Von der Dusche durch’s Klo in den Vorgarten

Smartes Abwasserkonzept. Von der Dusche durch das Klo in den Vorgarten. So stellen sich Fraunhofer-Forscher die Abwasser-Entsorgung der Zukunft vor. Der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Einwohner beträgt rund 110 Liter pro Tag, die Hälfte wird zum Duschen und Baden verbraucht. Da Wasser einer der wertvollsten Rohstoffe ist, liegt es nahe auch hier nachhaltig mit der wertvollen Gut umzugehen. Das Fraunhofer Institut macht hier, wie immer, smarte Vorschläge.


Wer Wasser verbraucht benutzt es in aller Regel zum Duschen oder Zähneputzen, danach verschwindet es im Abfluss und wird der städtischen Kanalisation zugeführt. Warum dieses Wasser nicht noch für Toilettenspülung oder die Bewässerung des Vorgartens verwenden? Dafür ist es allemal noch gut genug. Ein eigentlich naheliegender und nachhaltiger Gedanke, dem sich das Fraunhofer Institut mit einem revolutionären Abwasser-Konzept zugewendet hat.

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Abwasser-Entsorgung der Zukunft. Wasser wird mehrfach genutzt, bevor es am Ende die Blumen gießt. (Quelle: Fraunhofer ISI)

Abwaser auch für’s Klo nutzen

Eine Sanierung der besonderen Art ist in Lünen im westlichen Westfalen geplant. Erstmals wird ein intelligentes Abwasserentsorgungssystem nachträglich installiert. Der Bauverein zu Lünen als Besitzer von mehreren Gebäuden mit 120 Wohnungen, in denen derzeit rund 250 Menschen leben, nimmt den Sanierungsbedarf zum Anlass, in ein nachhaltiges und smartes Abwasser-Konzept zu investieren.

Das Wasser fließt zunächst in einen Vorratstank

Die sanierungsbedürftigen Abwasserrohre werden dabei nicht einfach durch neue ersetzt. Vorgesehen ist eine Trennung in Grau- und Schwarzwasser noch innerhalb der Wohnungen. Abwasser aus Waschbecken, Badewannen und Duschen fließt durch ein Rohrsystem in einen Vorratsbehälter. Mit diesem Grauwasser werden die Toiletten gespült. Dazu muss es nicht einmal grob gereinigt werden.

Danach in die Energieallee

Das Abwasser aus Toiletten sowie von Spül- und Waschmaschinen bleibt nach dem Konzept mit dem Namen i.WET, das vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe entwickelt wurde, in der Nachbarschaft: Statt durch das Kanalsystem zur nächstgelegenen Kläranlage zu kommen, fließt es in eine sogenannte Energieallee.

Dort wachsen Energiepflanzen, die das Abwasser als Nährstoffquelle nutzen. Pro Einwohner genügt dazu eine Fläche von einem Quadratmeter. Störende Gerüche erwarten die Forscher nicht, weil das Abwasser unterirdisch verteilt wird. Die Pflanzen können von Zeit zu Zeit geerntet und etwa zur Stromerzeugung verbrannt werden.
i.WET könnte klassische Systeme ersetzen

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So stellen sich die Forscher des Fraunhofer Instituts das Abwasser-Konzept der Zukunft vor. Frischwasser wird zunächst zu Grauwasser und fließt dann in die Energieallee.

Der durchschnittliche Wasserverbrauch beträgt pro Einwohner rund 110 Liter pro Tag. „Bis zur Hälfte dieses Wassers wird zum Duschen und Baden verbraucht“, sagt ISI-Forscher Thomas Hillenbrand. Das reiche, um genug Grauwasser für jede Spülung zu haben.

i.WET ersetzt alte Rohrsysteme und spart Geld

Da auch erheblich weniger Abwasser anfällt, das über das Kanalsystem kostenpflichtig entsorgt werden muss, lassen sich durch i.WET deutliche Einsparungen erzielen. Selbst wenn die Energie-, Wasser- und Abwasserkosten nicht steigen, amortisiere sich das System in acht bis zwölf Jahren, meint Hillenbrand.

Das „integrierte WasserEnergieTransitionskonzept“ (i.WET), wie die Fraunhofer-Forscher es nennen, könnte nach und nach die herkömmlichen Systeme ersetzen. Da die Kanäle nicht gleich stillgelegt werden können sollen sie regelmäßig mit Grauwasser gespült werden. Schon heute ist das bereits nötig, allerdings mit Frischwasser, weil auf Grund der Sparbemühungen zu wenig Abwasser hindurchfließt, sodass sich übel riechende Rückstände bilden.

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