Was kostet keine Energiewende?

Über Kosten und Nutzen der Energiewende. Oft wird gefragt: Was kostet uns denn die Energiewende in Deutschland? Selten wird gefragt: Was kostet und denn keine Energiewende in Deutschland? Nur eine Zahl: Alleine im Jahr 2015 müssten fossile Energieträger für 60 Milliarden Euro importiert werden. Gastautor Kilian Rüfer zeigt auf, warum der Umstieg auf erneuerbare Energien alternativlos ist.


Was kostet keine Energiewende?

Klimaschutz ist wie das Aufhören mit dem Rauchen. Die Ansichten des Arztes, der
Krankenkasse, des Rauchers, des Tabakhändlers und die des Tabaksteuer-Verwalters
unterscheiden sich sehr. Ähnlich widersprüchlich sind die Ansichten vom Nutzen und von
den Kosten der Energiewende. In einer folgenschweren Diskussion muss man sich klar
machen, wessen Interesse sich hinter welcher Argumentation verbergen könnte.

Aus meiner Sicht ist ein beschleunigter Umstieg auf erneuerbare Energien alternativlos. Es
geht um die Zukunft von uns allen. Und diese sollten alle mitgestalten dürfen und können.
Entsprechend empört mich, dass 80 Prozent des Zubaus erneuerbarer Elektrizität nur mit
oder durch wenige Großunternehmen umgesetzt werden kann. Auch zu diesem Detail gibt
es sehr unterschiedliche Ansichten.

Um in der Flut aus Fakten und Argumentationen klar sehen zu können, muss zwischen dem
volkswirtschaftlichen Interesse ganzer Länder und den betriebswirtschaftlichen Interessen
einzelner Branchen und Marktteilnehmer unterschieden werden. Zu oft wird ein
Einzelinteresse als Gesamtinteresse dargestellt.


Keine Energiewende wird viel teurer. Sagt unser Gastautor Kilian Rüfer. Für ihn ist ein beschleunigter Umstieg auf erneuerbare Energien alternativlos.

Was die Energiewende der Gesellschaft bringt

Was wissen wir über Kosten und Nutzen der Energiewende für die Gesellschaft?
Seit dem Jahr 2006 wissen wir, dass der noch immer lahme Klimaschutz durch die
fortschreitenden Klimafolgen volkswirtschaftlich teurer wird, als es ein beschleunigter und
damit effizienterer Klimaschutz wäre.

Mit der notwendig zügigen Umstellung auf erneuerbare Energie könnten die Klima-Risiken
begrenzt werden. Zu den Risiken gehören mittelfristig erhebliche Belastungen für die
Wirtschaft und den Wohlstand. Nicht ohne Grund sind Währungshüter alarmiert und warnen
teilweise sogar vor einer dauerhaften Wirtschaftskrise , die mit dem sich derzeit
abzeichnenden verspäteten Klimaschutz einhergehen könne. Aus dem gleichen Grund
ziehen immer mehr kapitalstarke Investoren das von ihnen verwaltete Geld aus fossilen
Energien ab. In Fragen der nationalen Sicherheit werden gewaltsame Konflikte als
mögliches Klima-Risiko ebenso ernst genommen.

Wenn die im Jahr 2010 proklamierten Energiewende-Ziele der Bundesregierung umgesetzt
werden, dann wäre das nahezu erneuerbare Stromsystem wahrscheinlich billiger als sein fossiles Pendant. Eine Berechnung des Öko-Instituts ergab, dass das gesamte Stromsystem auf Basis erneuerbarer Energien im Jahr 2050 etwa 64 Milliarden Euro koste und die Gesamtkosten für ein fossiles Stromsystem im Durchschnitt von zwölf Szenarien bei 67 Milliarden Euro lägen. Wie viel kostet es davor in den anderen 32 Jahren? Noch spannender wäre die Kostenentwicklung in einem ausreichend schnellen Szenario.

