Wo die Erneuerbaren jetzt schon bezahlbar sind

Rund 1,4 Milliarden Menschen haben weltweit keinen Strom – und viele von ihnen kaum eine Chance, günstig und zuverlässig welchen zu bekommen. Denn wo kein Netz ist, gibt es keinen Anschluss. Und wo kein Strom ist, gibt es keine Chance auf Wirtschaftswachstum.

Die Internationale Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) hat die Chancen für Entwicklungsländer, die die Erneuerbaren Energien bieten, jetzt in einem Report zusammen gefasst.


Den Kreislauf der Chancenlosigkeit mit Erneuerbaren Energien zu durchbrechen ist eine wohlklingende, verlockende Idee. Wie das gehen kann, hat die Internationale Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) jetzt in einem Report zusammengefasst. Darin hat sie die Kosten für Strom aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse errechnet.

Das Fazit des Berichts: Strom aus erneuerbaren Quellen ist inzwischen oft der günstigste Weg, die vielen Millionen Menschen fernab von Netzen mit Strom zu versorgen. Auch ein Ausbau bestehender Netze sei mit erneuerbaren Stromquellen am besten zu erreichen, wenn häufig die Sonne scheint, viel Wind weht, oder die Gezeiten gut nutzbar sind.

Erneuerbare sind heute schon wirtschaftlich

„Eine Revolution der Erneuerbaren ist im Gang“, sagt Dolf Gielen, Innovationsdirektor der IRENA. „In den vergangenen Jahren sind die Kosten für Elektrizität aus erneuerbaren Quellen dauerhaft und teils dramatisch gefallen. Sie sind heute die günstigste Option fernab der Netze und auch in bestehenden Netzen. Jedenfalls dort, wo günstige Bedingungen herrschen.“

Erneuerbare Energien sind heute schon wirtschaftlich – auch ohne Subventionen. Und künftig seien weiter sinkende Kosten zu erwarten. So fallen die Gestehungskosten pro Kilowattstunde für Photovoltaikstrom um bis zu 22 Prozent, wenn die installierte Kapazität verdoppelt wird.

Für die verschiedenen Energieträger errechnet die IRENA erstaunlich niedrige Kosten:

– Energie aus Biomasse ist überall dort erschwinglich geworden, wo günstig Abfälle aus Land- und Forstwirtschaft zu bekommen sind. Die wettbewerbsfähigsten Projekte produzieren Strom schon für 0,06 US-Dollar pro Kilowattstunde ($/kWh).

– Die Kosten für Solarthermie mit größeren Kraftwerken und Spiegeln, die Sonnenlicht auf einen Generator projizieren, sind in sonnenverwöhnten Gebieten auf 0,14 – 0,18 $/kWh gefallen.

– Wasserkraft ist mit einer installierten Leistung von 970 GW (so viel wie mehr als 690 große deutsche Kernkraftwerke) die größte erneuerbare Energiequelle der Welt und liefert in passenden Gebieten den billigsten Strom. (Beispielsweise in Norwegen, das sich zu 98 Prozent aus Wasserkraft versorgt.)

– Die Kosten für Photovoltaik fallen rapide – Gründe dafür seien die steile Lernkurve bei der Technik und der schnelle Ausbau, so die IRENA-Experten. Allein 2011 wuchs die weltweit installierte PV-Kapazität um etwa 70 Prozent. Die Kosten liegen zwischen 0,16 und 0,36 $/kWh.

– Windkraft an Land ist bereits eine der wettbewerbsfähigsten Energiequellen. In Regionen in Ländern mit viel Wind konkurrieren die Windmühlen schon mit fossilen Rohstoffen. Die IRENA-Experten haben Kosten zwischen 0,06 und 0,14 $/kWh errechnet, in guten Lagen sogar bis zu 0,04 $/kWh.


Für viele Länder sind die Erneuerbaren eine Chance auf Wirtschaftswachstum.

Bald Kosten unter 15 Cent pro kWh

Eine Einschränkung haben die guten Nachrichten allerdings: Die Berechnungen der IRENA basieren auf einem statischen Modell, das keine Zusatzkosten mit einbezieht: Für jede Windfarm zum Beispiel müssen Ersatz-Kapazitäten her, die den fehlenden Strom bei Flaute ausgleichen. Das verursacht zusätzliche Kosten.

Aber auch mit diesen Zusatzkosten ist es sehr wahrscheinlich, dass die Preise für die erneuerbaren Energien in den kommenden Jahren weiter fallen.

Das erwartet auch die Bank Sarasin laut ihrem neuen Report zur Energiewende. Bis 2020 werden alle Technologien Gestehungskosten von unter 15 Euro-Cent pro kWh erreichen, schreiben die Experten der Bank.

Nach ihren Berechnungen, steigt die weltweite Stromkapazität aus erneuerbaren Quellen in 2012 auf 1.473 Gigawatt – ein Plus von knapp acht Prozent.


Zum Download der Studie >>

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