Unser Stromnetz 2050

Prof. Eike Weber

Prof. Dr. Eike Weber, einer der bekanntesten Visionäre des Fraunhofer Instituts, entwickelt im Interview seine Vision von der Energie der Zukunft. Die intelligente Vernetzung wird das Problem der erneuerbaren Energien lösen, so seine feste Überzeugung. Lesen Sie, wie unsere Energiewelt im Jahr 2050 aussehen könnte.

Wie sieht das Stromnetz der Zukunft aus?

Wenn wir Erneuerbare Energien (EE) im großen Maßstab nutzen wollen, geht das nicht ohne großräumige Vernetzung. Je größer das Netz ist, desto sicherer ist das System. Ein gutes Beispiel dazu ist Norwegen. Die Norweger beziehen fast allen Strom aus Wasserkraft. Vernetzt mit Norwegen könnten wir tagsüber unseren überzähligen Sonnen- und Windstrom nach Norwegen schicken. Dort können die Talsperren auf Minimumausfluss gestellt werden und Wasser speichern. Tagsüber fließt dann Strom von Deutschland nach Norwegen. Nachts, wenn wir keinen eigenen Solar- oder Windstrom haben, dann können wir über dieselbe Leitung Strom aus Norwegen beziehen, um unser Netz zu stabilisieren. An dieser Leitung wird übrigens schon gebaut.

Je stärker die Vernetzung von Norden nach Süden mit den sonnenreichen Gegenden ist, desto leichter wird es, das Netz stabil zu führen.

(Lesen Sie hierzu auch: Norwegen will Europas Akku werden >>)

Prof. Eike Weber
Prof. Dr. Eike Weber vom Fraunhofer Institut weist uns den Weg in die Zukunft und entwickelt seine Idee vom intelligenten Stromnetz des Jahres 2050.

Warum sind Unternehmen wie z. B. Bosch und Siemens aus dem Projekt Desertec ausgestiegen, bei dem es darum geht, Strom aus dem sonnenreichen Afrika zu beziehen?

Das, was unter dem Begriff Desertec gegründet wurde, ist nichts anderes als eine Clearing Stelle. Die DII bringt Financiers und Technologien zusammen, die solche Projekte durchführen können. Das DII selbst hat keine Mittel, um Projekte anzuschieben. Die Erwartungen waren ganz andere. Alle dachten, dass Desertec ein sprudelnder Geldmittel-Topf ist, der nur angezapft werden muss. Aber wie bei allen Projekten muss Desertec Financiers, Politiker der beteiligten Länder etc. zusammenbringen. Deshalb hat sich das viel langsamer als erwartet entwickelt. Es gibt durchaus erste Projekte, die durch DII angestoßen wurden wie z. B. Projekte in Marokko. Die Erwartungen waren einfach zu hoch.

Welche Kraftwerke braucht das zukünftige Stromnetz?

Ein Stromnetz, das ganz überwiegend durch EE gespeist wird, braucht Kraftwerke, die sich leicht und dynamisch regeln lassen. Es müssen die Schwankungen der Stromlieferungen aus EE durch andere Energiequellen ausgeglichen werden.

Kernkraftwerke kann man theoretisch natürlich abriegeln, aber Kernkraftwerke mögen das nicht. Es dauert Stunden und am Liebsten lässt man sie durchlaufen. Ähnlich ist es mit den thermischen Kohle-Kraftwerken.

Was dagegen sehr flexibel eingesetzt werden kann sind Gaskraftwerke. Wie die Gastherme zu Hause lassen sie sich im Minutentakt zu- oder abschalten. Gaskraftwerke sind eine interessante Ergänzung der EE. Wenn auch die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme in der Kraft-Wärme Kopplung genutzt wird, können diese Kraftwerke Effizienzen bis zu 80% erreichen.

Auf Dauer müssen wir auch von den Gasheizkraftwerken weg kommen. Das geht z. B. durch Vernetzung und Aufbau von Speichersystemen. Das wird sicher erst in 20, 30 Jahren der Fall sein. Bis dahin sind Gaskraftwerke eine sehr gute Ergänzung der EE. Wenn auch die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme in der Kraft-Wärme Kopplung genutzt wird, können diese Kraftwerke Effizienzen bis zu 80% erreichen.

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Prof. Dr. Eike Weber prognostiziert für das Jahr 2050 ein global vernetztes weltweites Strom und Energienetz.

Wie sieht das Stromnetz im Jahr 2050 aus?

Wenn man noch einen Schritt weiter denkt und ins Jahr 2050 geht, dann sehe ich eine globale Vernetzung. Wenn wir es schaffen, Strom über die Kontinente zwischen Europa, Amerika und Asien auszutauschen, dann ist das Problem gelöst. Die Sonne scheint immer auf irgendeinen Teil unseres Erdballs. Alles was wir brauchen sind leistungsfähige Stromleitungen, um den Strom von dort wo die Sonne scheint dort hinzubringen, wo er verbraucht wird.

Wir können das mit heutiger Netz-Technologie tatsächlich in Angriff nehmen. Es gibt ja bereits Gleichspannungsübertragung über Hochspannungsleitungen. Dort fließt der Strom immer in eine Richtung und die Verluste sind minimal. Diese Leitungen verlieren bei 1.000 km Länge lediglich 3 % Leistung während die heute üblichen Wechselspannungsleitungen 30 % verlieren.

Das heißt, dass man bereits heute 10.000 km lange Gleichspannungsleitungen bauen könnte, die die gleiche Leistung verlieren wie 1.000 km lange Leitungen mit Wechselstrom.

Natürlich bedeuten solche neuen Leitungen hohe Investitionen, aber es ist kein Hirngespinst. Und um das Weltenergieproblem zu lösen, ist das meines Erachtens nach die richtige Lösung. 10.000 km sind nämlich schon ein Viertel des Erdumfanges.

Quelle: Prof. Dr. Eicke Weber Fraunhofer Institut; www.forschungs-blog.de >>

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