Die Revolution hat erst begonnen

Vorwärts in die Schwarmstrom-Revolution. E-Autos, intelligente Waschmaschinen, Kleinkraftwerke im Keller: Deutschland steht vor einer Energierevolution, denn die Machtverhältnisse zwischen Verbrauchern und Versorgern ändern sich.

Das Energienetz der Zukunft ist eine der kühnsten Visionen der Menschheit. Gigantische Windparks auf dem Meer und riesige Solarfelder in der Wüste sollen künftig den Großteil unseres Stroms produzieren. Auch Verbraucher und Firmen erzeugen durch Mini-Kraftwerke im eigenen Keller oder durch Solarpanels auf dem Dach Energie. Und in den Häusern arbeiten schlaue Geräte: Waschmaschinen, Trockner oder Kühlschränke, die miteinander kommunizieren – und die immer dann waschen, trocknen oder kühlen, wenn Strom am günstigsten ist.

In sechs Regionen Deutschlands steht dieses Zeitalter unmittelbar bevor: Die Zukunftstechnologie für schlaues Energiemanagement wird unter dem Label E-Energy in mehreren Städten entwickelt und getestet.

Power to the people

Verbraucher entmachten die Stromkonzerne. Der eigene Stromverbrauch ist für die meisten Verbraucher gegenwärtig nicht nachvollziehbar. Man bekommt einmal jährlich eine Abrechnung und muss oft genug nachzahlen. Das Stromnetz der Zukunft soll nicht nur anzeigen, welches Gerät wie viel Energie verbraucht – Kunden sollen auch sehr viel genauer bestimmen können, zu welchen Tarifen sie Strom nutzen. „Die Energiekonzerne werden die Kontrolle verlieren“, prophezeit Scott Lang, Chef des Silicon-Valley-Unternehmens Silver Spring Networks. Seine Firma verkauft Stromzähler, die den Verbrauch bereits minutengenau abrechnen.

Neue Märkte entstehen

Neben schlauen Zählern entstehen für Unternehmen noch eine Reihe anderer Wachstumsmärkte, deren Technologien im Rahmen der E-Energy-Projekte getestet werden: So versorgt der Hausgerätehersteller Miele im Rhein-Ruhr-Gebiet hunderte Haushalte mit intelligenten Waschmaschinen, die exakte Angaben über den Verbrauch weitergeben und über ein Programm oder eine Fernsteuerung genau dann ihre Arbeit verrichten, wenn Strom gerade günstig ist. Damit auch alte Geräte angesteuert werden können, baut die Firma Kellendonk im Projekt SmartWatts kleine Anlagen, die Preissignale empfangen und abhängig davon die Waschmaschine und den Kühlschrank aus- und einschalten.

Gesteuert werden diese schlauen Haushaltsgeräte über sogenannte Home-Management-Systeme. In der E-Energy-Region Moma (Modellstadt Mannheim) entwickeln Unternehmen wie Papendorf Software Engineering Hard- und Software unter dem Label „Energie-Butler“.

MeRegio – Aufbruch zu „Minimum Emission Regions“

Das E-Energy-Modellhaus von MeRegio erzeugt Energie auf dem Dach oder mit einem Kleinst-Blockheizkraftwerk (BHKW) im Keller. Die Hausgeräte sind über Kommunikationstechnik untereinander und mit einer intelligenten Systemplattform verbunden.

In der Garage steht das Elektrofahrzeug: Der Akku wird geladen, wenn das Kleinst-BHKW mehr Strom erzeugt, als das Netz aufnehmen kann. Und wenn es nötig ist, kann der Strom von der Batterie ins Netz eingespeist werden. Über ein Internetportal kann der Verbraucher als Partner des Stromversorgers die Vorgänge im System beobachten und aktiv in das Marktgeschehen eingreifen.

Akteure: EnBW Energie Baden-Württemberg AG, ABB AG, IBM Deutschland GmbH, SAP AG, Systemplan GmbH, Karlsruhe Institute of Technology (KIT)

Mit intelligenten Stromzählern lassen sich in Deutschland jährlich 9,5 Milliarden kWh Strom sparen

Im Gespräch erläutert Hellmuth Frey, Projektleiter der E-Energy-Modellregion Baden-Württemberg, die Besonderheiten des Projekts MeRegio, welche Ziele das Projekt verfolgt und welche technischen Komponenten zum Einsatz kommen.

Welche Ziele verfolgt Ihr Modellprojekt?

Im Rahmen des Projekts möchten wir für die Modellregion im Großraum Karlsruhe/Stuttgart zeigen, dass durch die intelligente Verknüpfung von technischem Energiemanagement mit innovativer IKT ein Aufbruch vom heutigen Energieversorgungssystem zu „Minimum Emission Regions“ möglich ist. Darunter verstehen wir Regionen, die sich durch Treibhausgasemission optimierte Energieversorgungssysteme auszeichnen. Besondere Berücksichtigung findet dabei das Thema Elektromobilität, weil es alle im Kontext relevanten Aspekte umfasst.

Was ist das Besondere an MeRegio?

Ein wichtiger Bestandteil dieses Projekts ist die Entwicklung eines Zertifikats für „Minimum Emission Regions“ und die anschließende Zertifizierung, die wir in der Modellregion beispielhaft durchführen möchten. Zusätzlich erstellt unser Projektkonsortium einen Maßnahmenkatalog und berät Regionen dabei, wie sie ihre Energieeffizienz verbessern können. In Simulationen sollen darüber hinaus unterschiedliche Konzepte und Strategien genauer betrachtet und analysiert werden.

Welche technischen Komponenten werden in Ihrem Modellprojekt entwickelt?

Die EnBW hat bereits 2.000 Pionierkunden mit intelligenten Stromzählern und Benutzerapplikationen ausgestattet. Dieses System soll im Rahmen des Projekts eingesetzt und weiter entwickelt werden. Derartige Systeme können künftig als Teil eines neuartigen Energiemanagementsystems eingesetzt werden, welches zur Steuerung von Verbrauchern und dezentralen Anlagen dient. Ein Beispiel hierfür sind so genannte Gebäudeautomatisierungssysteme, die Heizungs-, Lüftungs-, Klima- und Beleuchtungsanlagen kontrollieren und zusätzlich für die Gebäudesicherheit sorgen.


Alt gegen neu. Intelligenten Stromzählern gehört die Zukunft.

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