Energiewende Deutschland

In Mannheim – Aus Plastikmüll wird Öl

Fabrik in Mannheim macht Plastikmüll zu Öl. Ungefähr 10 Prozent der weltweiten Ölproduktion wird benötigt, um daraus Kunststoffe, Wasserflaschen, Handys, Tüten oder Autoteile herzustellen. Einiges davon landet wieder im Recycling oder in der Müllverbrennung, das allermeiste jedoch verrottet auf der Deponie. Statt Plastik zu verbrennen oder es zu lagern, wäre es besser, daraus wieder Öl herzustellen, dies ist die sehr einleuchtende Meinung der Firma Nill Tech aus Baden-Württemberg.


300 Kilogramm Plastikmüll fallen in einem durchschnittlichen deutschen Haushalt pro Jahr an. Nill Tech aus Mannheim will daraus jetzt Öl machen.

Nill Tech will im Hafen Rheinau im Süden Mannheims nun eine Fabrik errichten, die überflüssigen Kunststoff-Müll wieder zu hochwertigem Öl werden lässt.

Der Grundstein für die Ölfabrik der Zukunft ist schon gelegt. Schon in diesem Sommer soll sie ihren Betrieb aufnehmen. Die Technik dafür ist eigentlich seit den 1930er Jahren bekannt. Nill Tech hat die Technologie nun weiterentwickelt und wird die Fabrik gemeinsam mit dem Finanzierer Ventafonds aus Bremen errichten.

Aus einer Tonne werden 850 Liter Heizöl

Nachdem der Plastikmüll vorsortiert wurde, geht das, was recycelt werden kann in die Wiederverwertung, der Rest wird in Kesseln auf rund 400 Grad erhitzt. Die in einem zweiten Schritt enstehenden Gase werden wieder abgekühlt und dann verflüssigt.

Aus einer Tonne Plastik werden so 850 Liter Heizöl. Ein Teil des gewonnenen Öls entspricht Produkten wie Benzin und Kerosin. Dass der Prozess funktioniert, zeigt eine kleine Anlage in der Schweiz, die bereits seit 2005 in Betrieb ist.


Im Mannheimer Rheinau Hafen, einem der größten Binnenhäfen in Europa soll die “Plastic to Oil” Fabrik entstehen.

Die Anlage in Mannheim soll pro Jahr 20.000 Tonnen Plastik Müll verarbeiten können. Für herkömmliche Plastikflasche allerdings ist die Anlage nicht ausgelegt, die lassen sich besser recyceln. Vielmehr soll sie alle Arten von Folien, also auch Müllsäcke, Rohre, Autoteile und Schaumstoffe umwandeln.

17 Millionen Liter Heizöl pro Jahr

Das Futter für die Anlage soll aus der Umgebung von Mannheim kommen. 17 Millionen Liter Heizöl werden dann pro Jahr hergestellt.

Wird das Öl dann zur Wärme- und Stromerzeugung wieder verbrannt, ist die Energieausbeute drei Mal höher, als das Plastik direkt zu verheizen. Außerdem spart der Prozess in Mannheim im Gegensatz zur Sofortverbrennung rund 60 Prozent CO2. Würden alle Plastikabfälle in Deutschland auf diese Weise aufbereitet, so die Betreibergesellschaft, könnte das immerhin drei bis fünf Prozent des deutschen Rohölimports ersetzen. Ein deutscher Durchschnittshaushalt produziert rund 300 Kilogramm Plastikmüll im Jahr.

Das Mannheimer Öl ist wesentlich billiger

Sorgen um die Abnahme müssen sich die Mannheimer Ölhersteller nicht machen. 100 Liter gewöhnliches Heizöl kosten derzeit rund 80 Euro, das Plastik-Öl aus der Mannheimer Anlage etwas mehr als 30 Euro. Die Kosten der Anlage betragen knapp 27 Millionen Euro. Einen Teil davon wirbt der Finanzierer Sebastian Sauerhammer auch über Beteiligungen von Privatpersonen ein. Ein weiterer Teil des Geldes stammt von einem russischen Investor.

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