Windkraft vor Fukushima

Schwimmende Windanlage_Energy-Mag

Offshore-Energie: Windräder lernen schwimmen. Die Energiewende schreitet voran – auch in ehemals Atomkraft begeisterten Ländern wird umgedacht und kräftig in Erneuerbare investiert. So soll im kommenden Oktober 20 Kilometer vor der Küste Fukushimas in Japan eine Zwei-Megawatt starke schwimmende Windturbine ans Netz gehen.

Bis zur, durch einen Tsunami ausgelösten, Reaktorkatastrophe im Jahr 2011 wurde die japanische Region mit Atomstrom versorgt. Ab kommenden Oktober gibt es einen kleinen Ersatz. Denn dann geht eine Zwei-Megawatt-Windturbine in Betrieb, die 20 Kilometer vor der Küste in 120 Meter tiefem Wasser schwimmt. Bisher werden Offshore-Windanlagen mit riesigen Fundamenten im Meeresboden verankert. Das ist aufwändig und teuer. Bei schwimmenden Windmühlen entfällt diese komplizierte und teure Installation.

Schwimmende Windanlage_Energy-Mag
Das kleine Windrad vor der Küste Fukushimas, so der Plan der japanischen Regierung, ist der Startschuss zu einem gewaltigen Windenergieprogramm im Land.

Schwimmende Generatoren sollen gewissermaßen vom Fließband kommen. Zunächst sind schwimmende Windparks mit einer Gesamtleitung von 1000 Megawatt angepeilt. Das ist ein Viertel der Leistung, die einst die sechs zerstörten Reaktorblöcke hatten. Die Generatoren liefert Hitachi. Jedes einzelne Windrad soll eine Leistung von sieben Megawatt haben.

Auf hoher See weht mehr Wind

Ein Konsortium unter Führung des Handelskonzerns Marubeni will das Projekt innerhalb der nächsten fünf Jahren realisieren, für das nach Angaben des Handelsministeriums vorerst umgerechnet rund 170 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Windgeneratoren auf hoher See haben neben der leichteren Installation, sie werden einfach von Schiffen aufs Meer gezogen, zwei entscheidende Vorteile: Der Wind weht dort kräftiger und regelmäßiger als an Land oder in Küstennähe und die Generatoren sind für Landbewohner unsichtbar.

Die EU will nachziehen

Genau diese Vorteile haben die Europäische Union dazu bewogen, ein mit vorerst 19 Millionen Euro ausgestattetes Entwicklungsprojekt für schwimmende Windgeneratoren aufzulegen. An FloatGen (Demonstration of Two Floating Wind Turbine Systems for Power Generation in Southern European Deep Waters) sind zehn Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Deutschland, Spanien, Großbritannien, Frankreich, Norwegen und Belgien beteiligt.

2015 könnten die ersten Anlagen im Mittelmeer vor der spanischen Küste stationiert werden. Umfangreiche Computersimulation, die selbst höchste Wellen und heftigste Stürme berücksichtigen, sollen vor bösen Überraschungen schützen.

Die europäische Version des schwimmenden Windgenerators soll in einer Werft auf einem quadratischen Ponton errichtet werden. Schlepper transportieren ihn bereits schwimmend zu seinem Standort mit einer Wassertiefe von 40 Meter und mehr. Dort wird der Ponton mit Stahlseilen an zuvor gegossenen Fundamenten vertäut.

Pilotprojekt auch in Norwegen in Betrieb

Der Drehstrom, den die Rotoren erzeugen, wird in einer ebenfalls schwimmenden Anlage in Gleichstrom umgewandelt, der per Unterwasserkabel an Land fließt und in Drehstrom zurückverwandelt wird. Bei einer Gleichstromübertragung geht unterwegs weniger Energie verloren.

Zur Wartung und zu Reparaturen werden die Mühlen in die Werft geschleppt. Dies ist ein weiterer entscheidender Kostenvorteil, weil Einsatze auf hoher See wetterabhängig sind und hohe Kosten verursachen. Das Entwicklerkonsortium hat als Standort nicht nur das Mittelmeer im Visier, sondern auch die USA. Selbst in Japan rechnet es sich Chancen aus.

Hywind: Siemens und StatoilHydro installieren erste schwimmende Windenergieanlage / Hywind: Siemens and StatoilHydro install first floating wind turbine
Pilotprojekt. Schwimmende Windmühle vor der Küste Norwegens. Foto: Siemens

Außer einem mit einer Leistung von 100 Kilowatt sehr kleinen schwimmenden Windgenerator in Japan gibt es derzeit nur eine weitere Anlage, die auf 2,3 Megawatt kommt. Siemens und der norwegische Energiekonzern StatoilHydro haben sie vor drei Jahren vor der norwegischen Küste bei einer Wassertiefe von 200 Meter verankert. Sie steckt in einem tief ins Wasser eintauchenden Schwimmer, der mit Stahlseilen am Meeresgrund vertäut ist.

Ein zukunftsweisendes Projekt, das der derzeit gegenüber Solar ins hintertreffen geratenen Windenergie einen entscheidenden Schub geben könnte. Wind auf offener See weht immer und stärker, der daraus gewonnene Strom ist effizienter, billiger und die schwimmenden Windmühlen sind für die Menschen auf dem Lande sozusagen unsichtbar.

Das könnte Sie auch interessieren:

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: