Smart wie Amsterdam

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Amsterdam Smart City (ASC) ist ein ehrgeiziges Projekt der Stadt Amsterdam mit ausgewählten Industriepartnern, um die Stadt am Isselmeer smarter, grüner und nachhaltiger zu machen. Unser Gastautor Joost Bringman war von 2009 bis 2012 Leiter des Projekts und beschreibt in diesem Artikel welche Erfahrungen er und sein Team gemacht haben und wie Amsterdam Smart City zum Lern-Objekt für andere Cities werden kann.


Städte bieten eine ideale Plattform, um auf kleinem Raum neue Ideen auszuprobieren und den Enthusiasmus grüner Pioniere mit einer großen Menge Menschen zu teilen. Außerdem lassen sich die Ideen, wenn sie erfolgreich sind, in Städten schnell skalieren, um die Transformation zu einer nachhaltigen Zukunft zu beschleunigen.

Wie dieser Prozess exemplarisch für viele Städte der Welt funktionieren kann, zeigt Amsterdam mit seinem Projekt „Amsterdam Smart City“ (ASC).

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Amsterdam, bekannt für seinen offenen und liberalen Lifestyle will zur Smart City werden. Mit ehrgeizigen Energie- und Klimazielen soll das Projekt „Amsterdam Smart City“ (ASC) ein Erfolg werden.

Der Hintergrund: Schon im Jahr 2009 hat sich die Stadt ehrgeizige Energie- und Klimaziele gesetzt:

– Eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um 40 Prozent bis 2025 (gegenüber 1990)
– Eine Senkung des Energieverbrauchs um 20 Prozent bis 2025 (gegenüber 1990)
– Schaffung CO2-neutraler Stadtteile bis spätestens 2015

Weil eine Modernisierung des Stromnetzes anstand, bot sich die Gelegenheit, Neues auszuprobieren und intelligente Stromnetze – also ein Smart Grid – zu implementieren.

Energieeffizienz im Fokus der Smart City

In Ergänzung hierzu wurden in dem Projekt „Amsterdam Smart City“ weitere Projektideen rund um die Verbesserung der Energieeffizienz, der intelligenten Einbindung des Stromangebots sowie der Nachfrage nach erneuerbaren Energien gebündelt. Zusammen sollen alle Teilprojekte den Energiekonsum in Haushalten und Unternehmen signifikant senken, um die ehrgeizigen CO2-Reduktionsziele zu erreichen.

Beteiligt an dem Projekt „Amsterdam Smart City“ ist der Netzbetreiber Liander, die Stadt Amsterdam sowie dem „Amsterdam Economic Board“. Bei Letzterem handelt es sich um eine gesonderte Initiative der Stadt Amsterdam, in der Experten Ideen entwickeln, um die zukunftsweisende Position der Amsterdamer Region aufrechtzuerhalten und weiter zu stärken.

Im Jahr 2012 schloss sich als fünfter wesentlicher Partner der Telekommunikationsanbieter KPN an. Die Unternehmensberatung Accenture ist von Anfang an strategischer Partner von Amsterdam Smart City gewesen.

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Das Logo der Amsterdam Smart City soll für Integration bei den Bürgern sorgen.

Kernherausforderung Bürgerbeteiligung

Amsterdamer Bürger für ASC zu sensibilisieren und zu mobilisieren war gleich zu Beginn, und ist es bis heute, entscheidend für die Umsetzung des Projektes. Denn die Gründer von ASC haben erkannt, dass Verhaltensänderungen in großem Stil entscheidend sind, um die ehrgeizigen Umwelt- und Klimaschutzziele der Stadt zu erreichen. Eine breite Unterstützung in der Bevölkerung hilft auch, Unternehmen dafür zu gewinnen, sich stärker mit ihren Innovationen bei ASC zu engagieren.

Amsterdam Smart City konzentriert sich auf fünf Themenfelder: Leben, Arbeiten, Mobilität, öffentlicher Raum und Open Data. Auf diese verteilen sich die mittlerweile mehr als 40 Teilprojekte von den fünf strategischen und den 129 weiteren Projektpartnern. 16 zusätzliche Network-Partner unterstützen die interne und auch externe Kommunikation und den Wissensaustausch.

Der Amsterdam Smart City-Ansatz besteht im Wesentlichen in der Nutzung von „Urban Living Labs“. Spannende und überzeugende Ideen werden dabei als Teilprojekte bei ASC pilotiert. Diese konzentrieren sich auf reale Lebenssituationen der Menschen und damit auf die Frage, wie neue Technologien und neue Dienstleistungen von den Verbrauchern angenommen werden.

Der ASC-Ansatz strebt danach:

1. Kooperationen von und mit Bürgern, Unternehmen sowie der öffentlichen Hand zu etablieren, inklusive Public-Private-Partnerships (PPP)
2. Wissen über Möglichkeiten der Verhaltensänderung von Energieverbrauchern zu erwerben
3. Dieses Wissens aktiv zu verbreiten und an die Gesellschaft zu kommunizieren
4. CO2 durch technische Innovationen und Verhaltensänderung zu reduzieren

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Auch smart: Amsterdam ist bekannt für seine Hausboote, auf denen von den Bewohnern oft schon heute ein alternatives und nachhaltiges Leben gelebt wird.

