Warum die Energiewende (noch) nicht funktioniert

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Wir schreiben das Jahr 2014 und es nähert sich dem Ende. Wir möchten noch einmal auf die letzten beiden Jahre der Energiewende in Deutschland zurück blicken und – offen und ehrlich – darlegen, warum die sogenannte Energiewende in Deutschland nicht voran kommt.

Je länger man sich mit dem Thema Energiewende in Deutschland beschäftigt, um so mehr fühlt man sich an die Geschichte der Schildbürger und den vergessenen Fenstern in der Kirche erinnert. Aber lesen Sie selbst.


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Derzeit erinnert die Energiewende in Deutschland eher an eine Sackgasse denn an einen Weg. Schuld daran sind ganz klar nicht sehr vorausschauende Entscheidungen der Politik. Foto: Fotolia

Im Jahr 2050 will Deutschland 80% seiner Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen; vornehmlich Windkraft und Solar. Bis ins Jahr 2020 sollen alle verbliebenen 8 Atomkraftwerke ganz vom Netz gehen. Bereits heute, also im Jahr 2014, produzieren Sonne und Wind mehr Strom als alle AKW’s in Deutschland zusammen produzieren.

Man stellt sich automatisch die Frage: Warum nicht gleich abschalten, wenn soviel Strom da ist.

Überlebenskampf Energiewende

Das Problem: Es verlieren an dieser Entwicklung eine ganze Menge Unternehmen eine ganze Menge Geld. Sehr viel Geld.

Die natürlichen Gegner einer weiteren, vielleicht sogar beschleunigten, Ausbaus der Erneuerbaren sind die großen Braunkohle- und Atomkonzerne und deren Lobbisiten im und um den deutschen Bundestag.

Wo die einen Kilowatt gewinnen (Sonne und Winderzeuger); verlieren die anderen Kilowatt (Kohle und Atom). Und das gefällt denen natürlich überhaupt nicht.

Und das, aus ihrer Sicht, sogar zu recht. EON, zum Beispiel, machte im letzten Jahr (2013) einen Umsatz von 130 Milliarden Euro, allerdings gerade einmal 10% davon mit den neuen Energien, Windparks und ähnliches. Der Konzern hat noch 4 AKW’s am Netz, statt 11 im Jahr vor Fukushima.

Noch viel entscheidender: die Aktie des Konzerns ist von fast 50 Euro auf derzeit noch 14,41 gefallen. Der Konzern MUSS gegen die Energiewende arbeiten – es ist für ihn ein Überlebenskampf.

Bürgerwindparks und Gemeinden mit innovativen Nahwärmenetzen übernehmen das Zepter der Energieversorgung. Mit anderen Prämissen und anderen Zielen. Die Energie ist vor Ort und der Bürger hat Mitspracherecht. Oftmals sind diese Gesellschaften genossenschaftlich organisiert. Ein solcher Windpark hat Mitglieder, keine Kunden.

Es ist das Spiel klein gegen groß, David gegen Goliath und durch den Strukturwandel hin zur Dezentralisierung der Energie hat David die deutlich besseren Karten.

Stromnetz Deutschland_energy-mag
Unser Stromnetz kann den im Überfluss produzierten Grün-Strom nicht aufnehmen. Es fehlen schlicht die Strukturen dafür. Der überflüssige Strom wird nach Holland, Tschechien oder Polen verschenkt. Mehr „Ausbau der Stromnetze – Smart Grids“ >>

Energiewende Deutschland und das Netz

Wie bereits dargelegt gibt es deutlich genug erneuerbare Energie, soviel, dass wir den Strom ins Ausland exportieren oder verschenken müssen. Deutschland hat im Jahr 2014 soviel Strom exportiert wie noch nie. Ein Treppenwitz der Energiewende? Ja, schon.

Es ist ein Verteilungsproblem. Es sind genug Bananen da, aber sie kommen nicht bei den Bürgern an, denn das Netz kann den mit bester Absicht erneuerbar erzeugten Strom nicht aufnehmen. Das liegt an der Einspeisevergütung.

20 Milliarden Euro werden pro Jahr vom Staat an Einspeisevergütung an erneuerbare Eneigieerzeuger gezahlt. Eine Menge Geld, dass, wie so viele Subventionen, zu marktwirtschaftlich völlig unsinigen Fehlentwicklungen geführt hat.

Es gibt Landkreise, da wird 7x mehr Strom produziert, als dieser Landkreis selbst am intensivsten Wintertag verbrauchen kann, es gibt aber keine Leitung die den Strom ins Netz einspeisen könnte.

Nie wurde beim Aufstellen der PV Anlagen gefragt: „Wer braucht denn diesen Strom?“, so wie es ein Unternehmer/n getan hätte. Es wurde gefragt: „Wieviel Einspeisevergütung gibt es?“

Wer von den Lesern dieses Artikels einmal in einer Planwirtschaft gelebt hat, dem werden diese Entwicklungen bekannt vorkommen.

Planwirtschaft statt Marktwirtschaft

Der Beamte oder Staatssekretär oder gar Minister der sich solche Gesetze ausdenkt tut dies sicherlich mit bester Absicht. Doch die Erneuerbaren produzieren deshalb soviel Strom, weil jeder soviel bauen kann wie er will, ohne vorher eine Bedarfsprüfung vorgenommen zu haben. Deshalb ist an Wind und sonnenreichen Tagen soviel Strom im Netz wie nie zuvor und Deutschland wurde zum Stromexporteur Nummer 1 in Europa.

