Smart City Rotterdam: Dampf, Dachgärten & Windkraft

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Smart City Rotterdam. In Rotterdam liegen fast 80 % der Grundfläche unter dem Meeresspiegel, zum Teil bis zu 6 Metern. Von seinem Hafen – dem größten Europas – profitiert die gesamte Wirtschaft der Niederlande. Die überschwemmungsgefährdete Stadt hat eine detaillierte Strategie zur Klimaanpassung eingeführt. Ziel ist es, bis 2025 100 % klimasicher zu sein und die CO2-Emissionen um 50 % gegenüber 1990 zu senken.


Rotterdam macht Dampf

Die Stadt und der Hafen von Rotterdam führen weiterhin diverse Maßnahmen zur Reduzierung ihrer Emissionen ein. U.a. werden neue Dampf- und Wärmenetze angelegt. 2012 wurde mit dem Bau eines neuen Rohrleitungsnetzes begonnen, das überschüssigen Dampf aus dem Kraftwerk AVR Rozenburg zu anliegenden Unternehmen leiten soll. Dadurch sinkt der Verbrauch an fossilen Kraftstoffen zur Dampferzeugung vor Ort, und die CO2-Emissionen können um schätzungsweise 400.000 Tonnen pro Jahr gedrosselt werden. Der Dampf soll auch zur ökologisch nachhaltigen Beheizung von 50.000 Geschäfts- und Wohnhäusern dienen.

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Besonders nah am Wasser gebaut und deswegen besonders sensibel für Klimawandel und Erderwärmung: Rotterdam. Foto: Wikimedia

An der Küste weht der Wind

Außerdem hat Rotterdam 36 Millionen Euro in den Windpark Hartelbrug II investiert. 2012 hat die Stadt die Informationsbörse Nationale LNG-Plattform eingerichtet, um Unternehmen und Behörden zu koordinieren. Diese Online Plattform soll die Einführung von verflüssigtem Erdgas als alternativen Kraftstoff in den Niederlanden fördern.

Als eine kompakte Stadt, die unterhalb des Meeresspiegels liegt, hat Rotterdam mehrere Projekte zum Schutz gegen Überschwemmung durchgeführt. Das 12.000 Hektar große Hafengebiet wurde größtenteils auf rund 3 bis 5 Metern höher gelegenem Land angelegt. Außerdem ist es durch die Maeslant-Sturmflutwehr geschützt. Im Rahmen von Erholungsgebieten wurden Schutzdeiche gebaut, die z. B. als Radwege dienen. Die Stadt plant eine Erweiterung ihrer Wasserspeicherkapazität um 75.000 m3 bis 2015. Dafür sollen u.a. Wasser-Plazas auf Spiel-, Innenstadt- und Sportplätzen gebaut werden. Diese dienen bei starkem Regen als Wasserauffangbecken und sind mit Pump- und Filtersystemen ausgestattet.

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In Rotterdam gibt es die größten Dachgärten Europas. Dachgärten mit einer Fläche von über 130.000 m2 sind bereits angelegt. Foto: Ossip van Duivenbode

Urbane Dachgärten

Um die Speicherfunktion zu unterstützen, hat Rotterdam Dachgärten mit einer Fläche von über 130.000 m2 angelegt. Dazu gehört auch die größte urbane Dachgartenfarm Europas „Dakakker“. Sie ist 1.000 m2 groß und befindet sich auf dem Dach eines Bürogebäudes. Kleinere Projekte sollen ein Bewusstsein für Umweltschutz und Nachhaltigkeit schaffen. So soll z. B. Die Kampagne „Tile out, green in” dazu motivieren, Pflasterungen durch Pflanzen und Rasenflächen zu ersetzen.

Europameister bei E-Mobilen

Rotterdam ist mit 1.100 Elektroautos auf den Straßen und geplanten 1.000 Ladestationen die erfolgreichste Stadt für Elektrofahrzeuge in Europa. Sie hat auch die meisten Elektrofahrzeuge im Verhältnis zu benzinbetriebenen Fahrzeugen weltweit. Auf 100.000 zugelassene Fahrzeuge kommen 532 Elektrofahrzeuge. Sowohl Amsterdam als auch Rotterdam planen, ihre Elektrofahrzeugflotten in den kommenden Jahren noch zu vergrößern.

Wie Amsterdam berät sich Rotterdam mit anderen Städten und ist Mitglied der C40. Dies ist eine Gruppe von Großstädten, die sich dem Ziel verschrieben haben, Treibhausgas-Emissionen und Klimarisiken zu reduzieren.

Netzwerk gegen Flut

Darüber hinaus hat Rotterdam das Netzwerk „Connecting Delta Cities” gegründet. Städte, die einem steigenden Meeresspiegel ausgesetzt sind, können sich hierüber zu bewährten Anpassungsstrategien austauschen. Rotterdam unterstützt Städte wie New Orleans und Ho Chi Minh City auch direkt. Dabei bindet es ortsansässige Forschungsinstitute und Beratungsunternehmen im Rahmen des Klimaprogramms „Rotterdam Climate Proof“ mit ein. Im Jahr 2012 hat die EU-Kommission die Stadt Rotterdam zu einer „EU Peer City“ benannt. Damit hat sie ihr eine führende Rolle im EU-Schulungsprogramm zur Unterstützung anderer Städte bei ihrer Klimaanpassung zuerkannt.

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