Intelligent einheizen

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Die Energiepreise klettern und steigen und belasten immer mehr das Budget von Mietern, Hausbesitzern und Betrieben. Das muss nicht sein. Die intelligente Vernetzung von Häusern, Kraftwerken und Büros spart dramatisch Gas und Strom. Wie die Energiewende gelingt und der Geldbeutel geschont wird.


Steigende Energiekosten muss nicht sein, denn es gibt inzwischen viele schlaue Geräte, die den Verbrauch von Heizöl, Gas und Strom mithilfe moderner Kommunikationstechnik drastisch reduzieren. Das spart nicht nur Kosten. Der sorgsame Umgang mit fossilen Brennstoffen hilft auch dem Klima.

Das Berliner Unternehmen Innoventure zum Beispiel hat einen Heizungsthermostat auf den Markt gebracht, der per Funk mit den Unternehmensrechnern verbunden ist. Es verrät dem Innoconomy genannten elektronischen Hausmeister, zu welchen Zeiten Büros und Besprechungsräume belegt sind. Nur dann regelt der Thermostat die Temperatur hoch und berücksichtigt, ob draußen die Sonne scheint und die Zimmer erwärmt.

Mitarbeiter, die sich spontan zur Wochenendarbeit entschließen, können dem System ihr Kommen auch per Handy ankündigen. Der Spareffekt des belegungsabhängigen Heizens beträgt laut Innoventure-Geschäftsführer Hubert Laschet bis zu 30 Prozent. „Die Anschaffung amortisiert sich zumeist schon innerhalb der ersten zwei Jahre“, verspricht er.

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Dezentralen Erzeugungsanlagen und Haushaltsgeräte werden über ein zentrales Energie-Management-System organisiert. Testdaten darüber, wie solche Systeme funktionieren können, werden gegenwärtig zum Beispiel im E-Energy-Projekt MeRegio erhoben. © MeRegio

Waschen wenn es billig ist

Ähnlich hohe Einsparungen könnte der Einbau intelligenter Stromzähler bewirken. Die Zähler erfahren vom jeweiligen Versorger über das Internet, zu welchen Zeiten die Kilowattstunde besonders billig ist. Die Information funken sie zum Beispiel an eine entsprechend ausgerüstete Waschmaschine weiter, die sich automatisch zu diesen Stunden anschaltet. Die Marktforscher von IMS Research schätzen, dass sich die Zahl der installierten Smart Meter bis 2016 auf weltweit 343 Millionen Geräte nahezu verdoppeln wird.

Klimakontrolle mit dem Smartphone

Noch schneller werden sich sicherlich High-Tech-Apps verbreiten, die unsere Energiekosten senken, ohne dass wir viel dafür tun müssen. Etwa die vorausschauende Heizungssteuerung der Stuttgarter Alphaeos. Sie berechnet anhand von Wetterprognosen und den Nutzungsgewohnheiten der Bewohner die optimale Heizstrategie für jedes Zimmer. Die Stuttgarter Stadtwerke bietet sie Kunden schon an und berichten von bis zu 40 Prozent geringeren Heizkosten. Beim Nest-System zweier Ex-Apple-Entwickler spielen Smartphones ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie erkennen anhand von Satellitendaten, wann sich ein Bewohner auf den Heimweg macht. Erst dann springt die Heizung oder Klimaanlage an.

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Smart Grids – nur so gelingt die Energiewende

Ohne das Internet der Energie droht der Blackout im Stromnetz: Seine größte Bewährungsprobe im Energiesektor steht dem Internet in Deutschland bevor, dem Vorreiter beim Umstieg auf saubere Quellen wie Wind und Sonne. Davon ist jedenfalls Reinhard Hüttl überzeugt, Co-Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Acatech. „Die Energiewende gelingt nur mit intelligenten Stromnetzen“, sagt er. Denn weil das Angebot an Sonnen- und Windelektrizität stark schwankt, sind die Netzbetreiber darauf angewiesen, ständig Informationen über die Entwicklung von Erzeugung und Bedarf zu erhalten. Sonst drohen die Leitungen wegen Überlastung in die Knie zu gehen – im schlimmsten Fall bis zum Blackout.

1000 Windräder = ein Kraftwerk

Um die Produktion der Erneuerbaren berechenbarer zu machen, hat das Kölner Unternehmen Next Kraftwerke mehr als 1000 Windräder, Solarfelder und Biogasanlagen zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengeschaltet.

Im Verbund lässt sich seine Leistung sehr genau regeln: Ist der Himmel über Deutschland bedeckt, fahren die Kölner die Stromerzeugung der Biogasanlagen hoch, um den Ausfall der Sonnenenergie zu kompensieren. Experten sind sich einig: Am Ende der Entwicklung steht das Internet der Energie.

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Wie Smart Grids genau funktionieren lesen Sie in unserem Artikel mit Video „Das Internet der Energie“ >>

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