Teufelszeug Einspeisevergütung

20 Milliarden Euro wurden fehlgeleitet und wir produzieren alle gemeinsam „Wegwerf-Strom“ – ein klassisches Verteilungsproblem. Die Bananen sind da, wo sie gar nicht gebraucht werden.

Wo hätte man die Bananen denn gebraucht?

Das Stromnetz ist die große Baustelle. Es fehlen 2000 km Stromnetze, das Netz ist nicht flexibel genug und kann deshalb die schwankungsanfälligen erneuerbaren Quellen gar nicht aufnehmen. Es fehlt schlicht und ergreifend an der Logistik, es fehlt am intelligenten Stromnetz – an einem Smart Grid (Mehr zum Thema „Smart Grids – Das Internet der Energie“ >>).

Der zweite Schritt wurde vor der ersten getan. 20 Milliarden Euro wurden fehlgeleitet.

Hans Josef Fell, einer der politischen Öko-Pioniere aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen sagt hierzu: „Auf einen Schlag wurden 6 Atomkraftwerke abgeschaltet und nur ein Jahr später exportiert Deutschland soviel Strom wie nie zuvor.“ Ein Treppenwitz der Geschichte.

Windpark_Arte_Energy-Mag
Windparks, wie hier der Bürgerwindpark Reußenköge, in der Hand von Bürgern und Gemeinden verändern die Struktur wie seit 150 Jahren Strom und Energie erzeugt wurde. Großkonzerne haben hier auf dem Land wenig bis nichts zu melden.

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70% unserer Energiekosten geben wir für Wärmeenergie aus. Dezentrale Nahwärmenetze werden eine entscheidende Rolle beim Gelingen der Energiewende in Deutschland spielen. Spielen sie jetzt schon „Nahwärmenetze zur Energiewende“ >>

Was wäre besser gewesen?

Besser gewesen wäre ein marktwirtschaftlicher Ansatz. Statt mit der einseitigen Förderung der Photovoltaik mit anschließender Blasenbildung, hätte man es den Menschen überlassen sollen wohin sie investieren wollen. Die wissen das nämlich besser.

Hätte man 20 Milliarden Euro (pro Jahr wohlgemerkt!) genommen und in eine Modernisierungsförderung gesteckt, die es ja über die KfW Bank lobenswerter Weise auch gibt, dann hätten die Menschen selbst überlegt, wohin sie das „geschenkte“ Geld investieren wollen.

Sie wären schnell darauf gekommen, dass gar nicht der Strom, sondern die Wärme das ist wohin sie am meisten Geld bezahlen – 70% unserer Energiekosten fließen in die Wärme – und wo man logischerweise auch am meisten sparen kann. Sie hätten in die Modernisierung ihres alten Häuserbestandes investiert, Staatlich bezuschusst, in Wärmedämmung und Heizungsanlagen, die allermeisten unserer Heizungsanlagen sind älter als 30 Jahre und damit nach heutigen Kriterien urrrralt.

Eine Photovoltaik Blase, die in 2013 schließlich geplatzt ist, hätte es nie gegeben. Hätte, hätte Fahrradkette, sagte einmal ein mäßig erfolgreicher Kanzlerkandidat.

Grünstrom macht den Strompreis billiger

Ein weiterer Mythos der ungeniert und unbeirrt verbreitet wird ist: die Erneuerbaren Energien machen den Strompreis unbezahlbar. Das genaue Gegenteil ist der Fall.

Grünstrom macht die Preise billiger, denn er sorgt an den Strom-Börsen, gerade um die Mittagszeit, für ein Überangebot an Strom, mit der Folge von fallenden Preisen.

Diese fallenden Preise werden von den Stromkonzernen aber nicht an den Verbraucher weiter gegeben, sondern als Gewinn verbucht. Damit nicht genug, Großkonzerne die ihren Strom ebenfalls an den Strombörsen direkt einkaufen profitieren doppelt. Sie sind nämlich bei einem Stromverbrauch von mehr als 1 GigaWatt pro Jahr von der EEG Umlage befreit und freuen sich über die fallenden Preise an den Strom-Börsen. Es sind dies inzwischen über 2000 Firmen.

Die Zeche zahlt, sie ahnen es sicherlich schon, Sie, der Verbraucher über eine höhere EEG Umlage. Eine planwirtschaftliche Fehllenkung jeder Menge Kohle, ineffizient und ungerecht noch obendrein.

Fazit: Die Energiewende in Deutschland wird gelingen, ganz einfach weil sie vernünftig ist, die Menschen sie wollen und fossile Energieträger immer seltener werden. Der einzige Unsicherheitsfaktor ist die Politik. Was werden sie als nächstes wieder regulieren und verordnen, welche Industrielobby war in dieser Woche bei Gabriel?

Wir, die Bürger, in Gemeinden und dezentralen Einheiten müssen die Energiewende vorantreiben, sonst macht das keiner. In diesem Sinne, ein Frohes Neues Jahr.

Und tun Sie uns einen Gefallen: Hören Sie nicht auf die Politiker.

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