So kann die globale Energiewende gelingen

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Internationale Energieagentur. Die Internationale Energieagentur ruft das Ende des Kohle-Zeitalters aus. Das Pariser Institut macht auch Vorschläge zum Umbau der Energiewirtschaft. Danach soll der Energiesektor schon ab 2020 immer sauberer werden. „2030 können 60 Prozent der Stromerzeugung aus Erneuerbaren kommen und ein Viertel des globalen Energiebedarfs aus sauberen Quellen gedeckt werden“, so die IEA.


Eine Welt ohne fossile Energieträger

Eine Welt ohne fossile Energieträger – dieses Ziel haben die Staats- und Regierungschef der der führenden sieben Industrienationen kürzlich auf Schloss Elmau in Bayern beschlossen. Im Abschlussdokument bekannten sich Obama, Cameron, Merkel und Co. zu einer „Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Laufe dieses Jahrhunderts“. Schon bis 2050 soll die Energiewirtschaft umgebaut werden.

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Internationale Energieagentur stellt Weltenergiebericht vor

Die Internationale Energieagentur IEA stellt nun ihren Weltenergiebericht vor, das Pariser Institut unterbreitet Vorschläge für ein globale Energiewende. Zentrale Botschaft der Wissenschaftler: In 15 Jahren könnten erneuerbare Energieträger wichtiger sein als fossile. „2030 können 60 Prozent der Stromerzeugung aus Erneuerbaren kommen und ein Viertel des globalen Energiebedarfs aus sauberen Quellen gedeckt werden“, sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol bei der Vorstellung des Reports in Paris.

Im internationalen Vergleich gibt es kaum ein zweites Land, das sich derart ambitionierte Ziele zur Umstellung seines Energiesystems gesteckt hat wie Deutschland. Daher existiert auch kein Gesamtkonzept, das als Blaupause für die deutsche Energiewende dienen könnte. Dennoch kann Deutschland von anderen Ländern lernen. Eine Studie von McKinsey im Auftrag von Siemens stellt Beispiele aus verschiedenen Ländern vor und zeigt, was davon in welchem Umfang auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden könnte. Die Fallbeispiele beziehen sich auf die wesentlichen Elemente der deutschen Energiewende entlang der Energiewertschöpfungskette: Stromerzeugung, Verteilung oder Balancierung von Angebot und Nachfrage sowie Steigerung der Energieeffizienz.

Windparks versteigern

Der Ausbau von Solar und Windkraft wird die Regierung bis 2020 rund 30 Milliarden Euro kosten. Eine Möglichkeit, den Kostenanstieg zu drosseln, wäre eine Anpassung der Förderung, zum Beispiel durch Auktionierung von Windparkprojekten – wie in Brasilien, Dänemark oder den Niederlanden praktiziert. So kann erreicht werden, dass Windparks an windreichen Standorten mit einer geringeren Vergütung auskommen. Würden in Deutschland die infrage kommenden Windparkprojekte in Zukunft versteigert, könnten allein im Jahr 2020 rund 0,7 Milliarden Euro an Förderkosten eingespart werden.

Bessere Nutzung von Abwärme

Abwärme lässt sich bei Temperaturen ab circa 300 Grad Celsius zur Stromerzeugung nutzen. In Deutschland gibt es unter anderem in der Zement- und Glasindustrie weitere Potenziale, die andere Länder beziehungsweise Pilotanlagen in Deutschland bereits nutzen: So wurden in China in den vergangenen zehn Jahren knapp 30 Zementwerke mit entsprechenden Anlagen ausgestattet oder werden aktuell umgerüstet. Durch Nachrüsten der in Deutschland infrage kommenden Werke könnten hier im Jahr 2020 etwa 2 TWh Strom erzeugt und so eine Megatonne CO2 eingespart werden. Die Investitionen würden sich bereits nach rund drei Jahren amortisieren, so die Autoren der Studie.

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Gerade die industrielle Abwärmenutzung hat am Industriestandort Deutschland ein großes Potenzial.

Derzeit erzeuge der Energiesektor doppelt so viel Treibhausgas wie alle anderen Energiekonsumenten zusammen. Birol sagte mit Blick auf die im Dezember in Paris stattfindende UN-Klimakonferenz, dass sich daher jedes Abkommen auf den Energiesektor konzentrieren müsse. 2014 hätten zudem die weltweiten Emissionen erstmals nicht zugenommen, obwohl die Weltwirtschaft um drei Prozent gewachsen sei. „Das ist ein gutes Zeichen.“

Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, schlägt die IEA „eine Brückenstrategie vor, bei der der Scheitelpunkt für globale Energie-bezogene Emissionen 2020 erreicht wird”, heißt es in dem IEA-Report. In Elmau hatten sich die G7-Staaten darauf verständigt, dass die Erderwärmung zwei Grad nicht übersteigen soll. Wird diese Marke gerissen, gelten die Auswirkungen des Klimawandels als kaum noch zu beherrschen.

Für dieses „Brückenszenario“ hält die Internationale Energieagentur fünf Maßnahmen für sinnvoll:

1. Energieeffizienz bei Industrie, Gebäuden und Verkehr steigern.

2. Nutzung von wenig effizienten Kohlekraftwerken zurückfahren und den Neubau solcher Anlagen verbieten.

3. Steigerung der Investitionen in erneuerbare Energietechnologien von derzeit 270 Milliarden US-Dollar auf 400 Milliarden im Jahr 2030.

4. Subventionen für fossile Energieträger bis 2030 auslaufen lassen.

5. Methan-Emissionen bei der Produktion und Förderung von Öl und Gas reduzieren.

Die Internationale Energieagentur wird von 29 Staaten getragen und finanziert, darunter die USA, Großbritannien, Japan, Deutschland und viele weitere EU-Staaten. Einmal im Jahr gibt die IEA ihren „World Energy Outlook“ heraus. Mit Blick auf den Pariser Klimagipfel im Dezember gilt die diesjährige Konferenz als besonders wichtig.

Die Wirtschaft ist der Politik weit voraus

Greenpeace-Experte Karsten Smid hält diese Vorschläge der Energieagentur für ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Mit erneuerbaren Energien lasse sich gut Geld verdienen – auch in Staaten, die bislang kaum als Vorreiter in Sachen Klimaschutz aufgefallen seien. „In China beispielsweise setzen sich die Technologien aufgrund der hohen Luftverschmutzung durch“, sagte Smid. Zwar hofft der Energieexperte weiter auf ein verbindliches Klimaschutzabkommen in Paris. Den Verhandlungen blickt er aber gelassen entgegen. „Manche Teile der Wirtschaft sind der Politik mittlerweile weit voraus.“

Quelle: Wirtschaftswoche.de

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