60 Milliarden Euro für den Import fossiler Rohstoffe

Die Agentur für Erneuerbare Energien macht auf Zahlen der WHO aufmerksam: Im Jahr
2015 kostete allein der Import fossiler Rohstoffe knapp 60 Milliarden Euro. Dies seien
wertmäßig rund 6 Prozent der Gesamt-Einfuhren gewesen. Das ist nicht nur viel Geld,
sondern auch eine große Abhängigkeit. Das Wohl unserer Wirtschaft und unseres
Wohlstandes ist auf ein zerbrechliches Fundament geopolitischer Entwicklungen gebaut
worden. Robuste Industriepolitik würde Länder vom Energie-Ressourcen-Import und von
atomarer/-fossiler Energie unabhängig machen. Diese Sicherung kommt skurrilerweise
insbesondere dann zum Tragen, wenn die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 bis 2
Grad nicht gelingen sollte. Auch wenn die mittelfristigen volkswirtschaftlichen Vorteile eindeutig für ehrgeizigen Klimaschutz sprechen, können kurzfristige Nachteile für einzelne Interessengruppen nicht verschwiegen werden.

Was kostet die Energiewende? Gegenfrage: Für wen?

Wissen Sie, was Sie essen, wenn Sie die Liste der Inhaltsstoffe industriell verarbeiteter
Lebensmittel lesen? Ähnlich ist es mit Energiepreisen. Was durch welche Abgabe gefördert
wird, ist extrem undurchsichtig.

Beispielsweise verraten die auf der Stromrechnung gekennzeichnete EEG-Umlage sowie
die Netzentgelte nicht, wofür das Geld verwendet wird. Wer weiß, für wen er welche
„Privilegien“ mitfinanziert? Wer weiß, was nötige Entgelte sind und wo sich überhöhte
Renditen eingeschlichen haben? Wer weiß, dass er wegen niedriger Börsen-Strompreise
viel mehr EEG-Umlage zahlen muss und wer von diesen niedrigen Börsen-Strompreisen
profitiert?

Würde der Preis an der Börse steigen, dann könnte man mit Strom etwas verdienen, und die Stromrechnung wäre für Verbraucher niedriger. Gelingen kann dies durch einen Kohleaustieg, der den jetzt schon überflüssigen Stromüberschuss verknappen würde. Betreiber und Anteilseigner stillgelegter Kraftwerke hingegen, die eh schon weniger als geplant erwirtschaften, würden zusehen müssen, wie ihre getätigte Fehl-Investition in ihr Kraftwerk gänzlich verpufft. Ähnliche Interessenkonflikte gibt es bei den Themen Verkehr und Wärme. Ich wüsste gerne, ob und wie man Leute für einen ehrgeizigen Klimaschutz gewinnen kann, wenn sie dadurch kurzfristig betriebswirtschaftliche Nachteile erleiden und definitiv viel ändern müssen – im Kopf und in der Praxis.
Ehrgeizig wäre ein beschleunigter, sektorenübergreifender, gesamtsystemischer Wechsel hin zu erneuerbaren Energien inklusive eines Wandels in der Landwirtschaft. Noch aber begnügen sich Entscheidungsträger mit mehr Schein als Sein und lavieren ungesteuert in eine Zukunft, die kein Mensch hinnehmen mag, wenn er die Folgen nicht verdrängt.

von Gastautor Kilian Rüfer (Sustainment, Vorsitzender des Energieblogger e.V) der Artikel erschien zuerst in www.dialog-energie-zukunft.de/

Über den Autor

Kilian Rüfer ist gelernter Mediengestalter und Ingenieur für erneuerbare Energien bloggt zu Energiewende und Klima-Kommunikation. Seit 2005 betreibt er die auf die Kommunikation für Nachhaltigkeit spezialisierte Agentur SUSTAINMENT©, die exklusiv für nachhaltige Unternehmen und Projekte tätig ist. Als Vorsitzender des Energieblogger e.V. setzt er sich für eine schnelle Wende hin zu 100% erneuerbaren Energien und Gestaltungsspielräume für kleine und mittelständische Unternehmen ein.

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Comments

  1. Reinhard Glanzer says:

    Herrn Rüfer kann ich ncht für ernst nehmen. Offensichtlich leidet er unter Realitätsverlust.

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