen Wirkungsgrad von 60 Prozent. Also eine Arbeitszahl von 0,6. Auch eine moderne Gas-Brennwerttherme kann mit dem regenerativen System nicht mithalten. Sie hat einen Wirkungsgrad von maximal 110 Prozent, Arbeitszahl 1,1.

Doch die Politik steht im Wege

Jetzt ist es ein Treppenwitz der Politik, dass man die Wärmewende im Haus noch wesentlich besser machen könnte, gäbe es nicht die Energieeinsparverordnung (EnEV) – das zentrale Regelwerk für die energetische Modernisierung von Gebäuden in Deutschland. Die Verordnung versucht den „Primärenergiebedarf“ eines Gebäudes zu senken, nicht nur irgendwie Energie zu sparen.

Primärenergie ist die Energie, die ganz am Anfang der Verbrauchskette steht: Angenommen, jemand heizt mit Strom. Dann hat er einen hohen Primärenergiefaktor. Weil schon sehr viel Energie verbraucht wurde, bevor der Strom aus dem Kraftwerk mit dem niedrigen Wirkungsgrad bei ihm zu Hause ankommt.

Um den Primärenergiebedarf eines Gebäudes zu berechnen, muss laut EnEV der Heizwärmebedarf plus Warmwasser mit der sogenannten Anlagenaufwandzahl multipliziert werden. Taco Holthuizens regeneratives System bringt es auf eine Anlagenaufwandzahl, die kleiner als 0,3 ist. Das bedeutet, dass der ohnehin schon geringe Heizwärmebedarf, multipliziert mit der Anlagenaufwandzahl einen lächerlich geringen Primärenergiefaktor ergibt.

Trotzdem müssen die Häuser der Märkischen Scholle mit einer dicken Schicht Wärmedämmung für viel Geld eingepackt werden. Das schreibt die EnEV vor, wenn mindestens zehn Prozent der Fassade saniert werden. Einfach dünn und günstiger dämmen geht nicht.

Die vorgeschriebenen Dämmdicken würden ihren Primärenergiebedarf bei einem ganzheitlich gebauten Haus erst nach vielen Jahrzehnten wieder einspielen, kritisiert Holthuizen. Er fordert, dass die Energieeinsparverordnung einfach einen Primärenergiebedarf pro Quadratmeter vorschreibt. „Wie ich dahin komme, bleibt mir überlassen, solange es im Gebäude behaglich ist“, wünscht sich Holthuizen.

Man sieht einmal mehr, überall wo die Politik versucht zu regulieren, bleibt am Ende eine inkompetente Einmischung in die Marktwirtschaft zurück. Architekt Holthuizen weiß doch viel besser wie und wo man Energie einsparen kann, als ein Politiker in Berlin.

Kontakt eZeit Ingenieure >>

Das könnte Sie auch interessieren:

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: