Windschnecke für die Stadt

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Windmühlen für Dächer – Minkraftwerke erobern die Stadt. Windanlagen in der Stadt? Nein, das können wir uns nicht vorstellen, die riesigen Rotoren sind viel zu groß und zu klobig für unsere Städte. Eine Windanlage gehört auf’s Land, oder auf die hohe See. Doch eine neue Entwicklung aus den windreichen Niederlanden möchte das jetzt gern ändern. Windschnecken sollen unsere Städte erobern.


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Erobern dieses Minikraftwerke demnächst unsere Städte? © The Archimedes

Wir haben das so gelernt. Eine Windanlage hat riesige Rotorblätter, steht draußen vor der Stadt, ist weiß und spargellang. Das muss so sein, um den Wind effizient einzufangen. Muss das so ein?

Richard Ruijtenbeek, ein Ingenieur aus Rotterdam, hat sich von der Natur und den Rechenkünsten des großen griechischen Mathematikers Archimedes inspirieren lassen, der im dritten Jahrhundert vor Christi Geburt lebte. Herausgekommen ist die wohl effektivste Kleinwindmühle der Welt.

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Das Design der Mühle erinnert an eine Nautilus-Muschel, deren gewundene Gänge in einzelne Kammern unterteilt sind. Die Muschel steuert mit den Kammern ihren Auftrieb.

Bisher werden nur sehr wenige Windturbinen dazu genutzt, Energie für Haushalte zu erzeugen. Einer der Gründe dafür ist, dass der Ertrag bei den Windturbinen der bisherigen Generationen (im Durchschnitt 25 Prozent) sehr niedrig ist und dass die Rotorblätter zu viel Lärm machen.

Günstiger und effizienter

Die Liam F1 Urban Wind Turbine wandelt bis zu 80 Prozent der Energie, die im Wind steckt, in Strom um. Pro Jahr sind das in den Niederlanden je nach Standort 300 bis 2500 Kilowattstunden, weil das Windangebot extrem schwankt.

Die Windturbine erzeugt bei einer Windgeschwindigkeit von 5m/s im Durchschnitt 1.500 Kilowattstunden Energie, was der Hälfte des Energieverbrauchs eines normalen Haushalts entspricht. In Verbindung mit Solarmodulen auf dem Dach könnte ein Haushalt seinen Energieverbrauch damit völlig abdecken. Ingenieur Richard Ruijtenbeek von The Archimedes erklärt: „Wenn Wind weht, nutzen Sie die Energie, die durch die Windturbine erzeugt wird, und wenn die Sonne scheint, nutzen Sie die Solarzellen, um Energie zu erzeugen“.

Ruijtenbeek, Chefentwickler der Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft „The Archimedes“, ist derzeit auf Roadshow auf den Messen dieser Welt, um seine neue Erfindung vorzustellen und populär zu machen. Der Preis von 4000 Euro könnte dabei durchaus helfen.

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Die Liam F1 soll in einer Höhe von mindestens zehn Metern angebracht werden, auf einem Hausdach etwa. In Kombination mit Solarzellen können Hausbesitzer mit der Liam nahezu ihren gesamten Strombedarf aus Wind und Sonne decken. In Verbindung mit einer Pufferbatterie sind sie sogar komplett autark.

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Weil sie keine Rotorblätter hat: Als Klein-Kraftwerk auf dem Dach perfekt geeignet. Die Archimedes-Windmühle Liam F1 im Einsatz. © The Archimedes

Elf Jahre lang hat das Team an der Optimierung der Mühle gearbeitet. Hauptziele waren ein hoher Wirkungsgrad und ein flüsterleiser Lauf. Aufgrund ihrer Schraubenform bewegt sich die Liam je nach Wind automatisch in die optimale Position, genau so wie ein Wimpel, und erzielt folglich einen maximalen Ertrag.

Liam F1 hat eine Leistung von 1,5 Kilowatt, die sie laut Ruijtenbeek schon bei einer Windgeschwindigkeit von fünf Metern pro Sekunde liefert. Mit 45 Dezibel ist sie leiser als das Trommeln von Regentropfen auf einem Blätterdach.

Die Mühle besteht aus faserverstärktem Kunststoff, der nach Kundenwunsch eingefärbt ist. Sie wiegt einschließlich Generator lediglich 75 Kilogramm und hat einen Durchmesser von 1,5 Meter.

Bisher hat Archimedes rund 7000 Mühlen in 14 Länder verkauft, meist nach der Präsentation auf Messen in Rotterdam, Barcelona und Seoul.

Ob das Kleinkraftwerk billiger als der Strom aus der Steckdose ist, hängt freilich vom Standort ab. Bei einer jährlichen Ausbeute von 1000 Kilowattstunden und einem Strompreis von 26 Cent pro Kilowattstunde beim Energieversorger muss die Mühle rund 15 Jahre lang laufen, bevor der Besitzer mit ihr Geld spart.

Sehen Sie eine Liam F1 Windturbine in Aktion auf einem Dach am Hafen Rotterdams:

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