Über die Stadt der Zukunft

Die Stadt der Zukunft. Vernetzung, Mobilität und Energieversorgung werden die Hauptthemen der Stadt der Zukunft sein. Sie werden unsere großen Städte verändern. Davon ist Kristien Ring überzeugt. Sie ist Professorin für Architektur und Stadtentwicklung in Florida und war bis 2011 Direktorin des Deutschen Architektur Zentrums DAZ in Berlin. Im Interview sagt uns die Professorin, wie die Stadt der Zukunft aussehen wird.



Vernetzung, Mobilität und Energieversorgung werden die Hauptthemen der Stadt der Zukunft sein.

Vernetzung, Mobilität, Digitalisierung sind Themen, die derzeit vor allem im Produktionsbereich diskutiert werden. Aber wie verändern diese Entwicklungen unsere Städte? Wie werden die in 50 Jahren aussehen? Im Interview wagt Publizistin und Architektin Kristien Ring einen Blick in die Zukunft:

Frage: Welche Themen werden für die Stadt der Zukunft, die City 4.0, von besonderer Bedeutung sein?

Kristien Ring: Ich denke, dass Vernetzung, Mobilität und Energieversorgung die Hauptthemen sein werden. Sie werden unsere großen Städte verändern. Sie werden weiter wachsen, allerdings nicht in der Fläche, sie wuchern nicht aus, sie werden aber dichter. Die frei werdenden Flächen werden mit neuen, teilweise noch höheren Gebäuden besetzt.

F: Wie wird sich der Straßenverkehr entwickeln?

Ring: Wir werden keine parkenden Autos mehr sehen. Es wird generell viel weniger Individualverkehr geben. Wir nehmen dann einfach das Fahrzeug, das gerade vorbeifährt. Alles ist ständig im Fluss. Die Räume, die derzeit zum Parken genutzt werden, werden frei. Man kann diese Flächen ganz neu und anders bespielen. Es wird mehr Fahrräder auf der Straße geben. Die E-Autos werden sich quasi im Vorbeifahren an Häusern aufladen. Man wird sich nicht mehr einstöpseln müssen. Ich erwarte gerade in diesem Bereich enorme Fortschritte, zum Beispiel mit Induktionsflächen, die man bisher zum Beispiel von Herdplatten kennt. Es ist im Moment noch schwer vorstellbar.

F: Und die Energieversorgung?

Ring: Die Energieversorgung wird dezentraler. Jedes neue Haus wird mehr produzieren als es braucht und die älteren Häuser drumherum mitversorgen. Wir werden intelligenter mit bestehenden Häusern umgehen und packen nicht alles ein, um Energie zu sparen, sondern schaffen einen Ausgleich mit neuen Gebäuden, die Energie erzeugen müssen.

F: Wird sich die Optik der Gebäude der Funktionalität anpassen?

Ring: Vor allem die Materialien werden sich weiterentwickeln. Im Grunde genommen wird das Straßenbild sehr gemischt aussehen. In den vergangenen 60 Jahren hat man sehr stark zwischen Wohnen und Arbeiten getrennt. In Zukunft werden die Funktionen in Gebäuden eher vermischt. Das führt zu einer Stadt der kurzen Wege. Außerdem gehören auch Teile der Produktionsstätten, die Fabriken, in die Städte.

F: Zunehmende Vernetzung und Digitalisierung klingt für viele auch nach Überwachung. Besteht die Gefahr eines gläsernen, ständig beobachteten Bürgers?

Ring: Das ist ein politisches und gesellschaftliches Thema. Die Wahrnehmung kann sich ständig verändern, ob zum Beispiel Kameras an öffentlichen Plätzen Überwachung oder Zeichen für Sicherheit sind. Die Stadt der Zukunft wird solche Themen diskutieren müssen. Da müssen wir ein gutes Mittelmaß finden, wie man die Technologien einsetzt und sich selbst davor schützt.


Sim City, Stadt der Zukunft. Viele Menschen auf engem Raum. In Zukunft wird das Zusammenleben neu geregelt werden müssen.

F: Wird es Flächen geben, die Entspannung erlauben?

Ring: Natürlich. Gerade Grünflächen sind ist für eine offene und gestaltbare Stadt sehr wichtig. Eine Stadt muss Flächen bietet, auf denen Austausch stattfindet, auf denen man sich treffen kann. Eine dichte enge Stadt kann nur gut sein, wenn es Ausgleichsflächen gibt. Da gibt es in den meisten Städten schon viele, die man nur schöner machen und besser nutzen sollte. Man wird auch Orte schaffen, an denen Funkstille herrscht, man nicht erreichbar ist. Das wird man als Qualität empfinden.

F: Wie verändert digitale Planung die Arbeit von Architekten?

Ring: Inzwischen ist das eine Selbstverständlichkeit. Es wird lediglich an einigen Stelle noch verbessert. Man kann nun direkt vom Computer in einen Roboter einspeisen, was dieser bauen soll. Es gibt weniger Zwischenwege. So erreicht man auch in der Produktion die Genauigkeit, welche in der Planung bereits Standard ist.

F: Sind Architekten dann bloße Vernetzer funktionaler Gebäude oder brauchen sie weiterhin Kreativität?

Ring: Auf jeden Fall. In einer dichteren Stadt mit größerer Mischung wird es noch mehr die Frage sein, wie man die Vitalität der Stadt erhöht. Die Frage ist: Wie integriert man auf schlauste und kreativste Art und Weise neue Technologien in die Gebäude, so dass es gut gestaltet und langlebig ist. Die Digitalisierung und Vernetzung wird die Architektur nur noch wichtiger machen.

F: Sie beschreiben in einem Buch zukunftsweisende Wohnprojekte in Berlin. Was haben die gemeinsam?

Ring: Die zukünftigen Bewohner arbeiten zusammen an der Idee eines Wohnprojektes. Sie setzen oft sehr stark auf neue Technologien, neue ökologische Baumaterialien. Sie bauen in einem sehr hohen Standard. Viel Wert legen die Beteiligten auf die Frage, wie man zusammenleben will. Manche teilen sich zum Beispiel einen Abstellraum für alle ankommenden Pakete. Andere gehen weiter und teilen sich Gemeinschaftsräume. Dadurch gestalten sie ein ganz anderes Leben in der Stadt. Es ist eine zentrale Frage für die Stadt der Zukunft, wie man zusammenleben will. Diese neuen Modelle machen Städte attraktiver und nachhaltiger.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kristien Ring arbeitet als Architektin, Kuratorin und Publizistin. Sie ist Professorin für Architektur und Stadtentwicklung in Florida und Gründerin des AA Projects I Interdisciplinary Studio, das interdisziplinäre Projekte in Architektur und urbaner Raumplanung konzipiert und realisiert. Von 2004 bis 2011 war sie Direktorin des Deutschen Architektur Zentrums DAZ in Berlin. Sie hat die Bücher: „Self Made City“ und „Urban Living“ herausgegeben.

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