Von Ökodörfern und Stromrebellen

Gelingt die Energiewende? Das niederbayerische Furth ist eine Modellkommune für alternative Energien und gehört bei der Erzeugung von Solarstrom zu den bundesweiten Spitzenreitern. 1999 als sich das kleine Dorf aufmachte seine Welt zu verändern, allerdings, sah die Sache noch ganz anders aus.

Es lohnt sich ein Visionär zu sein

Das Wahlergebnis bei der Bürgermeisterwahl im niederbayerischen Furth hat totalitäre Züge: Mit 93 Prozent aller Stimmen wurde 2008 Dieter Gewies zum dritten Mal ins Amt gewählt. Auch das Elektromobil, das Gewies fährt, verrät seine politische Heimat. Eigentlich ist Landshut und der Landkreis drumherum dunkelblaues CSU-Land – früher mit ebenfalls imposanten Wahlergebnissen. Schon lange bevor in Baden-Württemberg die Grünen einen Ministerpräsidenten stellten, ist Gewies schon aktiv – damals noch ein echter Exot. Er verpasste schon vor vielen Jahren Furth ein „grünes Gewissen“ – trotz eines bayerisch-konservativen Gemeinderats.


Dieter Gewies früher mal ein Strom-Rebell – heute ein Öko-Visionär.

Schon 1999 beschloss Furth seine Energiewende

Dieter Gewies setzte von 1999 ein Zeichen: Eine Studie der Fachhochschule Freising-Weihenstephan half ihm dabei. Sie untersuchte, welches Potenzial erneuerbare Energien in Furth hätten. Das Ergebnis war für alle erstaunlich: Die Gemeinde könnte sich zu 100 Prozent aus regenerativen Energiequellen versorgen. Von da an hatten die Further eine Vision.

Dieter Gewies heute: „Überzeugungskraft war dann nicht mehr besonders nötig. Die Bürgerinnen und Bürger von Furth, vor allem aber der Gemeinderat von Furth waren von dieser Idee dann eigentlich ziemlich angetan. Das hatte auch dazu geführt, dass 1999 der Gemeinderat von Furth als erstes Ratsgremium in Deutschland beschlossen hat: Wir möchten 100 Prozent erneuerbare Energien. Und ich bin überzeugt, dass das leicht möglich ist.“

30 Bürgersolarkraftwerke in einer Stadt

Energieautarke Gemeinden – eine Blaupause für Deutschland. Eines leuchtete den Furthern bei ihrem Vorhaben sofort ein: Je weniger Strom und Wärme ihr Dorf verbrauchte, desto einfacher würde die Energiewende gelingen. Deswegen wurde jedes neue Heim energieeffizient gebaut. Auch das neue Dorfzentrum verbraucht wenig Energie – und alle alten öffentlichen Gebäude wurden energietechnisch saniert.


Das idyllische Furth im Wald in Niederbayern hat es ökologisch faustdick hinter den Ohren.

Jeder Bürger verdient mit

In den folgenden Jahren stiegt die Zahl der Solaranlagen rasant und Dieter Gewies trieb die Entwicklung weiter an – mit einer simplen Idee: In Furth wurde das erste Bürgersolarkraftwerk gebaut – auf der Volksschule. Jeder Bürger konnte sich daran beteiligen und danach bei der Stromerzeugung mitverdienen. Ein durchschlagendes Modell, denn in ganz Deutschland gibt es mittlerweile Bürgersolarkraftwerke. In Furth sind es heute 30.

Die Wärme kommt aus Hackschnitzeln

Die Bürger von Furth wollen aber nicht nur Strom, sondern auch Wärme. Warmwasser liefern zum Teil Sonnenkollektoren. Heizwärme kommt aber von einem großen Hackschnitzelheizwerk. Zusammen mit einigen kleineren Biomasseheizwerken erzeugen die Anlagen 80 Prozent der Wärme, die Furth braucht. Und die heute installierten 25 Tausend Quadratmeter Photovoltaikanlagen liefern die Hälfte des Further Stroms.

2 Millionen Euro bleiben in Furth

Erneuerbare Energien schützen nicht nur die Umwelt, sie bringen auch etwas für die Wertschöpfung in den Ort. Früher haben wir etwa zwei Millionen Euro für Wärme und Strom nach außen gegeben, in verschiedene Länder. „Heute bleibt dieses Geld in der Gemeinde, in dem gemeindlichen Geldkreislauf und fördert unseren Wohlstand auf Dauer“, sagt Gewies stolz und lächelt. Man sieht: Es hat sich gelohnt ein Stromrebell zu sein.

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