Den guten Absichten folgen noch zu selten Taten

Obwohl Verbraucher, Bürger, Politik und Unternehmen immer behaupten, bereit zu sein für einen Wandel hin zu einer nachhaltigeren Lebensweise, passiert bisher zu wenig in diese Richtung. Ursachen hierfür sind begrenzte Möglichkeiten der Akteure, entsprechende Projekte umzusetzen, gegenläufige (Partikular)-Interessen oder ihr bisher nicht ausreichend großer Druck. Fakt ist: Die für städtische Nachhaltigkeitsprojekte benötigten Partner organisieren sich nicht von selbst.

Es besteht also eine offensichtliche Diskrepanz zwischen Absichten und Taten. Durch Einrichtung einer Plattform für Public-Private-Partnerships versucht Amsterdam Smart City genau diese Diskrepanz zu beheben.

Alle Projekte, die durch Amsterdam Smart City imitiert werden, konzentrieren sich vor allem auf den jeweiligen Nutzen: für den Bürger, für den Mieter, für die Stadt, für das kleine oder große Unternehmen. Jede Initiative wird von einem Expertengremium von Amsterdam Smart City darauf geprüft, ob sie für eine Implementierung im großen Maßstab geeignet ist.

Die mehr als 40 Teilprojekte sowie Hintergrundinformation zu jedem einzelnen finden sich auf www.amsterdamsmartcity.nl. Dazu gehören unter anderem:
Nachhaltiges Leben:

– Im Wohnviertel Geuzenveld wurden Bewohner mit intelligenten Stromzählern ausgestattet, sowie mit Geräten zur Steuerung und Bewertung des individuellen Energieverbrauchs.
– In Haarlem testeten 250 Haushalte Energiemanagementsysteme mit intelligenten Steckern.
– In einem Kanalhaus aus dem 17. Jahrhundert wurde eine hochmoderne Brennstoffzelle installiert und getestet.
Nachhaltiger öffentlicher Raum:
– Ein Energiesparwettbewerb von mehreren Schulen lieferte zehn Prozent Energieeinsparung und „learning by doing“; die Kinder klären nun ihre Eltern über das Energiesparen weiter auf.
– In der Einkaufsstraße „Utrechtsestraat“ haben über 40 Geschäftsbesitzer ein breites Spektrum an Energieeinsparmaßnahmen und Energiemanagementmaßnahmen umgesetzt, z.B. LED-Beleuchtung. Zudem wird für die Abfallentsorgung ein elektrischer Müllwagen statt eines Diesel-Lastwagens getestet.

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visit: www.amsterdamsmartcity.com

Beteiligung von Industrie-Partnern und Bürgern

Das Büro der Amsterdam Smart City hält bei allen Pilotprojekten einen engen Kontakt zu den Partnern. Hierzu zählen regelmäßige und aktuelle Newsletter, die interaktive Amsterdam Smart City-Website, ein YouTube-Kanal sowie alle vier bis sechs Monate Veranstaltungen für alle Partner und die Bürger.

Die Aktivitäten von Amsterdam Smart City geben der gesamten Region Amsterdam wirtschaftliche Impulse. Der positive Effekt wird sogar noch verstärkt durch Anerkennung auf internationaler Ebene, was wiederum dem Marketing der Stadt hilft.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Amsterdam Smart City-Gesamtprogramm sind jedoch die folgenden:

– Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Interessengruppen braucht Zeit.
– Die einzelnen Gruppen müssen offen für eine Zusammenarbeit sein.
– Die größte Herausforderung bei der Implementierung neuer Technologien ist weniger die Technologie selbst, sondern vielmehr die Akzeptanz und die Anwendung durch die Endnutzer.
– Eine einfache Handhabung von Technologien und finanzielle Vorteile sind die Schlüsselelemente, um Verbraucher zu überzeugen.
– Tatsächlich bahnbrechende Innovationen stammen meist von (jungen) Innovatoren. Eine offene Zusammenarbeit mit großen Unternehmen kann die Innovationen aber beschleunigen.

Ein entschiedenes Ziel eines jeden Amsterdam Smart City-Pilotprojekts ist es zu lernen, auf welche Weise Kooperationen möglich sind und wie das Verhalten der Endnutzer geändert werden kann. Mit Amsterdam Smart City und dem Fokus auf Energieeinsparung ist ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigeren Lebensweise getan.

Artikel von Gastautor Joost Brinkman

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Über den Autor: Joost Brinkman ist Senior Manager bei Accenture und leitet den Bereich Sustainability Services in den Benelux-Ländern. Er war seitens Accenture Projektleiter von Amsterdam Smart City zwischen 2009 und 2012.

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