Plastikfransen, die Strom erzeugen

Moya-Charlotte Slingsby-energy-mag

Es sieht aus wie ein Vorhang aus Plastikfransen, nicht sehr schön, aber stylisch. Dahinter steckt aber eine Energieversorgung der ganz besonderen Art. Das knapp zwei Meter lange Plastikstück mit den Fransen lässt sich auf Dächern und an Hauswänden montieren und soll überall dort, wo Wind herrscht, Energie generieren. Die Erfinderin, die junge Südafrikanerin Charlotte Slingsby, erklärt uns, wie der Stromfransenvorhang funktioniert: piezoelektrisch.


Moya-Charlotte Slingsby-energy-mag
Diese Plastik-Fransen nennen sich „Moya“ – eine Erfindung der Studentin Charlotte Slingsby. Der transparente Vorhang soll Energie liefern. Im Interview erklärt sie die Nutzung.

Die gebürtige Südafrikanerin Charlotte Slingsby hat ein Verfahren erfunden, das Hausfassaden zu Kraftwerken macht. Ihre Plastikfransen erzeugen mit einem raffinierten Effekt Strom. Der Vorhang den Charlotte Slingsby da erfunden hat nennt sich Mayo und war teil ihrer Masterarbeit.

Es raschelt, ist biegsam und extrem leicht. Alles Eigenschaften, die man nicht unbedingt einem Kraftwerk zuschreiben würde. Doch „Moya“, ein transparenter Vorhang aus Plastik und Elektronik, ist genau das – ein kleines Kraftwerk für den Hausgebrauch, das Wind in Strom umwandelt.

Das knapp zwei Meter lange Plastikstück mit den Fransen lässt sich auf Dächern und an Hauswänden montieren und soll überall dort, wo Wind herrscht, Energie generieren. „Es gibt so viel Energie um uns herum, die wir nicht nutzen“, erklärt Charlotte Slingsby, die das „wind harvesting sheet“ (etwa: Tuch für die Windernte) im Rahmen ihres Design- und Ingenieursstudiums in London entworfen hat.

Charlotte Slingsby kommt ursprünglich aus Südafrika. Dort werden Stromausfälle für private Verbraucher, aber auch für Unternehmen zunehmend zum Problem. Hier soll Moya, in der Bantu-Sprache Xhosa mit „Wind“ zu übersetzen, ansetzen. Slingsby will Häuser mit den Fransen ausrüsten, sodass sie im Notfall für Alarmanlagen, Türöffner oder Sensoren Energie generieren.

Überall wo Wind ist, ist Energie

Auch in Städten wie London sieht die 25-jährige Potenzial für ihre Idee. „Man kann so auch Flächen zur Energiegewinnung nutzen, die bislang völlig brachlagen“, sagt sie und nennt die Londoner U-Bahn-Röhren, aber auch Brücken und Hochhausfassaden als Beispiele.

Plastikfransen, die Strom erzeugen. Im Video erklärt Charlotte Slingsby wie Moya funktioniert. Quelle N24

„Wir können nicht die ganze Landschaft mit Solarpanelen oder Windrädern vollstellen“, sagt Charlotte Slingsby, deshalb suchte sie nach weiteren Möglichkeiten aus Wind, der meist überall weht, Energie zu erzeugen.

„Moya kann sogar an Glasfassaden angebracht werden und dort Energie auffangen. Damit nutzen wir existierende Oberflächen besser“, sagt sie. Pro Quadratmeter generiert ein Moya-Vorhang rund zehn Prozent dessen, was ein Solarpanel an Energie umsetzen kann. Aus diesem Grund ist Moya mehr als Ergänzung zu den existierenden Technologien zu sehen.

Und so funktioniert Mayo: Der Vorhang besteht aus Fluorkunststoff, genauer gesagt, aus Polyvinylidenfluorid. Dessen Fähigkeit, über piezoelektrische Effekte Strom zu erzeugen, ist schon seit Ende der Sechzigerjahre bekannt. „Wenn der Stoff bewegt wird, nimmt er Energie auf“, erklärt Slingsby. Ein Chip wandelt sie danach in Strom um. Damit sich dieser einspeisen lässt, muss Moya an den Stromkreislauf angeschlossen werden.

Noch gibt es nur Prototypen, kein fertiges Endprodukt. Slingsby verhandelt jedoch bereits mit Investoren, um ihre Erfindung voranzutreiben. „Sobald wir im Bereich der Massenfertigung angekommen sind, sollte auch der Preis fallen“, sagt sie. Bislang kostet ein zwei Meter langes Stück Moya mehrere Hundert Euro.

Mayo ist schon ausgezeichnet

Auch die James-Dyson-Stiftung ist an Moya interessiert. Die Absolventin des Royal College of Art (RCA) und des Imperial College hat vor Kurzem den renommierten James Dyson Award gewonnen, den Erfinderlegende Sir James Dyson vergibt, um junge Talente in Großbritannien besser zu fördern.

Das Problem von Mayo ist, dass nur wenig Energie in Elektrizität umgewandelt werden kann und dass diese Form der Energiegewinnung recht teuer ist, verglichen mit konventionellen Methoden.

Deshalb ist der Elektrovorhang vor allem für kleinere Anwendungen sinnvoll, zum Beispiel, um Strom für Sensoren herzustellen oder um winzige Drohnen zu betreiben.

„Der Vorteil ist, dass wir rund um die Uhr Energie gewinnen können, wir sind nicht vom Tageslicht abhängig“, sagt Slingsby. Rund 100.000 Pfund, umgerechnet rund 141.000 Euro, braucht sie für die nächsten Prototypen ihres Produkts, schätzt die Absolventin.

Das könnte Sie auch interessieren:

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: