Riesenbatterie im Gasometer

Gasometer Oberhausen

Pumpspeicher: Riesenbatterie soll Kohlekraftwerke ersetzen. Gasometer im Ruhrpott speicherten eigentlich das bei Hochöfen anfallende Gichtgas, um es später wieder zu verfeuern. Heute dienen sie eher als Event-Arena oder Museum. Ein Bochumer Ingenieur will nun die alten, meist vor 100 Jahren konstruierten , Gasometer als Pumpspeicherkraftwerk für die Energiewende nutzen.


Gasometer Oberhausen
Der Gasometer Oberhausen ist ein Industriedenkmal in der „Neuen Mitte“ Oberhausen, am Rhein-Herne-Kanal. Er ist die höchste Ausstellungshalle Europas. Bau: 1927–1929.

Bisher brauchten Pumpspeicherkraftwerke Berge oder zumindest Hügel, um zu funktionieren. Mit überschüssiger Elektrizität drücken sie Wasser in ein höher gelegenes Becken. Wird Strom benötigt, rauscht das Wasser in die Tiefe und treibt dabei Turbinen an. Diese Art Strom zu speichern, ist zwar äußerst effizient.

Dieses Problem will der Ingenieur Gernot Kloss, Inhaber des gleichnamigen Bau-Innovationsbüros in Bochum, lösen. Wie ein gigantischer Gasometer funktioniert sein neuartiges Pumpspeicherkraftwerk, das keine Berge braucht.


Schematische Zeichnung des Pumpspeicherkraftwerkes. Zum vergrößern anklicken. (Copyright: Gernot Kloss)

Es besteht aus einer 50 Meter tiefen Betonwanne mit einem Durchmesser von 200 Meter. Auf dem darin befindlichen Wasser schwimmt eine zweite Betonwanne. Eine Rundum-Dichtung soll verhindern, dass Wasser durch den Spalt zwischen den beiden Wannen dringt.

Ein Speicher für 360.000 Haushalte

Wenn Strom im Überfluss vorhanden ist, pressen Pumpen, die auf Masten in der oberen Wanne stehen, Wasser in die untere Wanne. Wenn im Netz Strom fehlt, öffnet sich ein Schieber. Wasser strömt dann unter hohem Druck, für den die schwimmende Wanne sorgt, durch ein Steigrohr in eine Turbine, die einen Generator zur Stromerzeugung an der Spitze eines Gittermasts antreibt.

Der Wasserfluss durch die Turbine lässt sehr gut regulieren, sodass eine konstante Menge an Strom geliefert werden kann, bis das Becken leer und die innere Wanne auf dem Boden angekommen ist. Jetzt treten die Pumpen wieder in Aktion und befördern das Wasser aus der schwimmenden Wanne ins Unterbecken. Das Spiel beginnt von vorn.

Gernot Klos glaubt, dass er mit einem Speicher dieser Dimension 150 Megawatt Strom abpuffern kann. Innerhalb von acht Stunden könnte dieses Kraftwerk also rund 1,2 Millionen Kilowattstunden ins Netz einspeisen – das entspricht dem Verbrauch von rund 360.000 Haushalten in dieser Zeit. Klos beziffert die Baukosten auf 45 bis 50 Millionen Euro.

Der Gasometer speichert Wasser, nicht Gas

Mehrere Anlagen dieser Art könnten sogar Grundlast liefern, sagt der Bauexperte, also rund um die Uhr Strom erzeugen. Um etwa ein Kohlekraftwerk mit einer Leistung von 1000 Megawatt zu ersetzen, brauchte man zwanzig Flachland-Wannenspeicher, die rund eine Milliarde Euro kosten würden.

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Gasometer schematische Zeichnung, um 1900, Wien.

Der Vergleich mit den kaum noch genutzten Gasometern ist rein optischer Natur, die Technik im Inneren ist eine völlig andere.

Gasometer bestanden aus runden Stahltanks, die mit einem schweren, rundum abgedichteten Deckel verschlossen waren. Zwischen den Tankboden pressten Pumpen Stadt- oder Erdgas, das den Deckel anhob. Ins Netz gelangte es durch Öffnen eines Ventils. Der schwere Deckel presste es heraus, sodass es zu allen angeschlossenen Verbrauchern strömen konnte.

Bleibt er dicht?

Entscheidend bei Kloss‘ Idee wird es sein, ob es gelingt, die Dichtungen so zu konstruieren, dass es keine Lecks gibt, durch die das unter Druck stehende Wasser austreten könnte.

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