Keine Zukunft für deutsche Autos?

Analyse: Apple’s iCar zwingt die deutsche Autoindustrie in die Defensive. Das Auto von Apple ist noch nicht einmal auf dem Markt, da fürchten die großen Automobilhersteller schon um ihr Geschäft. Und wehren sich gegen das iCar.


Es passiert dem Apple-Chef vermutlich nur selten, dass die Anfrage für eine Kooperation mit einem harschen „Nein“ beantwortet wird. Tim Cook hatte BMW und Daimler besucht und vorgeschlagen, dass einer der beiden Hersteller den Bau seines iCar übernehmen könnte. Doch sowohl BMW-Chef Harald Krüger, als auch Daimler-CEO Dieter Zetsche winkten nach Informationen des Handelsblatts ab.

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Der Techriese sei sich mit den deutschen Autobauern nicht einig geworden, wem die Daten aus dem hochvernetzten Fahrzeug gehören würden, so die Wirtschaftszeitung. Apple wird das iCar voraussichtlich an seine Cloud anschließen, damit würden alle relevanten Fahrzeug- und Bewegungsdaten bei Apple landen. Und nicht bei den Herstellern, wie es bislang der Fall ist.

Die etablierten Autobauer haben den Wandel verschlafen

Dass man sich mit Apple über die Frage der Datenhoheit nicht einigen konnte, ist allerdings nur eine vorgeschobene Entschuldigung. Selbst wenn Apple 100.000 Autos pro Jahr verkaufen würde – die Hersteller sammeln mit ihren eigenen Fahrzeugen mehr als genug Daten.

Der wahre Grund ist, dass die deutsche Autoindustrie auf den Angriff aus den USA und China nicht vorbereitet ist. Die etablierten Autobauer haben den Wandel in der Mobilität schlichtweg verschlafen und zu spät erkannt, dass die Digitalisierung ihr bisheriges Geschäftsmodell auf den Kopf stellt. Die Branchenriesen haben zwar mittlerweile begriffen, was auf dem Markt passiert, aber es wird ein paar Jahre dauern einen Industriegiganten auf eine neuen Kurs zu trimmen. Die Entscheidung – Apple nicht zu unterstützen – ist mit der Strategie verbunden, die Konkurrenz so lange wie möglich vom Markt zu halten. Zumindest so lange, bis man selber in der Lage ist, zu reagieren.

Und das kann noch dauern. Den Angriff von Tesla in der Oberklasse werden Audi und Daimler vermutlich erst 2018 mit einem Elektroauto beantworten können. Noch schlechter sieht es bei den Autos aus der Mittelklasse aus. Während Tesla seit der Vorstellung des Tesla 3 knapp 400.000 Vorbestellungen einsammeln konnte, gibt es in der deutschen Autoindustrie nur Designstudien, deren Umsetzung nicht vor 2020 erwartet wird.

Dachte man bisher, dass die fünfstelligen Verkaufszahlen von Tesla noch keine echte Bedrohung darstellen, sieht die Lage jetzt schon anders aus. Wenn Apple mit seinen riesigen Bargeldreserven in den Markt einsteigt, wird der Druck auf die Industrie noch größer.

Die Angst der deutschen Autobauer ist groß

Die Absage der deutschen Autoindustrie zeigt deutlich, wie groß die Angst in den Vorstandsetagen ist. Tesla, Apple, Google, Faraday Future oder Future Mobility – die Liste der neuen Konkurrenten für BMW und Co. wächst fast monatlich. Die Angreifer planen günstige Elektroautos für eine junge Zielgruppe. Und sie haben neue Vertriebssysteme, die den Trend der Sharing-Economy aufgreifen – und nicht mehr auf den alleinigen Besitz setzen.

So plant Google die Metropolen der Welt mit kleinen autonomen Fahrzeugen zu überschwemmen, die man On-Demand für einen Bruchteil der Kosten eines Taxi bestellen kann. Glaubt man den Gerüchten aus den USA, soll das iCar von Apple ebenfalls im Sharing-Verfahren angeboten werden. Dazu kommen Anbieter wie Uber oder Lyft, die in den Städten günstige Mobilität anbieten wollen. Wer braucht da noch ein eigenes Auto?

Don Dahlmann via http://www.gruenderszene.de/

In 99 Sekunden das wichtigste über das Apple iCar:

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