Was moderne Stromzähler verraten könnten

Forscher analysieren Datenstrom. Verräterische Smart Meter: Mit den intelligenten Messgeräten könnten Stromanbieter herausfinden, welche Filme sich ihre Kunden anschauen, behaupten Forscher der Fachhochschule Münster.

Intelligente Stromzähler, sogenannte Smart Meter, sind potentielle Überwachungsgeräte. Das ist eine der Hauptaussagen eines Arbeitspapiers der Fachhochschule Münster. Eine Forschergruppe des Labors für IT-Sicherheit hatte analysiert, welche Verbrauchsdaten von einem Smart Meter eines privaten Haushalts an die Stromfirma übertragen werden. Mithilfe der Daten soll der Anbieter unter anderem in der Lage sein, Rückschlüsse auf die Nutzung von Geräten wie Herd und Kühlschrank zu ziehen. Möglich macht das ein Ablese-Intervall von zwei Sekunden.

Die übertragenen Daten sollen aber noch mehr verraten. Wenn seine Kunden ein Smart Meter nutzen, könne der Stromanbieter sogar feststellen, welche Programme oder welche Filme auf dem Fernseher geschaut wurden, heißt es in dem Arbeitspapier.

Damit diese theoretische Überwachungsmöglichkeit Realität wird, müssen aber sehr viele Voraussetzungen erfüllt sein. Von extrem kurzen Ausleseintervallen einmal abgesehen, müssten die Filmidentifizierer auch auf eine Datenbank mit speziellen Signaturen aller Filme zugreifen können. Als Beleg für die Identifizierbarkeit von Filmen führen die Forscher einen eigenen Versuch an. Sie hatten einen selbstproduzierten Film abspielen lassen, der im Wechsel helle und dunklen Szenen zeigte.

Dadurch, dass die Forscher das Muster des Films kannten, konnten sie später anhand der Stromverbrauchsdaten feststellen, dass ihr Film abgespielt wurde und wann welche Stelle auf dem Fernsehbildschirm zu sehen war. Es ist unklar, ob dieses Verfahren bei allen Filmen funktioniert.

“Erheblicher Eingriff in die Privatsphäre”

Nach Ansicht der Münsteraner Forscher stellen kurze Ablese-Intervalle bei modernen Stromzählern “einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre der Stromkunden” dar. Dem überwiegenden Anteil der Stromkunden sei nicht bewusst, welche Informationen aus der Privat- und Intimsphäre über die Auswertung von Stromverbrauchsdaten gewonnen werden könnten, vermuten die Forscher.
Als mögliche technische Gegenmaßnahmen erwähnen sie eine Erhöhung des Ablese-Zeitintervalls sowie ein gezieltes Verrauschen des Signals. Für die Daten fordern sie kurze Löschfristen, zudem sollten die übertragenden Daten verschlüsselt werden. Das soll während ihres Tests nicht der Fall gewesen sein.

Getestet haben die Forscher nur ein einziges Messgerät. Nach eigenen Angaben analysierten sie dabei nur jene Daten, die an einen bestimmten Stromanbieter übertragen wurden, um später dem Stromkunden zur Verfügung gestellt zu werden.

Grundsätzlich haben Smart Meter den Zweck, den Kunden detaillierte Informationen zu ihrem Stromverbrauch zu liefern. So ist es mit den modernen Stromzählern zum Beispiel möglich, Geräte mit besonders hohem Stromverbrauch zu identifizieren. Den Stromanbietern helfen die Messdaten unter anderem beim Optimieren ihrer Netze.

via: http://www.spiegel.de/netzwelt

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